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Ansichten von früher – und Einsichten dazu

Von Mario Stübi

Ich war in den vergangenen Wochen einige Male im neuen Stadtarchiv in Reussbühl, weil ich alte Bilder aus der Zeit der schönen Hotels benötigte, der Belle Époque Lucernoise sozusagen. Grossartig, all die wunderbaren Schwarzweiss-Aufnahmen durchzuschauen und Dinge zu entdecken, die man schon wusste, aber irgendwie nur im passiven Gedächtnis. Das Hotel du Lac beispielsweise, wo heute der Swisscom Shop steht. Oder der alte Bahnhof, die Trams, einfach ein völlig anderer Blick auf die Heimat.

Wer das gleiche im Internet erleben möchte, dem sei die Wayback Machine empfohlen. Dies ist ein digitales Archiv, welches selektiv Internetseiten aufbewahrt und so frühere Ansichten einer Website für die Nachwelt konserviert. Und das kann mindestens so unterhaltsam sein, glauben Sie mir.

Können Sie sich etwa noch an das erste Layout von www.stadtluzern.ch erinnern? Aus heutiger Sicht viel zu textlastig, viel zu kleine Schrift, total benutzerunfreundlich. Oder zisch.ch, wie das Portal der Neuen Luzerner Zeitung bis vor einigen Jahren geheissen hat. Hinzu kommen Websites von Unternehmen, Kulturhäusern, Suchmaschinen, einfach alles, was mal in irgendeiner Form online war. Teilweise sind die Designs dieser Seiten keine zehn Jahre alt – und trotzdem kommt man sich in einer komplett anderen Zeit vor. Weil die Entwicklung in diesem Bereich exponentiell schneller voranzuschreiten scheint als die Veränderung von Städten, insbesondere im Fall von Immobilien.

Es ist sicher nicht kreuzfalsch, das Beschriebene als technische Spielerei abzutun. Unsere Archive kommen aber langfristig nicht darum herum, auch im Digitalen, beispielsweise dem Internet, präsent zu sein und ihre dokumentierende Funktion auch dort wahrzunehmen. Wenn es uns dabei unterhält, ist dies umso begrüssenswerter.
21. Mai 2016

Mario Stübi (31) hat Kulturwissenschaften an der Universität Luzern studiert und ist freischaffender Redaktor und DJ. Er sitzt für die SP im Grossen Stadtrat von Luzern und engagiert sich kulturell in diversen Vereinen und Gremien, aktuell für die Zwischennutzung Neubad im ehemaligen Hallenbad Biregg.