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Fertig Militär – gestern und heute

Von Mario Stübi

Es war ein Freudentag für mich: Mitte November bin ich offiziell aus dem Armeedienst entlassen worden und konnte meinen Plunder auf der Allmend endlich entsorgen. Für einmal ging alles erstaunlich schnell: Waffe, Tarnanzüge und Abzeichen im Postenlauf durch eine Turnhalle abgeben, gruppenweise kurze Dankesworte inklusive Überreichung eines Abschiedsweins und danach ein freiwilliges Zmittag draussen unter Zelten (Getränk: Mineral).

Früher war das anders. Ich weiss das, weil ich als Teil des Jugend-Blasorchesters mehrere Wehrmännerentlassungen miterlebt habe – mit meinem Saxophon auf der Bühne, Fahnenmarsch und Nationalhymne spielend. Da wurden Reden gehalten, es dauerte alles einen ganzen Tag und regelmässig erblickte ich gut gelaunte Lehrer von mir auf den Festbänken sitzend. Die paar Hundert Männer über 40 durften ein letztes Mal auf Staatskosten «verhocken», alles war à discrétion.

Unter dem Strich war ich ja froh, dass ich mich um mehrere Kilos erleichtert möglichst rasch wieder vom Acker machen konnte. Gleichzeitig fühlte ich mich gegenüber meinen Vorgängern irgendwie benachteiligt. Die wurden noch würdig verabschiedet und konnten sich bis in den Nachmittag hinein zünftig den Ranzen füllen. Ob ich mich deswegen aufregen soll? Dafür ist es mir dann doch zu unwichtig. Aber meinem früheren Orchester hätte ich bei dieser Gelegenheit gerne wieder mal gelauscht.
5. Dezember 2015

Mario Stübi (31) hat Kulturwissenschaften an der Universität Luzern studiert und ist freischaffender Redaktor und DJ. Er sitzt für die SP im Grossen Stadtrat von Luzern und engagiert sich kulturell in diversen Vereinen und Gremien, aktuell für die Zwischennutzung Neubad im ehemaligen Hallenbad Biregg.