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Werbung mit Zürischnurre

Von Mario Stübi

Seit 50 Jahren unterbricht das Schweizer Fernsehen sein Programm regelmässig mit Werbespots. Über dieses «Jubiläum» wurde in den vergangenen Tagen lang und breit geredet und geschrieben. Gewiss, ohne diese Werbeblöcke würden unsere Billag-Rechnungen noch höher ausfallen als jetzt schon, aber zu einem Freudensprung mag ich dennoch nicht ansetzen.

Wenn sie doch wenigstens unterhaltsam wären! So wie in der Werbeunterbrechung während der Übertragung des Super Bowl. Oder nicht immer das gleiche. Aber genau das ist es, immer das gleiche. Spülmaschinenmittel, Autos, Sonderangebote in Supermärkten, alle werden sie immer auf die genau gleiche Weise beworben. Umschalten oder das WC aufsuchen drängt sich auf.

Was mich aber seit einiger Zeit am ärgerlichsten dünkt: Es sind immer die vier, fünf gleichen Sprecherinnen und Sprecher, welche diese Spots vertonen. Und es sind durchgehend – pardon – Zürischnurre. Ich mag ja die Zürcher, aber ihr etwas vorwitziger Dialekt kann einem manchmal durchaus auf die Nerven gehen. Wenn dann so eine Stimme mir noch probiotische Jogurts oder Folgemilch für Bébés andrehen will, geh ich die Wände hoch. Die Werbung erreicht bei mir damit genau das Gegenteil, erst recht kaufe ich mir dann das beworbene Produkt nicht.

Ich wünschte mir, die grossen Schweizer Werbeagenturen würden in dieser Hinsicht mal eine neue Platte auflegen. Aber das wird wohl nichts, die sitzen nämlich alle in Zürich.

10. Februar 2015

Mario Stübi (30) hat Kulturwissenschaften an der Universität Luzern studiert und leitet die Kommunikation des Dachverbands Schweizer Jugendparlamente. Er schreibt für verschiedene Online-Publikationen und ist als DJ tätig. Er sitzt für die SP im Grossen Stadtrat von Luzern und engagiert sich kulturell in diversen Vereinen und Gremien, aktuell für die Zwischennutzung Neubad im ehemaligen Hallenbad Biregg.