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Büsy Lingg: Lustvoller «Unruhestand» 

Von Hanns Fuchs

Fürs beschauliche Rentnerleben ist er nicht geschaffen. Seit Büsy Lingg, Jahrgang 1950, mit 62 als Drucksachen-Einkäufer bei der SUVA in Pension ging, ist er dauernd «auf Achse». In die grosse weite Welt zog es ihn schon in jungen Jahren. Aber verwurzelt blieb und bleibt er immer in Luzern. Im Gespräch mit Büsy Lingg erhält die Stadt ein Gesicht, und sie beginnt zu leben.

Zuerst aber dies: Wieso kennt man Kurt Lingg eigentlich nur als Büsy Lingg? Der grossgewachsene Mann ähnelt einem Kätzchen überhaupt nicht – ein Nick Name aus Pfadi- oder Jungwachtzeiten vielleicht? Büsy winkt ab. Nein, nein, ihm habe einfach der Name Kurt nicht gefallen, und weil er zu Hause seit frühester Kindheit der Büsy war, habe er sich für diesen Namen entschieden. «Kurt war mir zu hart, zu militärisch, ein Name wie ein Kommando», erklärt Lingg. Seither ist er der Büsy – mit y, wohlverstanden. «Büsy ist ein Name, der sich in jeder Sprache sagen lässt.»

Das kam dem jungen Mann, den schon früh das Reisefieber gepackt hatte, gerade recht. Nach der Lehre als Schriftsetzer bei der Druckerei Räber wanderte Büsy Lingg aus, nicht nach Amerika, wie er sich das eigentlich gewünscht hatte, sondern nach Südafrika. «Das war damals ein beliebtes Ziel, weil man schnell Arbeit fand und die Firmen sehr flexibel waren.» Schlimm sei aber die Apartheid gewesen, in den 1970er Jahren herrschte in Südafrika noch strengste Rassentrennung. Nach 22 Monaten kehrte Lingg in die Schweiz zurück – auf dem Landweg durch Afrika («unterwegs stiegen wir auch noch auf den Kilimandscharo») und den nahen Osten («Beirut war damals das Paris des Ostens»).

Zurück in Luzern konnte Büsy Lingg bei der Druckerei Keller an der Baselstrasse (Luzerner Tagblatt) als Maschinensetzer eintreten. Dort erlebte er «das Ende des Bleizeitalters». Die Setzer, gewissermassen die Aristokraten in der Typographen-Gilde, wurden auf Schreibmaschine umgeschult. Lingg blieb dieser «Abstieg» erspart. Als Print-Profi fand er bei der SUVA seine Lebensstelle als Einkäufer für Druckerzeugnisse. Das war eine Arbeit wie massgeschneidert für den kommunikativen und branchenkundigen Luzerner. «Es ging um Drucksachen in der ganzen Palette von Publikationen eines schweizerischen Grossunternehmens, wir hatten Kontakt mit etwa 600 Druckereien im ganzen Land.» Büsy Lingg lernte die Schweiz kennen, und er schuf sich einen «riesigen Bekanntenkreis». Das Reisefieber der jungen Jahre blieb – immer wieder die USA («da waren wir sicher zwölf Mal, bis dann die Bush-Administration kam»), aber auch Australien, Neuseeland, Bali, Singapur, Vietnam waren Linggs Reiseziele.

Luzern aber wurde zu seinem Heimathafen. Hier hinterliess und hinterlässt er Spuren als langjähriger Seeclub-Redaktor, ein Amt, das er 20 Jahre lang versah, als fotografischer Dokumentarist der Naturarena Rotsee, als Co-Administrator der Facebook-Gruppe «Du besch vo Lozärn, wenn...» (über 11'000 Mitglieder). Unübersehbar ist Büsy Lingg an der Lozärner Fasnacht. Zusammen mit Pedro Raas ist er das Duo NixFix. Seit nunmehr 16 Jahren bringt das eingefleischte Fasnächtler-Paar mit von den originellsten Strassen- und Beizenfasnachts-Sujets auf die Gasse. Die beiden waren schon als Kravattenknopf-Instruktoren, als Jodelfest-Medienpartner und letzte Fasnacht als UNESCO-Inspektoren (um die Lozärner Fasnacht auf ihre Weltkulturerbe-Tauglichkeit zu prüfen). Von seinen Kenntnissen der Luzerner Örtlichkeiten, Besonderheiten und kulturellen Leistungen profitieren im Sommer auch die Touristen. Büsy Lingg ist dann als unübersehbarer «friendly Host» für Luzern Tourismus unterwegs.

Lingg ist ein Rentner, dem es mit Sicherheit nie langweilig wird.

12. Dezember 2016