„Die Politik soll offene Ohren haben für die Anliegen der älteren Generation"

Von René Regenass (Text) und Joseph Schmidiger (Bild)

Wie ist die sozialdemokratische Behördenvertreterin in Meggen mit den Anliegen von 60plus konfrontiert worden? „Bei der Überarbeitung des Altersleitbildes in Meggen haben wir schnell erkannt, dass die ältere Bevölkerung gegenüber dem Gemeinwesen mehr Mitsprache haben muss. Es gab zum Beispiel eine Kunstkommission, eine Jugendkommission, jedoch keine Alterskommission. Im Gemeinderat kam man dann relativ schnell zur Einsicht, dass Meggen eine Alterskommission brauche."

Starker Seniorenverein

Auf  Nachfrage sagt die früherer Sozialvorsteherin von Meggen, Mirjam Müller-Bodmer, die Kommission sei nicht auf Grund von parteipolitischen Stärken zusammengesetzt worden. Meggen kenne seit langer Zeit einen starken Seniorenverein. Das war die Ausgangsbasis. Von dieser Gruppe wirkten zum Beispiel auch zwei Personen im Stiftungsrat der Alterssiedlung Sunneziel mit.

War es einfach, Leute für diese Alterskommission zu finden? Mirjam Müller: „Eigentlich schon. Ich stand all diesen Gruppen irgendwie nahe, war als Gemeinderätin an den Vereinsanlässen dabei. Und auf der Ebene der Gemeinde kennt man sich."

Unterschiedliche Lebensweisheiten

Die Mitglieder im Forum Luzern60plus legen grossen Wert auf Mitsprache, Beteiligung und Engagement der älteren Generation. Sehen sie die Möglichkeit, diese Zielsetzungen in ihrer etwas neu gestalteten Funktion in der Abteilung Alter und Gesundheit (AGES) zu unterstützen? „Das ist mir ein grosses Anliegen. Wer ins Pensionsalter kommt, hat viele Erfahrungen. Er oder sie verfügen über unterschiedlichste Lebensweisheiten. Ich finde es beachtlich, wenn es Menschen gibt, die davon etwas weitergeben möchten, die sich beteiligen. Die Politik soll offene Ohren haben für diese Anliegen. Dahinter steckt irgendwie auch die Generationenfrage: Die Akzeptanz zwischen jung und alt wird verstärkt, es entsteht mehr Solidarität unter den Generationen." Sie habe zum Beispiel realisiert, ergänzt Mirjam Müller, dass die Quartierarbeit in der Stadt eine mögliche Form darstelle, um Projekte auf die Beine zu stellen, in denen sich Quartierbewohner engagieren könnten. Das mache Sinn, vor allem auch, weil die Mobilität der Bevölkerung mit zunehmendem Alter abnehme. „Man kennt sich im Quartier, es können neue Nachbarschaften entstehen, ein Beziehungsnetz, von dem beide Seiten profitieren können, jung und alt."

„Zusammen mit der Alterskommission habe ich in Meggen ein Generationenprojekt lanciert. Es hat Veranstaltungen gegeben, zum Beispiel zum Thema „Schule einst und heute". Da haben sich Sekundarschüler und Schülerinnen ausgetauscht mit älteren Menschen und dabei von den unterschiedlichen Lebens- und Alltagsrealitäten gehört."

Jetzt also wirkt Mirjam Müller-Bodmer in einem 70 Prozentpensum an der frühern Fachstelle für Altersfragen in der Dienstabteilung Alter und Gesundheit der Stadt Luzern. Die Umbenennung zum Bereich "Entwicklung und Projekte" seit nötig geworden, schreibt AGES-Leiter Paolo Hendry,  um eine Verwechslungsgefahr mit der neuen "Anlaufstelle Alter" zu vermeiden. Das Arbeitsgebiet umfasst weiterhin die Entwicklung, Planung und Durchführung von Projekten und Veranstaltungen in Zusammenarbeit mit den Akteuren der Alterspolitik. Dazu zählt auch das Forum Luzern60plus. - 16. Januar 2018

Zur Person
Mirjam Müller-Bodmer hat in Zürich Geschichte studiert. Vor ihrer Zeit als Gemeindrätin in Meggen war sie Oberstufenlehrerin in St.Gallen, später während neun Jahren am Oberstufenzentrum Hubelmatt in Luzern. Seit drei Jahren ist sie Präsidentin der Alzheimervereinigung Luzern und Mitglied im Stiftungrat, jetzt Vize-Präsidentin von "Der rote Faden". Mirjam Müller-Bodmer (55), ist verheiratet und Mutter von drei erwachsenen Töchtern.