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„Die Pflegeausbildung geht auf die Bedürfnisse der Heimbewohnerinnen ein“

Irène Erni (50) ist bei Viva Luzern (vorher HAS Heime und Alterssiedlungen) für die Diplomausbildung der Pflegenden verantwortlich. Sie beantwortet Fragen zu ihrem Berufsfeld.

Fast 1300 Personen lebten Ende 2013 in einem der 14 Alters- und Pflegeheime in der Stadt Luzern. Über die Hälfte davon waren im Alter von 85 und mehr Jahren. Das Fazit: Es gibt immer mehr alte Menschen in den Heimen. Trägt die Ausbildung dieser Entwicklung Rechnung?
Irène Erni: Die meisten Lernenden, die aus dem 9.Schuljahr kommen, haben ein Schnupperpraktikum durchlaufen, in der Akutpflege oder in der Langzeitpflege. Diese jungen Leute – 15 bis 16jährig - kommen zu uns, weil sie diese Beschäftigung gewählt haben. Sie wissen, wo sie arbeiten werden. Daneben gibt es die älteren Mitarbeitenden, die bereits in der Pflege wirken und sich aus der Tätigkeit heraus für die Diplomausbildung oder für die höhere Fachschule Gesundheit entscheiden (diplomierte Pflegefachperson). 

Noch einmal: Ich möchte wissen, ob es Ausbildungsteile gibt, die konkret auf die Bedürfnisse der alten Menschen eingehen, nicht nur krankheits-, sondern auch leben- und alltagsbezogen?
Es gibt im Lehrplan 150 Unterrichtstunden, die sich konkret auf das Alter beziehen. Da sind auch die Mehrfach-Erkrankungen ein Thema.

Gehört da auch der Betreuungsteil dazu, der Alltag im Heim, der für die meisten alten Menschen völlig anders aussieht als zu Hause?
Ja, das gehört zur Theorie. Im Pflegeleitbild der Heime und Alterssiedlungen Viva Luzern spielt die Ausrichtung auf die Bedürfnisse der Bewohner eine wichtige Rolle. Es gibt Zeitfenster, wo der Anteil an Betreuung höher ist als für die Pflege. Schon in der Ausbildung kommt der Alltagsgestaltung im Heim eine grosse Bedeutung zu.

Geht diese Ausbildung auf die veränderten Bedürfnisse ein? Die meisten älteren Menschen leben heute im Einzelhaushalt und gestalten ihren Alltag völlig autonom.
Im Bereich Ausbildung weiss man um diese Veränderungen im Zusammenhang mit den demografischen und gesellschaftlichen Entwicklungen. So wie ich es verstanden habe, will die neue VIVA Luzern AG der Lebensraumgestaltung eine hohe Bedeutung geben. Der hochbetagte Mensch kommt mit all seinen Gewohnheiten ins Heim, in sein neues Daheim.

Spürt man diesen Bezug zu den Gewohnheiten auch im Tagesfahrplan? Wie viel Flexibilität kann man gewähren?
Das gehört zu den strategischen Vorgaben für die Heime und hat eigentlich wenig mit der Ausbildung zu tun. Die Lernenden und die Ausgebildeten arbeiten in den bestehenden Strukturen. Aber sie erhalten sicher entsprechende Inputs in der Ausbildung.

Ist diese Beweglichkeit, die Ausrichtung auf Bedürfnisse von Bewohnerinnen für Sie selber auch ein Anliegen?
Ja sicher. Die Lebensraumgestaltung im Heim ist mir ein grosses Anliegen. Wir müssen Angebote schaffen, aus denen die Bewohnenden, unsere Kunden, auswählen können.

Zum Thema Krankheit, Lebensdauer und Sterben: Es wird immer mehr alte Menschen geben, die nicht mehr um jeden medizinischen Preis weiterleben wollen. Für das Pflegepersonal ist es ein schwieriges Thema. Trotzdem: Gehören solche Fragen ebenfalls zur Ausbildung?
Wir vermitteln die Ausbildung in Palliativ Care. In diese Schulung wird seit Jahren viel Zeit investiert. Sterben ist einzigartig. Die Lernenden werden in  Fragen um Leben und Sterben miteinbezogen. Das ist nicht einfach im Alter von 16 und 17 Jahren. Es ergeben sich auch spezielle Begegnungen für die jungen Menschen.

In sehr seltenen Fällen wird der begleitete Suizid zum Thema werden.
Wenn die Vorabklärungen und die notwendigen Gespräche gemäss der geltenden Verordnung des Stadtrates stattgefunden haben, wird ein solcher Entscheid auch von den Mitarbeitenden mitgetragen werden.

Zahlen und Fakten

  • Bei Viva Luzern sind aktuell 111 Lernende in der Beruflichen Grundausbildung beschäftigt. 54 davon belegen den Fachbereich Gesundheit, 4 den Bereich Betreuung, 15 AssistentInnen den Fachbereich Gesundheit und Soziales. Gesamthaft sind es 6 Männer und 67 Frauen, Jahrgänge 1999 bis 1959.
  • 38 Lernende machen die berufliche Grundausbildung in den Sektoren Gastronomie und Technische Dienste. (12 Männer, 26 Frauen, Jahrgänge 1999 bis 1972).
  • Bisherige PflegemitarbeiterInnen leisten die Ergänzende Bildung zur Fachfrau oder zum Fachmann Gesundheit (6 Frauen, 1 Mann.
  • In der Höheren Berufsbildung gibt es 12 Studierende Pflege und 4 Studierende Aktivierungstherapie (15 Frauen, 1 Mann).
  • Die Ausbildung bei HAS und jetzt Viva Luzern geniesse einen guten Ruf, sagt Irène Erni. Und die Zahl der Ausbildungsplätze nehme von Jahr zu Jahr zu

28. April 2015 / Interview René Regenass