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Welche Mobilität macht die altersfreundliche Stadt aus?

Stadt Luzern für die Anliegen der älteren Bevölkerung sensibilisieren

Von Beat Bühlmann (Text) und Joseph Schmidiger (Foto)
Die Stadt Luzern will dem internationalen Netzwerk „Age-friendly Cities" beitreten. Bevor das Aufnahmegesuch gestellt werden kann, muss nun zuerst die ältere Bevölkerung befragt werden.

In diesen Tagen erhalten ausgewählte Frauen und Männer ab 65 Jahren, die in einem Privathaushalt leben, von der Stadt Luzern ein Login zu einem Online-Fragebogen. Damit soll die Altersfreundlichkeit der Stadt Luzern beurteilt werden. Um repräsentative Aussagen machen zu können, müssen 500 Antworten ausgewertet werden: zwei Prozent der 65- bis 79-Jährigen und sechs Prozent der über 80-Jährigen. Der Datenschutz ist bei dieser Befragung, die in Zusammenarbeit mit LUSTAT Statistik Luzern durchgeführt wird, gewährleistet. Denn die Daten werden anonymisiert gespeichert.

Forum Luzern60plus hilft mit
Das Ausfüllen des umfassenden Fragebogens ist anspruchsvoll. Deshalb haben sich 14 Helferinnen und Helfer aus dem Forum Luzern60plus bereit erklärt, wenn nötig ältere Personen bei der Online-Umfrage zu unterstützen. Für diese Aufgabe wurden sie von LUSTAT Statistik Luzern speziell geschult. Alle angeschriebenen Personen, welche an der Online-Befragung nicht teilnehmen wollen (oder können), werden drei Wochen später, also im März 2020, einen Fragebogen auf Papier erhalten. Bis Ende Mai wird diese sogenannten Feldphase abgeschlossen sein, nachher werden die Antworten ausgewertet. Nach dem Sommer finden dann moderierte Workshops (Gruppengespräche) in allen Stadtteilen statt, um die Ergebnisse mit der älteren Bevölkerung zu diskutierten und die nötigen Schlüsse daraus zu ziehen. Noch in diesem Jahr will die Stadt Luzern das Aufnahmegesuch samt Aktionsplan an die Weltgesundheitsorganisation (WHO) weitergeleiten, um das Label der altersfreundlichen Stadt zu beantragen.

Warum will die Stadt Luzern überhaupt Mitglied im Netzwerk Age-friendly Cities werden? „Die Mitgliedschaft verstehen wir als Bekenntnis zur Altersfreundlichkeit und zur Partizipation der älteren Bevölkerung in unserer Stadt", sagte Stadtrat Martin Merki bei der Startveranstaltung. Das Label schaffe Verbindlichkeit für die Verwaltung und die Politik, könne Behörden und Bevölkerung für die Anliegen der älteren Generation sensibilisieren. In der Stadt Luzern ist rund ein Fünftel der Bevölkerung im Rentenalter, davon sind mehr als 5000 Personen (6,5 Prozent) 80 Jahre und älter.

Gemäss Richtlinien der WHO haben altersfreundliche Städte
- den Bedürfnissen älteren Menschen eine erhöhte Aufmerksamkeit zu schenken;
- Rahmenbedingungen zu schaffen, damit Menschen mit zunehmendem Alter die Gesundheit wahren und am sozialen Leben teilnehmen können;
- die Sicherheit älterer Menschen zu gewährleisten;
- den Einbezug und die Partizipation in sämtlichen Belangen des kommunalen Lebens zu fördern;
- die individuellen Entscheidungen und die Wahl des Lebensstils älterer Menschen zu respektieren.

Wohnen und Mobilität
Dabei soll es nicht bei schönen Worten bleiben. Als konkrete Handlungsfelder nennt die WHO zum Beispiel das Wohnen, Mobilität und Verkehr, Gesundheits- und Unterstützungsleistungen, öffentliche Räume und gesellschaftliche Teilhabe oder das freiwillige Engagement. Also alles Bereiche, die auch beim Forum Luzern60plus im Vordergrund stehen - und die bei der repräsentativen Befragung angesprochen werden. Gibt es zum Beispiel genügend altersgerecht ausgestaltete und bezahlbare Wohnungen in Luzern? Ist der öffentliche Raum hindernisfrei, die Mobilität gewährleistet? Bestehen genügend Angebote für die soziale Teilhabe? Der Stadt Luzern verpflichtet sich, aufgrund der Befragung einen Aktionsplan zu erstellen und der WHO vorzulegen. Danach sollen die Fortschritte kontinuierlich bewertet und allenfalls neue Anliegen aufgenommen werden. Denn die Bevölkerungsumfrage muss alle fünf Jahre wiederholt werden.

In der Schweiz ist die Stadt Bern seit 2014 Mitglied des Netzwerks Age-friendly Cities. Das sei durchaus hilfreich, erklärt Nicole Stutzmann, bis vor kurzem Leiterin des Kompetenzzentrums Alter in der Stadt Bern. Die Zusammenarbeit zwischen den Direktionen sei verstärkt, die Alterspolitik besser legitimiert und nicht zuletzt der Austausch mit anderen Städten gefördert worden. Aufgrund der Bevölkerungsbefragung wurde zum Beispiel die Velooffensive gestartet (mit dem Schwerpunkt Sicherheit von Fuss- und Veloverkehr) oder die Wohnstrategie verdeutlicht (Schwerpunkt bezahlbarer, hindernisfreier Wohnraum). Heute gehören weltweit 33 Städte dem Netzwerk Age-friendly Cities an. – 22.2.2020
beat.buehlmann@luzern60plus.ch