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Frauen-(Sitz) Streik 14. Juni 2019

„Es längt jetzt“

„Es war wunderbar und ermutigend, wie die jungen Frauen kamen und mitmachten“ sagt die frühere Hochschul-Dozentin Agatha Fausch zum Frauenstreik-Erlebnise in  Luzern. Sie war schon 1991 an vorderster Front dabei.

Von René Regenass (Text) und Joseph Schmidiger (Bilder)

Auf die Frage, was sie als besonders positiv erlebt habe, erwähnt Agatha Fausch die Themenbreite, die bei den jungen Frauen zum Ausdruck gekommen sei. „Und sie sind ungeduldig. Es längt jetzt, hörte man häufig. Sie greifen Themen auf, für die wir damals 40 werden mussten, um sie zu formulieren.“

Von wo kommen sie, diese neuen Frauen? Viele hätten schon in der Klima-Streik-Bewegung mitgewirkt. Dann waren etwa 15 junge Hebammen dabei, aus dem Berufsverband.  „Und das Erfreulichste am Ganzen war natürlich, dass viel mehr Frauen mitgemacht haben, als 1991“, sagt Agatha Fausch.

Mit grösserer Selbstverständlichkeit aufgetreten

Angelica Ferroni, die Präsidentin des Forums Luzern60plus, war ebenfalls dabei am vergangenen Freitag, wie auch 1991. Ihre Wahrnehmung: „Die Frauen sind mit einer grösseren Selbstverständlichkeit aufgetreten als vor 28 Jahren.“ Angelica Ferroni erinnert sich noch, dass sie damals nach dem Streiktag eine kleine Unsicherheit gespürt und sich die Frage gestellt habe, ob sie dies dürfe. Diese Frage sei heute überflüssig. Und darum sei die Streikidee nachhaltig.

Trotzdem: Wie erzielen wir Nachhaltigkeit in all den Themen, welche die Frauen beschäftigen?“ Angelica Ferroni: „Wir müssen immer wieder an die Themen und die Forderungen erinnern. Zum Beispiel an die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.“ Zudem gebe es heute sehr viele gut ausgebildete Frauen, welche die Männer längst überholt hätten.

Die Ungleichheiten nicht mehr akzeptieren

Agatha Fausch verweist auf die vielen guten Rechtsgrundlagen, die vorhanden seien und zum Teil auch umgesetzt würden. Ein gutes Beispiel, wo der Handlungsspielraum im Gegensatz  zu früher ausgenützt werde, sei die Polizeiarbeit bei häuslicher Gewalt. „Wir müssen aber auch an die Frauen  appellieren, dass sie die Ungleichheiten nicht mehr akzeptieren, beim Lohn, bei der Mutterschaftsversicherung, bei Bewerbungen.“ Agatha Fausch weiss auch von einer 30jährigen Frau ohne Kind, die bei einer Bewerbung in den vordersten Rängen lag, dann aber die Stelle doch nicht erhielt. „Viele Arbeitgeber handeln so. Sie wollen dem Risiko, einen Mutterschaftsurlaubs gewähren zu müssen, ausweichen.“

Die ehemalige Dozentin an der Hochschule für Soziale Arbeit hat sehr gute Erinnerungen an den ersten grossen Frauenstreik im Jahre 1991. „Die Forderungen von damals muss man leider heute zu einem grossen Teil wiederholen. Plakattexte von 1991 machen dies deutlich. Da heisst es zum Beispiel: „Frauen sind keine Objekte – Nein zu jedem Missbrauch, in Ehe und Partnerschaft, in der Arbeit, in der Sprache, in der Werbung.“ Oder: „Bildung hat keine Geschlecht – unsere Lehrbücher schon.“ Die Frauenzentrale Luzern lancierte 1991 einen Wahlaufruf unter dem Titel “Mehr Frauen in die Behörden“. Wir zitieren: „Wenn Frauen Frauen wählten, könnte der Frauenanteil in den politischen Gremien vergrössert werden.“
18. Juni 2019

 

 „Was hämmer erreicht“

Am vergangenen Frauenstreiktag vom 14. Juni sprach Agatha Fausch auf dem Rathausplatz. Hier ein kleiner Auszug aus der Mundartrede:

„Und jetzt schtömmer wieder da und streiked.
Was hämmer erreicht ?
S’Frauehuus isch öppis vom erschte, wo mer uufgleist händ.
Und det gits immer no viel Arbet.
und d’Fraue ?..... die verdiened immer no weniger als d’Herre.
Und wänn e Frau es Chind überchunnt, dänn riskiert sie ihren Job au hüt.
I de Ki-Ta zahled mier die höchschte Prise, vergliiche mit de Länder ringsum d’Schwiiz.
Defür händ mer siit 4 Jahr z’Luzern en Regierigsrat mit 4 ältere Manne, wo spared und für männlichi Konstanz sorged.

(Ganze Rede siehe http://www.lu-wahlen.ch/