site.php

site_theme_paths.php

 

Cécile Bühlmann, Kolumnistin

Keine Knallerei am 1. August

Dieses Jahr haben die Behörden an vielen Orten in der Schweiz verboten, dass am 1. August Feuerwerke gemacht und Knallkörper gezündet werden. Die Trockenheit ist der Grund dafür, es besteht wegen der langanhaltenden Hitzeperiode in der ganzen Schweiz akute Waldbrandgefahr. 

Ich gestehe, dass ich damit gar kein Problem habe, denn die stundenlange und unkontrollierte Knallerei aus allen Nachbarsgärten hat mir in den letzten Jahren die Freude am Nationalfeiertag ganz schön verdorben. Um diesem lärmigen Ritual aus dem Weg zu gehen, bin ich um den 1. August herum öfter mal ins Ausland verreist. Hin und wieder hat mich dabei ein bisschen das schlechte Gewissen gepackt, weil es einer alt Politikerin als mangelnde Heimatliebe ausgelegt werden könnte, wenn sie ausgerechnet am Nationalfeiertag das Land verlässt. Dieser Vorwurf wird der Linken sowieso gern angehängt, weil sie sich nicht wie die Rechte mit viel Pathos dem Patriotismus verschreibt, sondern kritisch die Rolle der Schweiz in der Welt hinterfragt. Dass dies durchaus aus grosser Zuneigung zu diesem einmalig schönen Land mit seinen vielen super funktionierenden Einrichtungen geschieht, habe auch ich nie an die grosse Glocke gehängt. Aber dass ich mich für die Konzernverantwortungsinitiative und gegen die „Selbstbeschneidungsinitiative“ der SVP engagiere, hat durchaus auch damit zu tun, dass mir der gute Ruf der Schweiz in der Welt am Herzen liegt. Es ist mir nicht gleichgültig, wie sich die Glencore mit Hauptsitz in der Schweiz im Kongo aufführt oder welche Rolle und Bedeutung die Schweiz für den Europarat und den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Strassburg hat.     

Doch zurück zum Verbot der Feuerwerke. Ich habe nie verstanden, warum das mit lautem Krach verbundene Kurzvergnügen die Leute – vor allem Männer und Jungs – so sehr entzückt. Ich habe nie verstanden, warum für dieses flüchtige „Vergnügen“ so viel Geld buchstäblich verpulvert wird. Ich habe auch nie verstanden, warum das Wissen über die damit verbundene massive Feinstaubverschmutzung der Luft die Behörden nicht zum Verbot dieses Tuns veranlasst. 

Und nun scheint der Klimawandel dem Spuk ein Ende zu bereiten. Die Berichte über den aufgeheizten Planeten, über Hitzewellen und Waldbrände in bisher nie dagewesenem Ausmass und an ungewohnten Orten belegen, dass der Klimawandel kein Hirngespinst grüner Fundis sondern Realität ist. Aber das beruhigt mich keineswegs! Im Gegenteil! Sind nicht die ausgetrockneten Bachläufe, die ich auf meinen Velotouren durch die Schweiz in den letzten Wochen gesehen habe, Vorboten einer weit dramatischeren Veränderung? So sehr ich den Sommer und die Wärme, das Draussensein in der Natur, die weit geöffneten Fenster in der Nacht mag, mischt sich in diese Freude auch die Sorge über die Zukunft unseres immer heisser werdenden Planeten und die bedrohten Lebensräume seiner Bewohnerinnen und Bewohner.

Cécile Bühlmann, 30. Juli 2018

Zur Person

Cécile Bühlmann, geboren und aufgewachsen in Sempach, war zuerst als Lehrerin, dann als Beauftragte und als Dozentin für Interkulturelle Pädagogik beim Luzerner Bildungsdepartement und an der Pädagogischen Hochschule Luzern tätig. Von 1991 bis 2005 war sie Nationalrätin der Grünen, 12 Jahre davon Fraktionspräsidentin. Von 2005 bis 2013 leitete sie den cfd, eine feministische Friedensorganisation, die sich für Frauenrechte und für das Empowerment von Frauen stark macht. Seit 2006 ist sie Stiftungsratspräsidentin von Greenpeace Schweiz und Vizepräsidentin der Gesellschaft Minderheiten Schweiz GMS. Seit 2014 ist sie pensioniert und lebt in Luzern.