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Kirchensteuern helfen hier

Von Mario Stübi

Vor wenigen Tagen hat Kolumnistin Cécile Bühlmann über die Beweggründe für ihren Austritt aus der katholischen Kirche geschrieben. Ich kann diese allesamt nachvollziehen, habe ich mir diese Gedanken doch auch schon gemacht – mich aber im Anschluss jedes Mal für den Verbleib entschieden.

Nicht etwa aus religiösen Gründen. Sondern weil ich mit meinen Kirchensteuern in erster Linie die vielen Aktivitäten der städtischen Kirche in Luzern unterstütze und keineswegs den rückständigen, intransparenten römischen Apparat, dessen Oberhaupt Bühlmann in seiner Haltung zurecht kritisiert. Was viele nämlich nicht wissen: Die in der Schweiz entrichteten Kirchensteuern bleiben auch in der Schweiz. Das hat historische Gründe und steht im Zusammenhang mit den Diensten der päpstlichen Schweizergarde. Jedenfalls bleibt das Geld hier und wird überwiegend für den Kirchenbetrieb in der Gemeinde eingesetzt, sprich auch für die vielen Dienste an der Gesellschaft wie Gassenarbeit für Randständige, Integration von Geflüchteten oder Jugendarbeit ohne spirituellen Anspruch.

Bühlmann schreibt, dass sie diese sozialen Engagements weiterhin unterstützen und die bisherigen Kirchensteuern ihrer Kirchgemeinde deshalb als Spende zugutekommen lassen möchte. Das ist löblich, doch ich bin mir sicher, dass ihr dies andere Austretende kaum nachmachen werden. Auch ich könnte nicht mit Sicherheit sagen, dass ich diesen Vorsatz nach einem Austritt jährlich umsetzen und einen ungefähr adäquaten Betrag als Spende statt als Kirchensteuer überweisen würde. Das sind meine Bedenken bei solchen öffentlichen Aufrufen zum Kirchenaustritt, denn der ideelle Abschied von der Kirche droht in der Folge zu einer Kürzung sozialer Dienstleistungen im Sinne der christlichen Nächstenliebe zu verkommen.

Zur Person:
Mario Stübi (34) hat Kulturwissenschaften an der Universität Luzern studiert. Er ist freischaffender Redaktor und DJ und für die SP Grosser Stadtrat von Luzern. Er engagiert sich kulturell in diversen Vereinen und Gremien, aktuell für die SRG und die IG Kultur.