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Kreativität vitalisiert das Älterwerden

Am 20. Juni findet der erste Vortrag des diesjährigen Zyklus' „Lebensreise" statt, organisiert von Bettina Hübscher, der Leiterin der Fachstelle für Altersfragen der Stadt Luzern. Die Vorträge kreisen alle um das Thema Kreativität im Alter, besonders auch unter dem Aspekt von Frauenbiografien. Den Abschluss der Reihe bildet dann im November eine Ausstellung in der Kornschütte mit Luzerner Künstlerinnen.

Mit Bettina Hübscher sprach Hans Beat Achermann

Der Vortragszyklus „Lebensreise" steht dieses Jahrunter dem Motto Kreativität – Weiblichkeit – Alter. Wie bist du auf dieses Thema gekommen?
Bettina Hübscher:
In meiner Weiterbildung „Altern im gesellschaftlichen Kontext" hörte ich eine Vorlesung von Professor Franz Kolland aus Wien zum Thema „Kreativität im Alter" und eine Kollegin machte mich auf das Buch der Kunsthistorikerin Hanna Gagel aufmerksam, das Biografien von 16 Künstlerinnen umfasst, die alle ein grossartiges Alterswerk geschaffen haben.  Das Thema hat mich dann so fasziniert, dass ich selber eine Arbeit zum Thema „Wachstum und Reife – die künstlerische und persönliche Entwicklung von Malerinnen in der dritten Lebensphase" verfasst habe.

Was ist spezifisch weiblich am Thema Kreativität im Alter? Wodurch ist weibliche Kreativität in dieser Altersphase geprägt?
Biografien von Künstlerinnen sind häufig von Brüchen und Unterbrüchen geprägt. Viele weibliche Kunstschaffende entdecken ihr Potenzial erst spät, nach der Familienphase oder nach dem Tod des Partners oder sie mussten ihre eigene künstlerische Arbeit zurückstellen. Häufig fehlt das nötige Vertrauen in die eigene Arbeit, aber auch der Freiraum, das eigene Atelier. Ich denke aber, dass heutige junge Kunstschaffende viel selbstbewusster sind, beharrlicher ihren Weg gehen. Wenn ich die Biografien von Künstlerinnen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts anschaue, erscheint der künstlerische Weg damals viel steiniger, war der Kampf um Anerkennung oder auch nur um Ausstellungsmöglichkeiten viel aufwändiger und kraftraubender.

Kreativität kann sich ja auch ausserhalb der Hochkunst zeigen, zum Beispiel beim Kochen, beim Organisieren, beim Dekorieren.  Fördert Kreativität ganz allgemein die Altersvitalität?
Kreativität muss nicht mit Kunst gleichgesetzt werden, aber das Bedürfnis, sich auszudrücken, eigene Ausdrucks- und Gestaltungsmöglichkeiten zu entdecken und auch umzusetzen trägt sicher zur Vitalität und zur Gesundheit bei. Angebote von Privaten und von öffentlichen Einrichtungen können dazu beitragen, Mut zur eigenen Kreativität zu finden, Neues zu wagen, Ängste abzubauen. Die Vortragsreihe soll anhand von Beispielen aufzeigen, wie auch im reiferen Alter Kreativität gelebt werden kann, wie sogar neue Formen und neue Themen die künstlerische Arbeit erweitern und bereichern können.

Welche  Künstlerinnen  sind dir besonders lieb und sind das besonders Alterswerke?
Seit vielen Jahren fasziniert mich die expressionistische Kunst, Ernst Ludwig Kirchner, Paula Modersohn-Becker, aber auch die Bilder der Jungen Wilden in Deutschland sprechen mich an.

Wie lebst du dein eigenes kreatives Potenzial?
Früher habe ich selber gemalt, auch getöpfert und mich mit Goldschmiedearbeiten versucht. Als Ausdrucksform ist mir aber das Schreiben näher. Vor fünf Jahren habe ich an der EB Zürich einen Kurs in journalistischem Schreiben absolviert. Die bildnerische Kreativität lebt jetzt mein älterer Sohn aus: Nach einer Goldschmiedelehre studiert er nun an der Hochschule  in Luzern Design.
Die Veranstaltungsreihe startet am Dienstag, 20. Juni 2017, 18.30 Uhr, im MaiHof Kirchensaal an der Weggismattstrasse mit dem Vortrag von Insa Fooken über "Anti-Aging" oder doch lieber "Pro-Aging?". Weiblichkeit und Kreativität als Chance und Herausforderung für Frauen im Alter.

Flyer zur Lebensreise