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Für eine altersfreundliche Stadt

Von Beat Bühlmann (Text) und Stefano Schröter (Bild)

Wie soll sich die Stadt Luzern in den nächsten 15 Jahren entwickeln? Was heisst es für die Alterspolitik, wenn dannzumal über ein Fünftel der 96 000 Frauen und Männer über 65 Jahre alt sein werden? Das Raumentwicklungskonzept, das der Stadtrat für die öffentliche Mitwirkung zur Diskussion gestellt hat, ist aus demografischer Sicht vor allem in drei Bereichen von besonderem Interesse:

Nachbarschaftshilfen unterstützen

Wohnraumangebot: Wenn die Stadt Luzern innert 20 Jahren um 14 000 Einwohner wächst und die sozialräumliche Durchmischung weiterhin gewährleistet sein soll, braucht es nach Ansicht des Stadtrates ein vielfältiges Wohnraumangebot. Um die Konkurrenz zwischen Studierenden und Familien im preisgünstigen Segment zu minimieren, strebt er neben der Schaffung von Familienwohnungen auch ein erweitertes Angebot an Studentenwohnungen an. Zudem werde angesichts der demografischen Entwicklung "die Alterspolitik in den Fokus gerückt", konstatiert der Stadtrat. "Ältere Menschen möchten so lange wie möglich unabhängig und selbstbestimmt wohnen und Teil des gesellschaftlichen Lebens sein."

Eine besondere Herausforderung im Wohnflächenverbrauch sei, dass ältere Personen oft in Einzelhaushalten oder sehr grossen Wohnungen lebten. Aus finanzieller Sicht bestehe jedoch kein Anreiz, grosse Wohnungen freizugeben. Da die Stadt eine Reduktion der Wohnfläche von heute 45 auf 35 Quadratmeter anstrebt, sei die Schaffung von günstigen Kleinwohnungen - insbesondere im gemeinnützigen Wohnungsbau - besonders dringlich. Insgesamt sollen bis 2035 rund 4900 zusätzliche Wohnungen entstehen, davon rund 2000 gemeinnützige. Dabei will die Stadt besonders Netzwerke von informeller Nachbarschaftshilfen unterstützen und so das generationenübergreifende Wohnen mit innovativen Angeboten fördern.

In jedem Quartier ein Lebensmittelladen

Lebendige Quartiere:
Damit ein Zusammengehörigkeitsgefühl in der Nachbarschaft entsteht, müssen sich die Bewohnerinnen und Bewohner mit ihrem nahen Lebensumfeld, also ihrem Quartier, identifizieren können. Der Stadtrat will deshalb die Quartierzentren stärken oder neu entwickeln, etwa in Littau-Reussbühl, im Steghof oder in Tribschen. "Damit die Wege kurz bleiben und Synergien genutzt werden können, ist es von Vorteil, wenn Nutzungen wie Quartierladen, Apotheke, Bushaltestelle, Post oder Café nahe beieinanderliegen." Konkret werden im vorliegenden Raumentwicklungskonzept zum Stichwort "Lebendige Quartiere" zwei Richtgrössen für das Jahr 2035 formuliert: Innerhalb von 500 Metern ist ein Lebensmittelladen für den täglichen Bedarf und eine Apotheke oder Drogerie erreichbar. Und: Innerhalb von 500 Metern ist in dicht besiedelten Quartieren ein Kindergarten sicher erreichbar.

Kurze Wege: Die räumliche Nähe solcher Quartiereinrichtungen schaffe Begegnungsmöglichkeiten, die bestenfalls mit einem Quartierplatz kombiniert sind. Das sei insbesondere für ältere Personen und Familien wichtig, betont der Stadtrat. Denn sie hätten ihren Hauptaktionsradius häufig eher in der nahen Wohnumgebung. Deswegen sei es insbesondere für die ältere Bevölkerung wichtig, die "Stadt der kurzen Wege" zu erhalten und weiter zu fördern. Dazu gehören Fuss- und Velowege, welche die Innenstadt und die Quartiere optimal verbinden, angedockt an ein attraktives Angebot des Öffentlichen Verkehrs.

Forum steht "vorbehaltlos" hinter dem Konzept

An der öffentlichen Mitwirkung zum Raumentwicklungskonzept hat sich auch das Forum Luzern60plus beteiligt. In seiner Stellungnahme unterstützt es die Zielsetzungen im Raumentwicklungskonzept vorbehaltlos. "Den Fokus auf 'lebendige Quartiere mit Quartierzentrum' als primärer und generationenübergreifender Lebensraum der Stadtbevölkerung zu legen, erachten wir als fundamental richtig." Die Stossrichtung liege ganz im Sinne des eigenen Positionspapiers "Selbständig Wohnen und Altern in Luzern" (vom 16.12.2013) und zu den Stellungnahmen zu den zwei stadträtlichen Berichten "Selbstbestimmtes Wohnen im Alter".

Das Forum Luzern60plus erwartet von der Stadtbehörde, "dass sie sich umgehend an die Umsetzung ihrer Strategie macht und sich bietende Gelegenheiten wie private Initiativen, Arealplanungen, Bauprojekte und kommunale Sanierungsaufgaben nutzt", um die Entwicklung im Sinne des Raumentwicklungskonzepts zu lenken. Die Stadt habe zwar wenig eigenes Grundeigentum vorzuweisen, doch könne sie ihren Gestaltungseinfluss durch die Initiierung und Steuerung von partizipativen Planungen zur Geltung bringen. Dazu benötige sie aber dringend mehr Personal. Der heutige Bestand reiche knapp aus, um die planerischen und legislatorischen Entwicklungsarbeiten zu bewältigen. Der Stadtrat wird das Raumentwicklungskonzept in diesem Frühjahr überarbeiten, sodass es voraussichtlich vor der Sommerpause im Parlament verabschiedet werden kann. - 5.2.2018

Stellungnahme des Forums Luzern60plus