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Mentor Guido Stutz, KV-Lernende Fekrije Abazi, MentoLu-Leiter Stefano Sommaruga (von links).


„Als Mentor muss ich motivieren“

Von Hans Beat Achermann  (Text und Bild)

Vor zwei Jahren hat Guido Stutz seinen Betrieb an zwei Mitarbeiter übergeben. Jahrelang hatte der gelernte Heizungszeichner mit nachmaligem Ingenieurabschluss HTL/HLK  selber Lehrlinge eingestellt und ausgebildet. Jetzt setzt er sein Erfahrungswissen und seine Ausbildnerkompetenzen als freiwilliger Mentor ein, um Jugendlichen den Sprung in die Berufswelt zu erleichtern. Guido Stutz ist einer von rund 50 Mentorinnen und Mentoren, die sich im Programm MentoLu engagieren. Denn nicht allen Jugendlichen gelingt der Sprung von der Schule in die Berufswelt problemlos – dies aus verschiedenen Gründen. Vielleicht sind es falsche Vorstellungen, vielleicht ist es der falsche Name, vielleicht ungenügende Leistungen oder mangelnde Motivation.

Nach 50 Absagen klappte es

Um als Jugendlicher oder Jugendliche als sogenannte/r Mentee ins Programm aufgenommen zu werden, muss die Berufswahl aber realistisch abgeklärt und müssen auch die geforderten Kompetenzen vorhanden sein.  Und trotzdem klappt es nicht immer ohne Unterstützung. So wie bei Fekrije Abazi. Sie wurde in der Schweiz geboren, verbrachte einen Teil der Kindheit in Mazedonien, zog dann mit den Eltern in die Schweiz, besuchte bis Mitte 2. Sek in Zürich die oberste Schulstufe. Dann zügelte sie mit dem Vater und zwei Geschwistern nach Kriens. „Ich war in Zürich eine gute Schülerin, doch plötzlich hatte ich ein neues Umfeld, ein anderes Oberstufenschulsystem, und dann sanken meine Leistungen“, erzählt die 17-Jährige. „Ich fühlte mich plötzlich sehr allein.“ Was blieb, war der Berufswunsch KV. Sie schrieb 50 Bewerbungen, erhielt 50 Absagen, an einem einzigen Tag zehn.  Mit Unterstützung einer Mentorin hielt sie am Ziel fest, gemeinsam optimierten sie die Bewerbungen. Zweimal traf sie sich mit ihrer Mentorin, dann war sie am Ziel, bekam die Zusage für die KV-Lehrstelle beim Schweizerischen Arbeiterhilfswerk in Luzern. „Vielleicht ist Fekrije nicht in allem eine typische Mentee“, sagt Stefano Sommaruga, der zusammen mit Melanie Häring das Mentoringprogramm leitet. „Was aber typisch ist: Mindestens 85 Prozent der Mentees haben einen Migrationshintergrund.“

Die Jugendlichen ernst nehmen

Auch die beiden Jugendlichen, die Guido Stutz begleitet hat, hatten Migrationshintergrund. Der eine fand mit Unterstützung des Mentors eine Lehrstelle als Haustechnikplaner, der andere als Elektriker. „Meine Rolle ist es, den Jugendlichen zu zeigen: Da ist jemand, der sich für dich einsetzt, der an dich glaubt, der dich unterstützt und ernst nimmt.“ Wenn er merke, dass die Motivation da ist, dann setze er sich voll ein. Voraussetzung sei, dass man die jungen Leute gern habe, sich für ihre Welt auch interessiere. Nützlich sein können natürlich auch ein gutes Netzwerk, sei es in der eigenen Branche oder über ausserberufliche Kontakte. Guido Stutz betont, dass die Freiwilligenarbeit sehr befriedigend sei; mit einem seiner begleiteten Jugendlichen sei er weiterhin über Facebook in Kontakt und verfolge seinen geglückten Berufsweg.

Rückhalt ist wichtig

Die Mentorinnen und Mentoren werden sorgfältig in ihre Aufgaben eingeführt und jährlich finden zwei gemeinsame Treffen statt, an denen Erfahrungen ausgetauscht werden.  „Wichtig ist auch, dass die Mentorinnen und Mentoren wissen, dass sie einen Rückhalt haben. Sie können sich jederzeit an uns wenden“, sagt Stefano Sommaruga. Seine Aufgabe ist es auch, für den Lehrstellensuchenden  den „richtigen“ Mentor oder die „richtige“ Mentorin zu finden. Trotz aller Sorgfalt kann es  Probleme geben und nicht immer ist die Begleitung von Erfolg gekrönt. Gerade jetzt ist wieder „Hochkonjunktur“, die Lehrstellenvergabe läuft auch Hochtouren, knapp 20 Mentees sind aktuell mit ihren Mentorinnen und Mentoren noch unterwegs zur Lehrstelle. Neu können nicht nur Oberstufenschülerinnen und -schüler im Programm mitmachen, sondern auch Lehrabbrecher und lehstellensuchende Mittelschülerinnen und -schüler sowie Jugendliche, welche nach Abschluss der obligatorischen Schulzeit noch keine Anschlusslösung haben.

Fekrije hat ihre Traumstelle gefunden, auch dank Unterstützung von MentoLu, und der pensionierte KMU-Unternehmer Guido Stutz hat ein neues Engagement gefunden. Das Herzblut, das er Stefano Sommaruga für die Sache zuschreibt, ist auch bei Ihm spürbar.

Interessierte, die als freiwillige Mentorinnen oder Mentoren Jugendliche bei der Lehrstellensuche unterstützen wollen, finden Informationen unter https://beruf.lu.ch/biz/begleitende_angebote/mentoring

27.02.2018