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Zwischennutzung of Switzerland

von Mario Stübi

Zugegeben, ich hatte nach dem jahrelangen Ebisquare-Investorensuche-Geschwafel nicht mehr damit gerechnet, dass das Rieseneinkaufszentrum in Ebikon in Form der Mall of Switzerland dereinst doch noch zur Realisierung findet. Was hier gebaut wird, ist aus meiner Sicht zwar Grössenwahn pur, aber wenn das die Ebikerinnen und Ebiker wollen, bitteschön (schliesslich haben sie vor Jahren darüber abgestimmt).

Was die breite Bevölkerung aber bislang offenbar wenig zur Kenntis genommen hat, ist das absehbare Ausmass an Folgen für den Einkaufsgrossraum Stadt und Agglomeration Luzern. Hier gibt es bereits diverse Player im Shoppingcenter-Markt, namentlich Emmen Center, Pilatusmarkt Kriens, MParc Ebikon (sic!), Shoppingcenter Schönbühl, das Löwencenter und nicht zu vergessen die Luzerner Innenstadt (plus der Länderpark Stans, wenn man gerne Auto fährt).

Ich bin kein Experte, was Einkaufscenter angeht. Was mich aber aufhorchen lässt, sind die Kommentare von Branchenkennern, welche emotionslos erkennen, dass spätestens nach der Eröffnung der Mall of Switzerland das Köpferollen beginnt. Der Markt sei in der Schweiz seit Jahren gesättigt, ja übersättigt. Schon jetzt seien die Margen pro Quadratmeter Mietfläche schwindend, davon könnten die meisten Shoppingcenter ein Lied singen. Jetzt startet aber ein Verdrängungskampf sondergleichen, gerade in unserer Region. Doch welcher Akteur im Business wird wohl als erster über die Klinge springen müssen? Spekulation zwar, aber für einen Pilatusmarkt wird es eng. Coop ist hier Hauptmieterin, genauso wie sie es in der Mall of Switzerland sein wird. Das Einkaufszentrum in der Kuonimatt hat jedoch den Nachteil, dass es kleiner ist und einen weniger attraktiven Mietermix aufweisen kann als seine Konkurrenten.

Was, wenn es soweit kommt und der Pilatusmarkt oder gar weitere Einkaufstempel schliessen müssen? Ich hätte da bereits eine Idee: Schluss mit Konsum, her mit Kultur – willkommen in der Zwischennutzung of Switzerland! Modulare Veranstaltungsflächen, Platz für voluminöse Skulpturkunst, Bandproberäume, Atelier- und Coworking-Flächen, Tanz- und Filmstudios, Skatepark, Lagerraum und und und. Nonprofit in Hallen überbordeter Konsumfantasien, da würden sich schon Ideen und Nutzende finden lassen. Aber bis dahin warten wir mal ab und schauen zu, wie sich die Shoppincenter gegenseitig die Kundschaft streitig machen und daran zugrunde gehen.

26. September 2014

Zur Person
Mario Stübi (29) hat Kulturwissenschaften an der Universität Luzern studiert und leitete bis 2012 die Regionalstelle Zentralschweiz der Kinder- und Jugendförderung Infoklick.ch. Er schreibt für verschiedene Online-Publikationen und ist als DJ tätig. Er engagiert sich politisch in der SP und kulturell in diversen Vereinen und Gremien, aktuell für die Zwischennutzung Neubad im ehemaligen Hallenbad Biregg.