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Urs Wehrli räumt Kunst auf.

Marktplatz in der Kornschütte – wieder ein Erlebnis

Von René Regenass (Text) und Joseph Schmidiger (Bilder)

Es war zwar keine Kabarettbühne, auf der Ursus (Urs Wehrli) am Marktplatz 60plus in der Kornschütte zuerst seine Aufräumschau darbot und dann die Fragen von Toni Zwyssig beantwortete, doch seine sprachliche Schlagfertigkeit kam auch hier voll zur Geltung. 

Aufräumen im Alter! Ist das ein Thema? Oder wird es verdrängt? Oder als immer wiederkehrende Mahnung zum Alltagstrauma? Die Besucherinnen und Besucher, wie jedes Jahr hunderte im Rathaus,  werden je für sich etwas mitgenommen haben, mit einem geheimen Lächeln hoffentlich und nicht als Damoklesschwert. Es gab auch neben Ursus einiges zum Lachen, vorab bei den Auftritten von Trickfilmer Jonas Räber als Gantrufer vor dem Rathaus, wo er das Publikum zum Schmunzeln brachte.

Nach der Eröffnung durch Forumspräsidentin Angelica Ferroni, begrüsste Stadtrat Martin Merki und meinte, in Anlehnung an die Japanerin Marie Kondo, die beim Aufräumen die Frage stelle, „brauche ich das noch?“, den Marktplatz brauche es unbedingt. Weitere Gäste auf dem Podium waren Lis Hunkeler, Expertin im Aufräumen, die Theologin Heidi Müller (Ordnung im Leben) und Ursula Stalder, Künstlerin und Expertin für Fundobjekte jeder Art. 

Ursus und Nadeschkin – 32 Jahre auf der Bühne

„Wir waren nie ein Paar“, erklärte Ursus, als er von Toni Zwyssig auf  das Kabarettpaar Ursus und Nadeschkin angesprochen wurde. „Wir stehen zwar seit rund 30 Jahren fast täglich zusammen auf der Bühne, aber privat sind wir Urs Wehrli und Nadia Sieger, mit einem je eigenen Kind aus unseren privaten Beziehungen. Neben den Kabarettauftritten ist Urs Wehrli, er wird 50 im August,  bekannt als Buchautor und Aktionskünstler („Die Kunst, aufzuräumen“). Drei Bücher hat er zum Thema herausgegeben. Sie sind in einer Auflage von über einer Million in zwölf Sprachen übersetzt worden, zuletzt auf Taiwanesisch, wie Urs Wehrli sagte.

Aufräumen tönt nach Ordnung schaffen. Doch er sei kein Ordnungfreak, sagt er im Gespräch mit Toni Zwyssig. Und beim Aufräumen gebe es eine gute Technik. Er habe einen grossen Schrank, den man abschliessen könne.

Urs Wehrli hat einen besonderen Bezug zum Kanton Luzern. Im Jahre 1991 weilte er für sieben Monate in der Strafanstalt Wauwilermoos, als Dienstverweigerer. „Ich habe diese Zeit trotz Zelle und Häftlingsstatus in guter Erinnerung“, sagte Urs Wehrli. „Es war auch eine Art von Askese, getragen von Solidarität. Und ich habe genau gewusst, warum ich im Gefängnis war und stehe heute noch dazu.“

Gerne in eine Rolle schlüpfen

Zum Kabarettstil: „Ich mache kein politisches Kabarett. Es sind gesellschaftliche Themen, die Nadia und mich bewegen. Und ich liebe es, auf der Bühne in eine Rolle zu schlüpfen, einmal anders zu sein. Auch Nadia ist privat nicht die Wilde wie auf der Bühne.“ Luzern60plus sei der Veranstalter des Marktplatzes, wo er jetzt auftrete, sagt Toni Zwyssig zu Ursus. Wie er denn alt werden möchte? „Ich möchte so lange etwas tun, wie ich es gut und gerne machen kann. Ich möchte das Alter nicht überlegen. Und ich denke, Nadia und ich werden zusammen im Altersheim auftreten.“ Und das war er denn wieder, Ursus mit seinem Schalk auf der Bühne! Falls es im Alter doch noch Fragen gebe, könne er ja in 15 Jahren, wenn er 65 werde, wieder zum Marktplatz kommen, riet Toni Zwyssig zum Schluss.

12. Mai 2019

rene.regenass@luzern60plus.ch