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Der grösste Witz dieses Hitzesommers: breitere Strassen für Geländewagen!

Von Cécile Bühlmann

Wenn Ihnen diesen Sommer die Augen getränt haben oder Sie häufig husten mussten, war wahrscheinlich das Ozon daran schuld. Das Gas bildet sich dann vermehrt in Bodennähe – und da ist es für uns Menschen problematisch -, wenn es für längere Zeit sonnig und heiß ist. Das war in diesem Hitzesommer der Fall und hatte zur Folge, dass die Ozonwerte durch die Decke gingen. Während Wochen wurden die Grenzwerte von 120 Mikrogramm/m3 massiv überschritten. Eine einzige Überschreitung pro Jahr wäre aber nur erlaubt. Auf der Seebodenalp waren im Juli während 321 Stunden die Grenzwerte überschritten, in Beromünster während 301 Stunden.

Ozon ist ein aggressives Reizgas, das bis in die kleinsten Verästelungen der Lunge eindringt, das Lungengewebe schädigen und Hustenreiz, Atemwegsprobleme und  Asthmaanfälle zur Folge haben kann. Ebenfalls kann es Kopfschmerzen und entzündete Augen verursachen. Man schätzt, dass schweizweit Ozon für rund 300 Todesfälle pro Jahr verantwortlich ist. Am meisten unter Ozon leiden Kinder und ältere Menschen.

Der Verkehr ist der Hauptverursacher des Ozons, das ist schon lange bekannt. Von Behördenseite kamen aber weder eine Warnung oder gar Vorgaben zur Einschränkung des Verkehrs. Einige Medien wunderten sich, dass die langanhaltenden Ozon-Grenzwertüberschreitungen politisch kein Thema mehr waren. Dafür platzte mitten in diesen Hitzesommer die Mitteilung des Bundesamtes für Verkehr, dass es breitere Strassen brauche, um für die immer häufiger gebrauchten Geländewagen Platz zu schaffen.

Das darf doch nicht wahr sein! Zuerst glaubte ich, nicht recht gelesen zu haben: statt den Verkehr einzudämmen, will man ihm den roten Teppich ausrollen? Statt eine grosse Kampagne zu machen, um auf den Unsinn aufmerksam zu machen, dass mit immer grösseren Autos die Umwelt immer mehr belastet wird, sollen nun die Strassen diesem Grössenwahn angepasst werden! Statt diese völlig überdimensionierten Vehikel mit Auflagen und Abgaben zu belasten, um den Verkauf einzudämmen, ziehen die Behörden doch ernsthaft in Erwägung, den ohnehin spärlich vorhandenen Boden für breitere Strassen zu verschwenden! Und das nur, weil die SUV-Lobby danach ruft!

Im Ernst: es kann doch nicht sein, für etwas völlig Unnötiges und nur dem Imponiergehabe derer geschuldet, die ihre Bedeutung an der Grösse ihres Autos messen, unsern kostbaren Boden zu opfern, die Sicherheit von Velofahrenden und Fussgängern zu gefährden und die Umwelt weiter unnötig zu belasten! Während ich hustend am Computer sitze, mache ich mir Gedanken über den Irrsinn dieser Welt, die ich manchmal nicht mehr verstehe! - 24.9.2018
cecile.buehlmanna@luzern60plus.ch

Zur Person
Cécile Bühlmann, geboren und aufgewachsen in Sempach, war zuerst als Lehrerin, dann als Beauftragte und als Dozentin für Interkulturelle Pädagogik beim Luzerner Bildungsdepartement und an der Pädagogischen Hochschule Luzern tätig. Von 1991 bis 2005 war sie Nationalrätin der Grünen, 12 Jahre davon Präsidentin der Grünen Fraktion. Von 2005 bis 2013 leitete sie den cfd, eine feministische Friedensorganisation, die sich für Frauenrechte und für das Empowerment von Frauen stark macht. Seit 2006 ist sie Stiftungsratspräsidentin von Greenpeace Schweiz und Vizepräsidentin der Gesellschaft Minderheiten Schweiz GMS. Seit anfangs 2014 ist sie pensioniert und lebt in Luzern.