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Wie gut waren Alters- und Pflegeheime auf Corona-Pandemie vorbereitet?

Von den bis heute 1900 Opfern der Coronapandemie in der Schweiz starben mehr als die Hälfte in Alters- und Pflegeheimen. Das werfe Fragen auf, findet Vasos, eine der nationalen Seniorenorganisationen. Denn Corona-Krise sei noch nicht vorbei.

Von Bea Heim
Die VASOS vertritt 19 nationale, kantonale und regionale Organisationen mit rund 130 000 Mitgliedern und versteht sich als Stimme der älteren Menschen, deren Anliegen sie im Rahmen der öffentlichen und politischen Diskurse und Entscheidungen vertritt. Sie stellt, wie der Schweizerische Verband für Seniorenfragen (SVS), im nationalen Seniorenrat (SSR) acht Mitglieder.

Das Corona-Risiko-Management in Alters- und Pflegeheimen müsse dringend überprüft werden, heisst es in einer Medienmitteilung, unterzeichnet von Co-Präsidentin Bea Heim. Wir veröffentlichen sie im Wortlaut.

Hat die Schutzstrategie funktioniert?
Auch wenn einige Kantone ihre Zahlen noch nicht offengelegt haben, kann es als statistisch erhärtet gelten, dass Menschen im Pflegeheim in den letzten Wochen zum Teil einem erheblich höheren Todesfall-Risiko ausgesetzt waren als wenn sie in ihren eigenen vier Wänden gelebt hätten. Weil im Heim meistens über 80-Jährige auf beschränktem Raum zusammenleben und dabei auch in engen Kontakt mit den Pflegenden kommen, kann sich das Virus trotz Vorsichtsmassnahmen relativ leicht ausbreiten. Gerüchte über Infektionen durch Corona-Patienten, die aus Spitälern in Pflegeheime verlegt worden sein sollen, beunruhigen die Öffentlichkeit ebenso wie Meldungen betr. Mangel an Masken und anderem Schutzmaterial.

Es ist gut vorstellbar, dass das Personal manchenorts durch die Pflege von Coronapatienten überfordert war. Hat die Schutzstrategie, die speziell auch die Hochrisiko-Gruppen im Auge hatte, tatsächlich funktioniert? VASOS ist der Meinung, dass das Corona-Risiko-Management für Senioren und Seniorinnen gerade mit Blick auf eine eventuelle zweite Welle dringend überprüft bzw. überarbeitet werden muss. Konkret stellen sich folgende Fragen:

1. Wie gut waren unsere Alters- und Pflegeheime auf den Umgang mit der Corona-Pandemie vorbereitet – wo lagen die Defizite?

2. Wer ist letztlich für die Sicherstellung und Umsetzung von Schutzkonzepten verantwortlich? Kann und müsste der Bund bei Pandemiegefahr den Nachweis solcher Konzepte einfordern? Müssten Schutzkonzepte nicht generell von den Kantonen als Voraussetzung für die Betriebsbewilligung eingefordert werden?

3. Wird analysiert, wie einzelne Alters- und Pflegeheime mit der Pandemie umgegangen sind, welche Schutzvorkehrungen wann ergriffen wurden? Ob genug qualifiziertes Personal für eine ausreichende und qualitativ gute Pflege der Erkrankten sorgen konnte? Ob und wie die Vorgaben des Bundes in den Alters- und Pflegeheimen in den Kantonen umgesetzt wurden? Was gut lief und was wann zu verbessern ist und welche Instanz für die Gewährleistung der Verbesserungen zuständig ist? Wie Sterbende trotz Isolation von ihren Angehörigen begleitet werden könnten?

4. Ältere Corona-Patienten wurde von Spitälern in Heime verlegt – offenbar ohne zuvor zu prüfen, ob die Heime genügend Pflegeleistungen erbringen können? Ob ausreichend Massnahmen zum Schutz des Pflegepersonals und der übrigen Heimbewohnenden getroffen worden?

5. Wie stellen die Alters- und Pflegeheime nun konkret sicher, dass die Bewohnerinnen und Bewohner einerseits wieder ein einigermassen normales Leben führen können, andererseits aber auch sichergestellt wird, dass sie sich nicht infizieren – sei es durch das Personal, sei es durch Besuchende?

6. Ob und wie Schutzkonzepte für Risiko-Gruppen jeden Alters zusammen mit von Risiken Betroffenen überarbeitet werden könnten.
Die Überprüfung des Corona-Risiko-Managements in Heimen ist dringend, um bei einer neuen Welle wirklich gerüstet zu sein.

Medienmitteilung vom 18. Juni 2020. Bea Heim, ehemalige SP-Nationalrätin, ist Co-Präsidentin der VASOS.