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Rolf Käppeli mit Steinbach auf Reisen

Rolf Käppeli, gebürtiger Luzerner, las in der Stadtbibliothek aus seinem Romanerstling „Steinbachs Reise“. Der 74jährige Autor beschreibt darin die Geschichte eines engagierten Zeitgenossen, dem Demokratie und Chancengleichheit nie gleichgültig waren, der aber auch das Scheitern kennenlernte.

Text: Hans Beat Achermann   Foto: Joseph Schmidiger

Dass er immer noch in Luzern einen grossen Bekanntenkreis hat, davon zeugten die gut 50 Zuhörerinnen und Zuhörer, die sich in der Stadtbibliothek zur musikalisch umrahmten und moderierten Lesung einfanden. Rolf Käppeli, in Luzern geboren und aufgewachsen und später auch als Seminarlehrer tätig, kam mit seinem Romanerstling „Steinbachs Reise“ zurück in seine Heimatstadt. Auch wenn er seit Jahrzehnten am Zürichsee („an der Goldküste“) lebt, sind im Roman auch Luzerner Erfahrungen verarbeitet, obwohl natürlich verschlüsselt. Steinbach wird im Roman fristlos als Mitarbeiter eines familiären Bildungsunternehmens entlassen, läuft auch als Journalist ins offene Messer, ist auf Lesbos rat- und hilflos dem Flüchlingsdrama gegenüber und sucht spirituelle Erfahrungen auf Athos  – Erfahrungen, die der Autor mit seinem Romanhelden teilt (oder umgekehrt).  Es ist die Geschichte von einem, der nicht aufgibt, der zu seinen Rachegelüsten steht, diese in einem wunderbar beschriebenen Pingpong-Match aber spielerisch sublimiert, von einem auch, der immer wieder an den Ungerechtigkeiten – nicht nur den ihm widerfahrenen  - leidet und lieber Mutbürger bleibt als Gutbürger werden will, wie es im Klappentext heisst. Im Gespräch mit den langjährigen Kollegen und Freunden Max Schmid und Bruno Achermann gab Rolf Käppeli Auskunft zur Entstehungsgeschichte des Romanerstlings, bestätigte die Verwandtschaft zur Kunstfigur Steinbach, betonte auch die Lust am Schreiben, Erzählen und Fabulieren. Im Gegensatz zum politischen Engagement glaube er aber nicht an eine Wirkung eines literarischen Werks – höchstens im Individuellen. So dürfte es vielen der Anwesenden ergangen sein, von denen nicht wenige (Alt)-68er waren, die in irgendeiner vergleichbaren Art ähnliche Erfahrungen gemacht haben dürften wie Käppeli/Steinbach. Einfühlsam ergänzt – mehr als nur umrahmt – wurde die Lesung von Käppelis Stiefsohn Michael Bucher, der mit Gitarre, Mundharmonika und Synthesizer eigene Aktzente setzte, zum Beispiel, in dem er die beschriebene Pingpong-Szene elektronisch erweiterte. 

Das Buch „Steinbachs Reise“ von Rolf Käppeli  ist im Frühjahr 2018 in der Edition punktuell erschienen. 183 Seiten.Richtpreis im Buchhandel Fr. 26.—

26. August 2018