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Sozialarbeit „von unten bis oben“ – Alice Königs ist gestorben

Von René Regenass

Noch vor Tagen begegneten wir uns in der Kornschütte an der Vernissage des ebenfalls verstorbenen Thurry Schläpfer. Es sei auch schon besser gegangen, sagte sie kurz, ging dann aber mit ihrem bekannten Lachen darüber hinweg. Zwei Tage später starb Alice Königs im 76. Altersjahr an einem Herzversagen. Sie war Mitglied des Ausschusses des Forums Luzern60plus von 2011 bis 2015.

Entwicklungshilfe, Arbeiterhilfswerk, Sozialarbeit und Politik auf  breiter Ebene – das waren Wirkungsfelder in ihrem bewegten Leben. In Davos wuchs sie auf, wohnte später in Zürich und wirkte dort in der Flugsicherung in Kloten. Mit 22 entschloss sie sich für den Berufswechsel, besuchte die Schule für Soziale Arbeit in Zürich. Als diplomierte Sozialarbeiterin  wirkte sie in der Flüchtlingshilfe beim Schweizerischen Arbeiterhilfswerk. Dann folgten drei Jahre in der Entwicklungshilfe in Bolivien, wo sie ein Jugend-Bildungszentrum leitete, eine Webgenossenschaft aufbaute und Hausmutter eines Zentrums mit hundert Betten war. Dort seien Alice Königs die politischen Zusammenhänge, die Machtstrukturen und die Ohnmacht der einzelnen Menschen bewusst geworden, heisst es in einer Festschrift zum 100-Jahrjubiläum der SP des Kantons Luzern.

Zwanzig Jahre leitete sie den Krienser Sozialdienst

Gut möglich, dass die Erlebnisse in Bolivien Alice Königs 1974 bewogen haben, in die Sozialdemokratische Partei einzutreten. Ihr Wohnsitz befand sich inzwischen in Kriens, wohin sie nach der Heirat mit Gabor Königs zog. Ihr Mann war Sekretär bei der Union Helvetia, der Gewerkschaft des Gastgewerbes.  In Kriens baute Alice Königs den Sozialdienst der Gemeinde auf und half vielen Benachteiligten. Rund zwanzig Jahre wirkte sie dort. 1979 wurde sie in den Grossen Rat gewählt. 14 Jahre wirkte sie im Parlament .Zweimal kandidierte sie für den National- und den Ständerat. Ihre letzte Wirkungsstätte hatte sie über rund zehn Jahre als vollamtliche Amtsrichterin im Amtsgericht Luzern-Land.

Ursula Stämmer, die frühere Luzerner Stadträtin, wirkte zur gleichen Zeit wie Alice Königs in der SP-Fraktion im Kantonsparlament. „Sie war hochkompetent in allen Sozialfragen, kannte die Dossiers und konnte sich in vielen Fällen durchsetzen“, sagt Ursula Stämmer heute. Sie habe auch Anerkennung in andern Parteien gefunden. Eine Reminiszenz weiss sie noch: Bei der Verabschiedung im Grossen Rat liess ihr der liberale Regierungsrat Ueli Fässler vom Standesweibel einen Zettel übergeben, auf dem er Alice Königs ein Kompliment für ihr Wirken im Rat niederschrieb.

Soweit Daten und Fakten. Im Forum Luzern 60plus erlebte ich Alice Königs als engagierte, politisch denkende Frau, die mithalf, wo es ihr angezeigt schien. Sie verstand das Forum als Bewegung von interessierten Menschen, keinesfalls als Verein. Das Wirten lag ihr, in der Buvette auf dem Inseli, als das Forum zu einem Treffen einlud, und in der Bar am Marktplatz in der Kornschütte.
14. November 2019