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Erika Frey Timillero.


Ein literarischer Erstling mit 66

Von Hans Beat Achermann (Text und Bild)

Sie hatte schon 1983 von der Luzerner Literaturförderung einen Preis für ein Manuskript erhalten, doch ein Buch ist daraus nicht geworden. Doch Erika Frey Timillero hat unentwegt weitergeschrieben, fast 100 Wachstuchhefte sind es inzwischen: Aufzeichnungen, Notate, Gedanken, (nächtliche) Einfälle, Beobachtungen. Vor einigen Jahren packte sie das Bedürfnis und der Mut, thematisch verknüpfte Erzählungen zu publizieren. Die nächste Hürde war die Verlagssuche: Nach zwölf Absagen klappte es im 13. Anlauf: Der kleine, aber feine Waldgut Verlag von Beat Brechbühl  nahm das Manuskript an. Jetzt liegt das 150 Seiten starke Buch mit dem Titel „Die Ewigkeit in einem Augenblick" vor. Wir trafen Erika Frey Timillero wenige Tage vor der Buchvernissage.

Wie findest du die Themen zu deinen Erzählungen und wie geht der Schreibprozess?

Oft ist es eine kleine selbst erlebte Geschichte oder auch etwas sonst Vorgefundenes, Beobachtetes, das ich dann in vielleicht zwei, drei Sätzen notiere. Weitere Gedanken, Ideen und kleine Szenen kommen hinzu. Manchmal dauert dieser Prozess ziemlich lange, bis ich schliesslich anfange, oft ohne zu wissen, wie sich die Geschichte entwickelt. Aber beim Schreiben nehmen die Figuren ein Eigenleben an, verändern sich. Und man merkt dann plötzlich selber, in welche Richtung die Geschichte will.

Die Hauptfiguren in deinen Erzählungen sind alles Frauen verschiedenen Alters, alle mit Trennungen, mit Unsicherheiten, mit Verletzungen, die „einen einsamen Kampf um das Recht auf Glück ausfechten", wie es im Klappentext heisst, die aber in flüchtigen Momenten Glück erfahren, aber auch Sicherheiten gewinnen. Wie weit spiegelt sich darin dein Leben?

Natürlich ist immer Eigenes enthalten, aber durch das Schreiben entsteht Distanz. Meine Frauenfiguren sind nicht identisch mit mir, führen ein anderes Leben. Zum Beispiel in der ersten Erzählung leidet Christine unter dem Verlust ihres Sohnes. Das habe ich zum Glück nicht selber erlebt, aber jede Mutter kennt die Angst, dass einem Kind etwas passieren könnte. Literatur beschreibt ja nicht nur reale Ereignisse, sondern sie transportiert Gefühle und Gedanken in Geschichten.

Die fünf Geschichten verbindet vieles: Frauen, die eine schmerzliche Erfahrung hinter sich haben, die sich zurückgezogen haben an einen Ort am Meer, um sich klar zu werden über Geschehens und darüber, wohin und wie es weitergehen soll. Diese Rückzugsorte sind sehr präzis beschrieben.

Es sind alles Orte, an denen ich selber war, allerdings nicht aus denselben Gründen wie die erfundenen Frauenfiguren. Da ist zum Beispiel die Wohnung in Kopenhagen, in der ich selber durch einen Wohnungstausch drei Wochen verbrachte, oder das Haus in diesem kleinen Dorf in der Nähe von Carcassonne oder das Hôtel des Templiers in Collioure, in dem ich selber übernachtete. Die „Kulissen" sind real, mit eigenen Erinnerungen verbunden. Aber beim Schreiben möchte man nicht alles von einem selber preisgeben. Da hilft die Phantasie weiter.

Wieso musstest du 66 werden, bis jetzt dein erstes Buch jetzt veröffentlicht wird?

Ich musste  jahrelang als Übersetzerin und Lektorin mein Geld verdienen, da ich meine Tochter Alina, seit sie knapp drei war, alleine erzogen habe. Da blieb sehr wenig Zeit, schon gar nicht für längere Arbeiten. Das „Mittellange" hat mir sehr entsprochen und passte auch zu den äusseren Bedingungen. Ich finde es spannend und herausfordernd, auf 30 oder 40 Seiten etwas zu entwickeln. Zudem lese ich selber sehr gerne Erzählungen. Alice Munro und ihre Geschichten zum Beispiel haben mich fasziniert und auch inspiriert.

Wie geht es weiter mit deinen literarischen Ambitionen?

Ich habe nun erstmals die Idee zu etwas Längerem. Mehr möchte und kann ich noch nicht verraten, denn ich weiss nicht, ob daraus etwas wird. Daneben möchte ich der mittellangen Erzählform treu bleiben. Als AHV-Bezügerin habe ich meine Übersetzungsarbeiten nun ziemlich reduziert, so dass ich mehr Zeit für das literarische Schreiben habe. Die Erfahrung mit der Publikation des ersten Buches hat mir Mut zum Weitermachen gegeben, auch wenn es schwierige Momente gab, bis es soweit war. Aber ich weiss jetzt, dass es nicht getan ist mit diesem einen Buch. Gerne würde ich auch wieder einmal länger weggehen, um neue Erfahrungen zu machen und Ideen für neue Geschichten zu finden und einfach Zeit zu haben. Im Moment hindert mich aber noch meine taube, hochaltrige Katze am Weggehen. Sicher wird mein eigenes Älterwerden irgendwann einmal ein Thema für eine Geschichte... - 17.3.2018

Die Buchvernissage von Erika Frey Timilleros Erzählungsband „Die Ewigkeit in einem Augenblick" , verbunden mit einer Lesung, Signierung und einem Apéro, findet am Mittwoch, 21. März, 19.00 Uhr, in der Hirschmatt Buchhandlung statt. www.hirschmatt.ch

Der Waldgut Verlag ist auch am Buchmarkt in der Kornschütte anlässlich des Luzerner Literaturfestes am 23., 24. Und 25.März präsent: www.literaturfest.ch, www.waldgut.ch.