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Wer Sport treibt, verschwendet seine Zeit

Von Mario Stübi

Alle Jahre wieder kommt das Christkind – und damit der Schmaus der Festtage, wo alle eifrig zulangen, mit oder ohne schlechtem Gewissen in Sachen eigenes Körpergewicht. Zuverlässig liefern uns dann die Boulevardmedien ab Januar Tipps, wie der Bauchspeck spätestens bis zur Bikinifigur im Sommer wieder loszukriegen ist. Nicht selten wird zuerst geschlemmt, dann ausgiebig gejammert und am Schluss ein Fitnessabo gekauft.

Der Weg zur Gewichtsreduktion hat nämlich meist was mit Sport zu tun. Oder genauer: mit Bewegung, die uns im Alltag oftmals fehlt. Aber sind die abendliche Jogging-Tour oder der regelmässige Besuch des Fitnessstudios die Lösung des Problems? Ja, wenn man seine Zeit verschwenden will. Denn statt zeitraubende Sporteinheiten im Tageslauf anzuhängen, sollten wir lieber die Augen aufmachen und von den simplen Bewegungsangeboten Gebrauch machen, die jeden Tag vor unseren Füssen liegen.

Ich habe beispielsweise aufgehört, Lifte zu benutzen. Wozu auch? Ich sitze ja nicht im Rollstuhl. Das gleiche gilt für Rolltreppen, wenn daneben eine herkömmliche steht. Unverständlich in diesem Zusammenhang, dass die Migros beim Umbau ihrer Filiale an der Waldstätterstrasse neben Treppe und Lift auch noch zwei Rolltreppen reingezwängt hat. Eine nach oben und eine nach unten, wobei Wägeli nicht erlaubt sind (mit denen muss man den Lift benutzen).

Den Bus nehme ich für kurze Distanzen nur, wenn es draussen übel «hudled». Ansonsten wird konsequent das Velo genommen oder zu Fuss gegangen. Ich bewege mich somit während meiner alltäglichen Fortbewegung und muss nicht noch zusätzlich eine sportliche Betätigung erfinden. Wem Sport aber Spass macht, soll ihn natürlich weiterhin treiben. Wer hingegen mit dem Auto ins Fitnessstudio fährt und von der Tiefgarage den Lift für die zwei Stockwerke nach oben benutzt, soll sich wenigstens das Jammern über die weihnächtliche Gewichtszunahme verkneifen.

Mario Stübi (33) hat Kulturwissenschaften an der Universität Luzern studiert. Er ist freischaffender Redaktor und DJ und für die SP Grosser Stadtrat von Luzern. Er engagiert sich kulturell in diversen Vereinen und Gremien, aktuell für die SRG und die IG Kultur.