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Werden diese Villen saniert?

Von Mario Stübi

Wer mit dem Bus zwischen Luzern und Kriens verkehrt, kann sie nicht übersehen: die beiden Stadtvillen an der Obergrundstrasse 99 und 101. Überregionale Bekanntheit haben die Liegenschaften durch ihre mehrmalige Besetzung erhalten. Inzwischen sind sie verbarrikadiert und stehen absichtlich leer, angeordnet durch ihren Besitzer und Unternehmer Jørgen Bodum.

Aber wenn sie doch nur ungenutzt wären – und nicht gleichzeitig aktiv ihrem Zerfall überlassen würden. Das Dach der Liegenschaft Nr. 99 ist nämlich nur provisorisch mit Planen gedeckt. Schon vor einem Jahr wurde entdeckt, dass sich deswegen der Parkett wölbt und der Schimmel im Gemäuer ungebremst ausbreitet.

Es könnte jetzt argumentiert werden, die Stadtbaukommission habe schon vor den Besetzungen festgehalten, dass sich die Villa zwar in der Ortsbildschutzzone B befindet, ihre Bausubstanz dennoch «nicht mehr schützenswert» sei. So lange aber noch keine Abbruchbewilligung vorliegt, hat man als Liegenschaftsbesitzer dafür zu sorgen, dass seine Bude im Schuss bleibt. Und als Eigentümer steht man überdies in der Verantwortung, in Zeiten knappen Wohnraums nicht absichtlich Räume ihrer Nutzung zu entziehen. Und als Bewohner dieses Landes wäre es überdies nicht zu viel verlangt, die Pressefreiheit zu respektieren.

Um also die Frage im Titel zu beantworten: Ja, diese Villen werden saniert und im Idealfall zwecks Wirtschaftlichkeit mit Anbauten erweitert. Sonst verliere ich den Glauben in ein paar staatliche Abläufe. Ich will keine zweite Hofstrasse 3, wo eines der ältesten Gebäude des Weyquartiers nach dem Hochwasser 2005 von Eigentümer Gübelin jahrelang ohne Sanierung dem Zerfall überlassen wurde, bis es irgendwann aus wirtschaftlichen Gründen abgerissen werden durfte. Ich will keine zweite «Schmitte», die am Ende Einsturzgefährdet war, weil von ihrer Besitzerin – der Stadt Luzern – jahrzehntelang kaum erhaltende Massnahmen ergriffen worden sind, obwohl die Liegenschaft schon lange nicht mehr für ein potentielles Verkehrsprojekt hätte weichen müssen. Vielleicht sollten wir analog der Kurt-Bieder-Brache am Pilatusplatz die Villen an der Obergrundstrasse Jørgen-Bodum-Ruinen nennen.

17. 10. 2018

Mario Stübi (34) hat Kulturwissenschaften an der Universität Luzern studiert. Er ist freischaffender Redaktor und DJ und für die SP Grosser Stadtrat von Luzern. Er engagiert sich kulturell in diversen Vereinen und Gremien, aktuell für die SRG und die IG Kultur.