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Die junge Lehrerin überbringt die Einkäufe.

„Wir wollen helfen, das war für uns schnell klar“

Von René Regenass

Angela ist Lehrerin. Jetzt steht sie zweimal in der Woche mit einer oder zwei vollen Einkaufstaschen vor meiner Haustüre. „Ich bin über Google auf Vicino aufmerksam geworden und habe mich gemeldet für das Unterstützungsangebot, das Vicino Luzern und Zeitgut Luzern für Menschen der Risikogruppe in dieser durch Corona belasteten Zeit anbieten. Es war völlig unkompliziert“, sagt Angela, aktuell Englisch-Lehrerin in einem Primarschulhaus.

Eine Weltreise geplant

Die Pläne von Angela und ihrem Freund Andreas sahen vor Wochen noch ganz anders aus. Sie planten für den Sommer den Start einer Weltreise, kündigten Stellen und Wohnung. Sie ist bereits neu vermietet. Dann kam die Epidemie. „Im Schulhaus wurden Betreuungslektionen abgebaut, auch bei mir. Es gab einen Verlängerungsstopp für einzelne Anstellungen. Angela hat jetzt als Stellvertreterin einen 40-Prozent-Job im Englisch-Unterricht bis im Sommer. Sie unterrichtet 75 Schüler und Schülerinnen an einer dritten, vierten und zwei fünften Klasse.

Meine Frage: Wie sieht denn dieser Englisch-Fernunterricht aus? „Wir arbeiten weitgehend mit Office 365. Die Schüler und Schülerinnen kriegen also alles Material per E-Mail oder auf Sharepoint. Ich stehe aber auch telefonisch in Kontakt mit ihnen, was wegen der grossen Anzahl SchülerInnen nicht einfach ist. Jedenfalls arbeite ich im Moment deutlich mehr als 40%, was wohl aber jetzt vielen Lehrpersonen so geht.“ Auch ihr Freund Andreas spürt die Corona-Folgen. Er arbeitet im Tourismus und befindet sich in der Kurzzeit-Anstellung. Er arbeitet nur noch einen Tag pro Woche. Und kann deshalb seiner Freundin beim Einkaufsdienst helfen.

„Wir wollten helfen“

Zurück zu Vicino und Corona: „In dieser schwierigen Zeit, als ich merkte, dass ich in meiner beruflichen Situation eingeschränkt werde und zudem die privaten Reisevorstellungen in die Ferne rückten, habe ich mich zusammen mit Andreas dazu entschieden, unsere Hilfe anzubieten. Die Menschen von der Risikogruppe können ja nichts dagegen tun. Es war für uns schnell klar, dass wir da helfen wollten.  Wir haben im Haus einen Anschlag gemacht. Das ist sehr gut angekommen bei den Mitbewohnern, aber die meisten waren mit Einkäufen und andern Hilfen noch gut versorgt. Und dann kam eben die Entdeckung von Vicino.“

Beim ersten Kontakt hat die Beraterin von Vicino empfohlen, die Hilfeleistung auf maximal drei Personen auszurichten. Und das ist jetzt so: Angela und ihr Partner helfen bei einer Adresse im Wohnhaus, bei den Grosseltern des Partners und eben bei mir. Und ich  muss sagen, die Einkaufshilfe zweimal pro Woche ist wertvoll und klappt sehr gut. Die Abläufe verlangen vor mir einen Menuplan, was in Sachen Verwertung von Lebensmittel auch nicht ohne ist. Es wird genau das eingekauft, was man braucht, und nicht noch zwei Kiwis oder ein Kaffeepaket mehr, weil es gerade so in die Augen springt.

Um die 400 Tandems in der Stadt

Das von Vicino Luzern und der Genossenschaft Zeitgut eingerichtete Unterstützungsangebot für Personen der Risikogruppe findet regen Zuspruch. Aktuell gibt es über 400 Tandems in der Stadt Luzern. Ein Tandem besteht aus der helfenden und der Hilfe beanspruchenden Person.

„Wir beabsichtigen, die Einsätze der Freiwilligen, welche Hilfe leisten, möglichst einzuschränken“, sagt Christian Vogt, der diese Corona-Aktion als Co-Geschäftsleiter von Vicino Luzern koordiniert. „Wir achten auf kontaktlose Hilfe, und nicht mehrere an einem Tag.“ Manchmal sei es schwierig, diese Absicht den Freiwilligen gegenüber zu vertreten. Am meisten Kontakte finden in den Quartieren Hirschmatt und Neustadt statt.

Die Genossenschaft Zeitgut ist Mitglied von Vicino Luzern. Die Kompetenzen liegen dort vor allem bei der Vermittlung von Freiwilligen, die Hilfe leisten können. Die Kombination von Vicino und Zeitgut sei im Moment ideal, sagt Christian Vogt.
3. April 2020