René Regenass besuchte eine spannende Ausstellung

"Wieso interessiert uns das alles so brennend", heisst es im Führer des Historischen Museums Luzern zur Ausstellung Tatort. Ich weiss es auch nicht so genau, aber der Krimi-Spannung bin ich im Museum genauso erlegen. Die Ausstellung nimmt die Besucherinnen und Besucher mit auf die Spurensuche durch Jahrhunderte Kriminalität und Verbrechen im Kanton Luzern. Die Fälle widerspiegeln den Zeitgeist der jeweiligen Gesellschaft, ihre Vorstellungen von Recht und Unrecht und ihren  Umgang mit Mördern. Neben den Tatort-Geschichten geben elf historische Fälle rund um Mord und Totschlag Einblick in die Luzerner Rechtsgeschichte der letzten Jahrhunderte. Das gesellschaftliche Umfeld wird beleuchet. In welcher sozialen Umgebung geschah die Tat? Welche Strafen wurden ausgesprochen? Anhand von vielfältigen Archivunterlagen werden die Zusammenhänge hergestellt und Tathintergründe rekonstruiert. Ein Fall befasst sich mit dem Luzerner "Todespfleger", das grösste Serienverbrechen der Schweiz. Zwischen 1995 und 2001 vergiftete oder erstickte R.A. 22 pflegebedürftige Menschen in verschiedenen Institutionen, unter anderem auch im Pflegeheim Eichhof Luzern. Er habe aus Mitleid und Überforderung gehandelt, sagte der Angeklagte im Prozess. Er habe "Gott gespielt und jede Tötung als Befreiungsschlag empfunden". Im Januar 2005 wurde R.A. zu lebenslanger Haft verurteilt. Ein Haftentlassungsgesuch nach 15 Jahren wurde abgelehnt. Hingegen wurde die Strafe gelockert. R.A. lebt heute im Arbeisexternat, d.h er kann die Anstalt am Morgen zur Arbeit verlassen und kehrt am Abend dorthin zurück. - Das Historische Museum präsentiert den Besuchern eine fesselnde Schau mit vielen Details. Zum Beispiel sind die Beruhigungsmittel da, von denen der Todespfleger einem Teil seiner Opfer eine tödliche Dosis verabreicht hatte. (Bis 11. März 2018)

Agenda

Hinweise auf Veranstaltungen, Ausstellungen, Konzerte

Mittwoch, 25.Oktober, 15 bis 17 Uhr, Gemeindehaus Würzenbach
"Was uns ausmacht - und was wirklich zählt"
Lorenz Marti, der Schriftsteller, kann die schwierigsten, wissenschaftlichen Zusammenhänge auf verständliche Art weitererzählen. Er hat es bewiesen in seinen Büchern. Und er schafft dabei die Annäherung an die grossen Lebensfragen. Marti wird auf Einladung der "reformierten kirche stadt luzern" Texte aus seinen neuen Büchern "Eine Handvoll Sternenstaub" und "Der innere Kompass" vorstellen und dabei auf spielerische Weise naturwissenschaftliche Erkenntnisse mit philosophisch-poetischen Weisheiten verbinden. Wer neugierig ist auf spannende Themen wird hingehen.

Samstag, 28. Oktober, 10 bis 16 Uhr, Bourbaki Panorama

Schweizer Reparaturtag

Zuschauen und lernen, wie man alte, gebrauchte Produkte reparieren oder zu Neuwert umfunktionieren kann. Upcyclen nennt man das. Die Stadtbibliothek und das öko-forum der Stadt Luzern nehmen den zweiten Schweizer Reparaturtag zum Anlass, im Bourbaki-Panorama solchen Reparateuren eine Plattform zu geben. Detailprogramm unter www.umweltberatung-luzern.ch/reparaturtag

Mittwoch, 1. November, 18.30 Uhr, MaiHof, eggismattstr. 9, Luzern
Liebe im Alter. Wie langjährige Beziehungen gelingen können
Die Liebesbeziehung ist für die meisten Erwachsenen die wichtigste und prägendste Beziehung. Über die Jahre entsteht eine identitätsstiftende, gemeinsame Welt. Diese soll Sicherheit und Vertrautheit geben – aber auch Lebendigkeit und Offenheit ermöglichen. Soll eine langjährige Beziehung diese verschiedenen Bedürfnisse für beide Partner erfüllen, muss sie gepflegt werden. Es braucht aber auch den Mut, sich zu reiben und die eigene Entwicklung im Auge zu behalten. Der Vortrag der Psychotherapeutin Helke Bruchhaus ist Teil der Veranstaltungsreihe „Liebe und Beziehungen im Alter“, veranstaltet von der Fachstelle für Altersfragen der Stadt Luzern in Kooperation mit S&X Sexuelle Gesundheit Zentralschweiz und der Dienststelle Gesundheit und Sport Kanton Luzern. Eintritt frei, keine Anmeldung nötig.

Dienstag, 14. November, 18.00 Uhr, Viva Luzern Eichhof
Pflegeheimkosten - wie bezahlen?
In einem Vortragsforum informiert Hildegard Stadermann, Leiterin Pflegefinanzierung der Stadt Luzern, über die Kosten eines Pflegeheimaufenthalts und über deren Finanzierung. Das sei komplex, heisst es im Viva-Flyer, weil Pflegezentren eigentlich Lebenszentren mit Hotelcharakter seien. In einem zweiten Referat berichtet der Sozialwissenschafter Kurt Seifert über die Entwicklung der Alters- und Pflegezentren. Flyer

Lesen. Hören. Schauen.
Die Medien-Nachlese von Luzern 60plus

Wilhelm Tell und Hohle Gasse - Geschichte 'raus, Mythos 'rein
In einem weiteren, trefflich illustrierten Blog auf der Website des Schweizerischen Landesmuseums in der Reihe "Historische Fabrik" setzt sich der Emmer Historiker Kurt Messmer mit der Tellsgeschichte auseinander. Sie war "verbreitet, populär und prägend", auch für die 600-Jahrfeier des Waldstätterbundes am 11. September 1932 auf dem Kapellplatz in Luzern. "Geschichte und Gegenwart gingen damals ineinander über", schreibt Messmer. Der Tag wurde "zum Beginn der geistigen Landesverteidigung". Geschichte sei die Wissenschaft der Graustufen, schreibt Messmer im lesenswerten Blog.
Website des Landesmuseums

Worauf es am Ende ankommt
Bei der Palliative Care drehe sich keineswegs alles nur ums Sterben, sagt Steffen Eychmüller. Sondern darum, was den Patienten in ihrer verbleibenden Lebenszeit am besten tut. Steffen Eychmüller ist Chef des Palliativzentrums am Insespital Bern und Stiftungsprofessor für Palliative Care an der Universität Bern. Er gibt in einem Artikel im „Bund“ Einblick in die Aufgaben und Arbeitshaltung des interprofessionellen Palliative-Care-Teams.
Zum Artikel von Irène Dietschi, Der Bund, 15.9.2017

Wer zahlt die Pflegeheimkosten?
Welche Kosten müssen Kinder übernehmen, wenn ihre Eltern pflegebedürftig werden? Diese Frage stellt die NZZ in einem Beitrag unter dem Titel „Eltern im Pflegeheim – wer zahlt?“ Falls das Einkommen aus AHV und zweiter Säule für die Bezahlung des Pflegeheimaufenthalts nicht mehr ausreichen, können in erster Linie Ergänzungsleistungen EL beantragt werden. Auch das Vermögen kann für die Bezahlung eingesetzt werden, allerdings nur bis zu einem Freibetrag. Dieser liegt aktuell bei 37‘500 Franken bei Alleinstehenden und bei 60‘000 Franken für Ehepaare. Massgebend für die Kostenübernahme durch Kinder (oder auch Eltern) ist das ZGB. Dort heisst es, wer in günstigen Verhältnissen lebe, sei verpflichtet Verwandte in auf- oder absteigender Linie zu unterstützen. Bemessungsgrundlage für „günstige Verhältnisse“ ist das steuerbare Einkommen und Vermögen. Es beträgt für Alleinstehende 120‘000, für Verheiratete 180‘000 Franken. Unterstützung ist somit nur zu leisten, wenn Kinder mehr verdienen.
Zum NZZ-Artikel

Ist da etwas, das im Alter besser wird?
Was denken drei Hundertjährige über das gelebte Leben, über das ewige Leben? Zwei Journalisten, Felix Dachsel und Jan Ludwig, haben in einer Seniorenresidenz in Berlin mit zwei Frauen und einem Mann über deren Alltag, über Partnerschaft, späte Liebe, über Junge, Handys und übers Glück gesprochen. Ein berührendes, alltagsphilosophisches Gespräch. Nachzulesen in DIE ZEIT vom 13. Juli 2017

Liebevolle Slowakin gesucht
In der Schweiz betreuen über 10 000 osteuropäische Frauen alte Menschen zu Hause, bei miserablen Arbeitsbedingungen. Dennoch sei der Bundesrat nicht bereit, ihre Rechte wesentlich zu verbessern, berichtet Michael Soukup im Tages-Anzeiger vom 11. Juli 2017. Hier nachzulesen.

Betreuung zu Hause - das geht auch anders. Luzern 60plus hat über ein positives Beispiel aus dem „Caritas Care Betreuungsprogramme“ berichtet. Zum Artikel von Hans Beat Achermann: „Delia aus Siebenbürgen ist Betreuerin auf Zeit“