Dank KI zum Kaschmirpulli

18.10.2026 | Hans Beat Achermann

Ein Schnellkurs zeigte auf, wo die Möglichkeiten und die Grenzen von ChatGPT sind. Bei aller Faszination für das neue Medium wurde klar: Soziale Kontakte kann die Maschine nicht ersetzen.

Die KI ist ein Riesenrechner, gefüttert mit Milliarden Informationen. Bild: magnific.com
Die KI ist ein Riesenrechner, gefüttert mit Milliarden Informationen. Bild: magnific.com

«Sag mir bitte jeden Montag, ob es bei Aldi Kaschmirpullis zu kaufen gibt.» Die Künstliche Intelligenz (KI) weiss das, konkret Chat-GPT, eine von vielen KI-Anwendungen. Sophie Hundertmark hat es ausprobiert, wie sie am Seminar «ChatGPT für Laien» an der Seniorinnen- und Senioren-Uni Luzern als Beispiel erzählte. Hundertmark ist promovierte KI-Forscherin, Dozentin an der Hochschule Luzern, Beraterin, Buchautorin und Referentin.

Knapp 40 Menschen im Rentenalter wollten wissen, was hinter ChatGPT steckt und wie man es im Alltag anwenden kann. Viele der Teilnehmenden – zur einen Hälfte Männer, zur andern Hälfte Frauen – schienen bereits Erfahrungen und Kenntnisse mitzubringen, was sich bei den gestellten Fragen zeigte. In anderthalb gerafften Stunden gelang es Hundertmark, mit markigen Sätzen Vor- und Nachteile von KI aufzuzeigen, auf Grenzen und Gefahren aufmerksam zu machen, aber auch sinnvolle Anwendungen zu vermitteln.

Vorsicht ist geboten

Einer der Kernsätze, die mir hängengeblieben sind, lautet: «ChatGPT versteht nichts, sondern rechnet aus, was gut klingt.» Die KI ist ein Riesenrechner, gefüttert mit Milliarden Informationen, basierend auf allem, was im Internet gespeichert ist.

Wo nun kann KI hilfreich sein für uns Alte? Hundertmark führte als Beispiele das Erfragen von Rezepten («Was koche ich, wenn ich noch Tomaten, Käse und Kartoffeln im Kühlschrank habe?») an, Wissensfragen aus der Geldwelt («Was sind EFT?») oder das Suchen von Ideen für Geschenke («Was schenke ich meinem 15-jährigen Enkel, der sich für Archäologie interessiert?»). Auch für das Finden von Wander- oder Ausflugsideen kann die Intelligenzmaschine dienlich sein. Aber Achtung: Immer ist Vorsicht geboten, lohnt es sich, Quellen zu überprüfen oder selbst noch im Fahrplan der SBB nachzuschauen.

Hundertmark legte auch darauf wert: Persönliche Daten, medizinische Befunde, Kontenangaben, Namen oder Adressen gehören nie in eine Anfrage, in den sogenannten Prompt. Kurz: «Was nicht auf eine einsehbare Postkarte gehört, gehört auch nicht in Chat-GPT.»

Die Maschine kennt keine Ethik

Im Seminar ging es nicht nur um Infomationen, sondern die Dozentin animierte zum sofortigen Ausprobieren: So töggelten die einen auf dem Laptop, andere auf dem Tablet oder dem Handy, erfragten Wettervorhersagen oder Ferienziele, Rezepte oder sie wollten einfach wissen, was ChatGPT über die Fragenden alles weiss. So zeigten sich auch Grenzen, während andere staunten, wie umfassend und präzise die sekundenschnellen Antworten waren.

Besonders interessant waren die Dialoge, die man mit der Maschine (und das ist KI letztlich) führen konnte.  Doch Hundermark warnte: «KI kann keine echte Beziehung ersetzen. Menschlicher Kontakt sollte immer der Normalfall bleiben.»

Und es empfiehlt sich, weiterhin selbst zu denken und Ideen zu entwickeln.  Denn über Ethik, Moral und Urteilsvermögen verfügt weiterhin nur der Mensch. Und den nächsten Pulli – es muss nicht Kaschmir sein – werde ich in einem Kleiderladen auswählen, ihn anprobieren, befühlen und mit angeborener Intelligenz Angebote vergleichen. Um die Ladenöffnungszeiten zu erfahren, werde ich allerdings KI zu Hilfe nehmen.

Hans Beat Achermann

Hans Beat Achermann

Redaktionsleiter

Geboren 1947. War Journalist bei verschiedenen Medien und nach einer Ausbildung zum Berufs- und Laufbahnberater beim BIZ Zug als Berufsinformator angestellt. Er ist seit 2012 Mitglied im Forum Luzern60plus und zurzeit Leiter der Redaktionsgruppe.