«Das Härteste, was ich je gemacht habe»

24.07.2026

Doris Fankhauser Vogel lernte und arbeitete viel, trug Verantwortung, zuletzt als Betriebsleiterin bei Viva Luzern. Dann entschied sie sich für einen radikalen Richtungswechsel. Heute ist sie begeisterte Wanderleiterin.

Doris Fankhauser Vogel beschreitet neue Pfade. Bild: zvg
Doris Fankhauser Vogel beschreitet neue Pfade. Bild: zvg

Auch wenn wir uns heute, an diesem schönen Tag, auf dem Dampfschiff Unterwalden Richtung Hergiswil über den Vierwaldstättersee tragen lassen und nur wenige Schritte gehen, kann Doris Fankhauser (58) dieser Umgebung viel abgewinnen. Aufgewachsen im ländlichen und bäuerlichen Hasle bei Burgdorf, erlebte sie die Natur von Kindesbeinen an. «Tiere haben mich nie interessiert», dafür Menschen. Ihr erster Berufswunsch war, Lehrerin zu werden.

Eher zufällig machte sie jedoch nach der Schule eine KV-Lehre in Burgdorf, weil es mit dem Ausbildungsplatz am Seminar nicht geklappt hatte. Bereut hat Doris Fankhauser dies nicht, denn auch heute noch pflegt sie Freundschaften mit Schulkolleginnen und -kollegen aus dem KV. Dennoch zog es sie weiter: Nach einem Sprachaufenthalt in den USA in Denver/Colorado arbeitete sie zwei Jahren in Saas Fee («dort habe ich mich wirklich ausgelebt!»), es folgte die Innerschweiz und damit die Begegnung mit der Liebe ihres Lebens, Peter Vogel. Zusammen zogen sie zuerst nach Luzern, später nach Emmen, wo sie heute noch leben.

Integration als roter Faden

Doris Fankhauser wusste gleichzeitig, dass sie beruflich noch nicht angekommen war. «Da mich die Schicksale und Lebensgeschichten von Menschen immer gekümmert und interessiert haben, holte ich 1997 auf dem zweiten Bildungsweg die Matura nach mit dem Ziel, an der Uni Zürich Psychologie zu studieren.» Die Sinnkrise nach zwei Jahren Studium kam eher unerwartet, war aber wegweisend. Dass sie immer noch mit Menschen arbeiten wollte, blieb unverrückbar: Sie schrieb sich kurzerhand an der Berner Hochschule für Soziale Arbeit ein und liess sich von 2000 bis 2004 zur Sozialarbeiterin ausbilden.

Während der Ausbildung in Bern arbeitete sie gleichzeitig als Teilzeitangestellte bei der Suva. Dies bot ihr die Gelegenheit, sich mit dem Suva-Konzept des «New Case Management» intensiver auseinanderzusetzen. «Im Zentrum stand die umfassende Unterstützung für Menschen, die einen Unfall erlitten hatten und in einer schwierigen Situation steckten», so Doris Fankhauser. «Es ging darum, diese Situation zu meistern und sie ganzheitlich auf dem Weg zurück an die Arbeit zu begleiten.» Fankhausers Diplomarbeit an der Berner Hochschule widmete sich genau dieser Thematik.

Von der Integration verunfallter Menschen zurück in den Arbeitsprozess ist es nicht weit zum Gedanken, überhaupt die Gesundheit von Arbeitnehmenden am Arbeitsplatz zu fördern. Mit dem «Betrieblichen Gesundheitsmanagement» (BGM) fand Doris Fankhauser bei der CSS ihr neues Betätigungsfeld.  Bald schon verantwortete sie die Integration der Vivit AG als Kompetenzzentrum für Gesundheit und Prävention in die CSS. Damit kam dieses Kompetenzzentrum auch den CSS-Mitarbeitenden zugute.

Betriebsleiterin während Pandemie

«Eigentlich habe ich immer integriert und Kulturen zusammengebracht», resümiert Doris Fankhauser, wenn sie alle ihre beruflichen Tätigkeiten im Nachhinein überblickt. Stark geprägt hat sie dies, als sie zwischen 2013 und 2023 als Betriebsleiterin für Viva Luzern Wesemlin und Tribschen tätig war. Die Gesamtverantwortung für den Betrieb enthielt zwar sehr viel Gestaltungsmöglichkeiten, die sie geschätzt hat. «Doch es war – nicht zuletzt wegen Corona – auch kräfteraubend, denn ich versuchte, sehr präsent zu sein und mit den eigenen Mitarbeitenden, den Bewohnerinnen und Bewohnern und den Angehörigen im stetigen Austausch zu bleiben.»

«Müde» geworden entschied sich Fankhauser 2023 zum radikalen Richtungswechsel und liess sie sich bei den Bündner Wanderwegen zur Wanderleiterin ausbilden und erlangte anschliessend den Eidgenössischen Fachausweis. «Es ist das Härteste, was ich in meinem Leben je gemacht habe! Ich bin mir selber im Weg gestanden, denn ich konnte nicht Karten lesen, verfügte über keinerlei Theorie, was das Wandern betraf, und ich war nie in der Pfadi», sagt sie rückblickend und schmunzelt.

Das Finale – auf dem Matterhorn-Gipfel?

Heute ist sie vollamtlich als Organisatorin und Wanderleiterin für «out & ABOUT Switzerland Trekking» unterwegs sowie ehrenamtlich für die Luzerner Wanderwege – Letzteres «eine Herzensangelegenheit». Doris Fankhauser schwärmt: «Ich betrachte die Wanderleitung als das Finale meines ganzen beruflichen Weges: Ich kann alle meine Kenntnisse anwenden, ich bin zuständig und verantwortlich für Menschen, und ich finde es immer wieder überraschend, wie das gemeinsame Unterwegs-Sein ein Wir-Gefühl entstehen lässt.»

Aus sozialarbeiterischer Perspektive streicht Fankhauser heraus, dass sich beim Wandern in der Gruppe die Themen Inklusion, soziale Interaktion und die Gesundheit wunderbar verbinden liessen. «Man bleibt nicht nur in jeder Beziehung in Bewegung, sondern entdeckt auch immer wieder Neues.» Und dass man auf Wanderungen auch mit den Konsequenzen des Klimawandels konfrontiert wird, ist ebenfalls ein Thema.

Trotzdem hat Doris Fankhauser das Gefühl, noch nicht ganz angekommen zu sein, um zur Ruhe zu kommen. Dies hat vielleicht auch damit zu tun, dass sie einen grossen Traum noch nicht verwirklicht hat: einmal auf das Matterhorn zu klettern.

Weitere Infos auf Doris Fankhausers Website wander-freudig.ch

Ursula Vogt

Ursula Vogt

Redaktorin

Geboren 1962, aufgewachsen in Meggen, lebt in Luzern. Studium der Germanistik in Zürich, anschliessend PR-Redaktorin bei der Suva, später Generalsekretärin von Santésuisse. Anschliessend Kommunikationsleiterin bei der EGK-Gesundheitskasse, dann beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) Projektleiterin «Nationales Impfprogramm». Ausgewiesene Kennerin des Schweizer Gesundheitswesens und begeisterte Wandererin.