Ein Leben, geprägt von Business und Benefiz

31.07.2026 | Eva Holz (Text) und Dany Schulthess (Bild)

Andréa Ottiger bezeichnet sich als Familienmensch. Sie ist nicht Mutter und Grossmutter – für sie war die Firma ihres langjährigen Arbeitgebers Familie. Seit ihrer Pensionierung sind es benachteiligte Kinder, denen die Unermüdliche Zeit und Herz schenkt.

Auch hier ist Andréa Ottiger regelmässig präsent: im «Bourbaki» als Kinobesucherin und Mitglied des Fördervereins «Drehmoment».
Auch hier ist Andréa Ottiger regelmässig präsent: im «Bourbaki» als Kinobesucherin und Mitglied des Fördervereins «Drehmoment».

Wer Andréa Ottiger (69) fragt, was sie 34 Jahre in der globalen Würth-Gruppe hielt, bekommt eine klare und enthusiastisch formulierte Antwort: «Es ist die Unternehmenskultur, die mich begeistert – mit flachen Hierarchien und Chefs, denen man persönlich begegnet.» Dass man sie bei «Schrauben-Würth» als Mitarbeiterin über all die Jahre kontinuierlich förderte, rechnet sie dem 1945 gegründeten deutschen Familienkonzern hoch an. «Man gab mir die Chance, mich zu entfalten und weiterzuentwickeln.»

Mit dem KV und ein paar Jahren Berufserfahrung im Rucksack, begann sie in der Schweiz als Assistentin der Geschäftsleitung von «Würth Finance International» (Finanzgesellschaft der Würth-Gruppe) und war zeitweise in den USA tätig. Es folgten Stationen in Marketing und Customer Service, die Leitung der Kommunikation und schliesslich «die besonders schöne Aufgabe als hausinterne Berufsbildnerin». Selbstredend bildete sich Andréa Ottiger ständig fort – in Sprachen genauso wie in Führungskompetenz, Psychologie, Gesundheitsförderung und Erwachsenenbildung.

«Für mich ist der Weltkonzern Würth eine Familie, in der man ohne ‹Ellbögele› weiterkommt», bringt sie es auf den Punkt. So blieb die Luzernerin dem Unternehmen auch nach ihrer Pensionierung treu. Seit 2022 organisiert und koordiniert sie in einer 20-Prozent-Anstellung Reisen und kulturelle Anlässe für den von ihr mitgegründeten «WÜRTHARY CLUB» – eine rund 50-köpfige Gruppe ehemaliger internationaler Geschäftsführer. Im September gehts nach Warschau.

«Die Kinder sind unsere Zukunft, nicht?»

Schon eine Weile hatte sich die geschiedene Andréa Ottiger Gedanken über das Leben nach der ordentlichen Pensionierung gemacht. Nicht zuletzt ein Buch des Philosophen Ludwig Hasler, in dem er sich für das Engagement im Ruhestand stark macht, motivierte sie, gemeinnützig tätig zu werden. «Leider erlaubten es mir die Lebensumstände nicht, eine eigene Familie zu gründen. Deshalb will ich kranken und benachteiligten Kindern etwas bieten, von diesen lernen und Freude mit ihnen haben. Die Kinder sind doch unsere Zukunft, nicht?»

Mindestens zweimal monatlich entlastet Andréa Ottiger für die Stiftung Aladdin Eltern und Pflegepersonal im Kinderspital Luzern. «Zwei Stunden etwas Gutes tun, Zutrauen schaffen, Freude erleben, spielen oder einfach nur ein Baby im Arm halten: Das empfinde ich als grosse Bereicherung.» Weiter ist sie Teil der Caritas-Patenschaft «mit mir» und verbringt regelmässig Zeit mit einem Mädchen aus Tibet. «Es geht darum, dem Kind konsumarme, sinnvolle Stunden zu ermöglichen. Die Zehnjährige ist für mich mittlerweile wie ein Grosskind.»

Ihr Elan reicht freilich aus für mehr. Bei «Special Olympic» verhilft sie im Würth-Team Menschen mit geistiger Behinderung den Zugang zu Bewegung, Spiel und Sport. Seit zehn Jahren betreut sie die gleiche Fussballmannschaft. «Meine Jungs erleben bei den Wettkämpfen Respekt, Wertschätzung und unvergessliche Momente.»

Vereinsarbeit, Kino, Reisen, Heavy Metal

Andréa Ottiger ist nicht nur karitativ unterwegs. Sie amtet als Vorstandmitglied bei den «Tanzfreunden Luzern», einem Verein von 200 Leuten. «Zu erfahren, was hinter diesen Menschen steht und Proben mitzuverfolgen, interessiert mich sehr. Inzwischen kenne ich alle aus dem Ensemble persönlich.»

Auch dem «Bourbaki» ist sie eng verbunden – als regelmässige Kinobesucherin und Mitglied des Vereins «Drehmoment», der die Luzerner Kinokultur fördert. Zu guter Letzt die Fasnacht: Bei der «Bohème Musig Lozärn» schlägt sie die Pauke und wirkt als Aktuarin und im Gönnerwesen. Und was tut sie in den nicht verplanten Momenten? «Freundschaften pflegen, Filme anschauen und Konzerte besuchen – von Heavy Metal bis Stubete-Gäng. Ausserdem ist mir der Sonntag heilig. Doch um wirklich abzuschalten, muss ich weg.» Weit weg, heisst das unter Umständen, etwa nach Bali, wo sie schon elf Mal war.

«Aber es ist schon lustig: Man findet mich immer irgendwie!», sagt Andréa Ottiger, unter Freunden «Angie» genannt. Nicht überraschend also: Auch auf Bali ist die Unermüdliche bei einem Hilfswerk engagiert.

Eva Holz

Eva Holz

Redaktorin

Geboren 1959. Arbeitete nach der Ringier-Journalistenschule mehrere Jahre auf der Redaktion der LNN, bevor sie sich mit «Textbüro Holz» als Journalistin und Autorin selbständig machte. Seit 2020 ist sie Mitglied der Redaktion Luzern60plus.