Grosses Interesse am Generationendialog
Rund 160 ältere Menschen lauschten am 1. Oktober im Lukassaal dem diesjährigen Generationendialog. Zwei bekannte Persönlichkeiten taten unter der Moderation von Barbara Stöckli ihre erhellenden Erfahrungen und Ansichten kund.
Anlässlich des Weltseniorentags lud das Forum Luzern60plus den 74-jährigen Historiker und alt Stadtrat Ruedi Meier sowie die 42-jährige Germanistin und Publizistin Kaltërina Latifi auf die Bühne. Livio Arfini begrüsste die beiden «als Menschen, die bereit sind, einander zuzuhören».
Patrick Zibung, Präsident des Grossen Stadtrates, bat in seinem Grusswort, besser die Bedürfnisse aller Generationen wahrzunehmen, statt einen Altersgraben herbeizureden. Den Aktivitäten von Forum Luzern60plus zollte der 32-Jährige Relevanz und Anerkennung.
Pointierte Kurzreferate der beiden Gäste
«Miteinander reden ist keine Selbstverständlichkeit mehr», betonte Ruedi Meier in seinem Eingangsreferat. Mit den Chat-Plattformen habe sich auch die Austauschkultur verändert. Im Weiteren kam er auf die Kritik der Jungen an der Babyboomer-Generation zu reden, die man zu Recht für Klimaschäden verantwortlich mache, dabei aber gern vergesse, dass man nach 1945 auch Gutes ins Leben gerufen hatte wie AHV und mehr Wohlstand. Gefragt sei die gemeinsame Analyse von Vergangenheit und Gegenwart und ein Gang in die Zukunft, auf dem auch Unbequemes benannt werden dürfe – «mit Anstand, Offenheit und ohne Besserwisserei».
Nach dem filmischen Einschub berührender bis witziger Zitate über das Wahrnehmen vom eigenen Alter richtete sich Kaltërine Latifi mit ihrem Referat ans Publikum.
«Was meinen wir mit Generationen? Darauf gibt es wissenschaftlich keine eindeutige Antwort», stellte sie gleich zu Beginn klar. Junge wollten der Welt ihren Stempel aufdrücken, und das sei gut so. Verstiegenheit, Absolutheitsanspruch und Schuldzuweisungen seien aber nicht zielführend, denn bei der Umsetzung von Anliegen kämen unweigerlich auch die Alten ins Spiel. Zu diesen finde sie oftmals einen leichteren Zugang als zu den ganz Jungen, gab die Publizistin zu. Sie ist jedoch überzeugt, dass die meisten Konflikte mit aufgeladenen Themen und nicht mit dem Altersunterschied zu tun haben. Nichts desto trotz: «Die Alten zähmen die Wildheit der Jungen, die Jungen beleben die Bedächtigkeit der Alten.»
«Was reizt euch am Dialog?», wollte Moderatorin Barbara Stöckli von den beiden wissen. Ruedi Meier nannte die Freude am Austausch über zentrale Fragen, Kaltërina Latifi ist es ein Anliegen, politische Themen jenseits von links und rechts zu diskutieren. Interessant war von ihr zu erfahren, dass laut einer Untersuchung Menschen über 40 keinen Generationen-Clash empfinden.
Auf die Frage, welche Prägungen sie in der Jugend erlebt hätten, berichtete Latifi von ihren Kindheitsjahren im Kosovo, wo sie bei den Grosseltern lebte und stets die Nähe zu Vorbildern suchte, die nicht traditionell, sondern fortschrittlich tickten. «Ich hatte schon damals eher ältere Freunde.» Meier erzählte von seinem Privileg, als «Nach-68er» eine generelle Aufbruchstimmung erfahren zu haben. «In diesem Zuge erwachte mein Wunsch, zu politisieren.»
Automatisch kam man darauf zu reden, wie es sich anfühlt, wegen ehrlicher Ansichten von den eigenen Kreisen kritisiert oder ausgeschlossen zu werden. Kaltërina Latifi hatte nach der Publikation eines Berichts über Frauenfeindlichkeit im albanischen Kontext spürbare Ablehnung erlebt – ausgerechnet auch von albanischen Frauen. «Trotzdem: In der albanischen Community hat es rumort», hält die Publizistin fest. «Ich bin froh, das Thema angestossen zu haben.»
Rudi Meier bestätigte, dass es Mut brauche, aus der Bubble zu fallen und plädierte für mehr Erfahrungsaustausch und das Öffnen von Denkräumen.
«Wie kommt man unter den Generationen in den Dialog?» fragte Barbara Stöckli zum Schluss.
«Nicht zuletzt in der Schule, wo man den Geschichtsunterricht nicht abbauen sollte», brachte alt Stadtrat Meier ein, derweil Publizistin Latifi eine Chance im Journalistischen sieht. «Auch über die Leserschaft entsteht Dialog.»
Das letzte Wort auf diese Frage hatte das Publikum. Genannt wurden Sportvereine, wo Jung und Alt zusammen Spass haben und Gespräche führen, Siedlungen, wo Generationen Tür an Tür wohnen, und Freiwilligenarbeit, wo man hilft und sich austauscht.
«Also neugierig aufeinander bleiben!», fasste Livio Arfini zusammen und bat zum Austausch beim Apéro.