Hinschauen und verstehen

30.04.2026 | Monika Fischer (Text und Bild)

Mit einer Plakatausstellung und Referaten sensibilisieren die Stadt Luzern und «Alzheimer Luzern» im Mai die Bevölkerung für den Umgang mit demenzkranken Menschen. Aufklärung ist wichtig und baut Ängste ab.

Die Stadt Luzern soll sich bewegen hin zur demenzfreundlichen Gesellschaft, so Stadträtin Melanie Setz.
Die Stadt Luzern soll sich bewegen hin zur demenzfreundlichen Gesellschaft, so Stadträtin Melanie Setz.

Aktuell leben in der Schweiz rund 160'000 Menschen mit Demenz, im Kanton Luzern sind es über 7400. «Hinter jeder Zahl stehen ein Mensch und sein Umfeld, das mitfühlt, unterstützt und selbst Unterstützung braucht», sagte Stadträtin Melanie Setz bei der Eröffnung der Plakatausstellung «Demenz begegnen» am 27. April in der Kornschütte. Es freue sie, dass die im letzten Jahr im Kanton Zug gestartete Ausstellung nun auch in Luzern gezeigt werde, gehe das Thema Demenz doch alle an.

Früher oder später kämen alle in Kontakt mit demenziellen Erkrankungen, sei es im eigenen Umfeld, in der Öffentlichkeit oder wenn sie uns selber betreffen. Für viele Menschen sei Demenz mit einem Schreckensszenario verbunden, das Angst mache. Ziel der Kampagne sei, Ängste mit Aufklärung und Informationen abzubauen, gebe es doch in Luzern viele gut aufeinander abgestimmte Angebote wie Beratung, Begleitung sowie Unterstützung für Betroffene und ihre Angehörigen.

Der Vergleich mit Krebs

Der ehemalige Berner National- und Ständerat Hans Stöckli dankte als Präsident von «Alzheimer Schweiz» der Stadt Luzern für ihren Einsatz zugunsten von Menschen mit Demenz. Aufklärung sei wichtig, damit auch der Pöstler, die Polizistin und die Bankmitarbeiter*innen einen guten Umgang mit betroffenen Menschen und ihren Angehörigen fänden. Er zeigte auf, wie vor dreissig Jahren Krebs das grosse Schreckgespenst der Menschen war. Das habe sich mit Erfolgen beim Bekämpfen von Krebserkrankungen verändert.

Stöckli wies auf ein weiteres Thema hin, mit dem sich «Alzheimer Schweiz» beschäftigt: Demenz verursacht in der Schweiz heute geschätzte Gesamtkosten von jährlich 11,8 Milliarden Franken jährlich. Die indirekten Kosten von 5,5 Milliarden Franken (47 Prozent der Gesamtkosten) werden von den Angehörigen getragen. Diese Kosten entsprechen dem Marktwert der unbezahlten, durch Angehörige und Nahestehende geleisteten Betreuung und Pflege. Es dürfe nicht sein, dass die Betroffenen und ihre Angehörigen neben den durch die Krankheit entstandenen Probleme auch noch finanziell belastet seien, so Stöckli.

Einfach reinspazieren 

Karin Meier-Meier, Geschäftsleiterin von «Alzheimer Luzern», stellte die 22 Plakate vor. Diese zeigen demenzielle Erkrankungen, ihre Formen, Prävention, Therapien und Unterstützungsangebote. Über einen QR-Code kann man sich in die Situation eines Angehörigen versetzen. Ein weiteres Plakat regt dazu an, im Umgang mit Betroffenen und Angehörigen so zu handeln, wie wir es uns wünschen würden, um weiterhin ein Teil der Gemeinschaft sein zu können. Die Aussage «Jede Geste zählt» macht des Weiteren darauf aufmerksam, hinzuschauen, zu verstehen und gemeinsam an einer demenzfreundlichen Gesellschaft zu arbeiten.

Dominik Fröhli, Projektleiter Alter und Gesundheit der Stadt Luzern, stellte die zwei zusätzlichen speziell für die Stadt Luzern geschaffenen Plakate vor. Diese veranschaulichen das 2018 gegründete «Netzwerk Demenz» der Stadt Luzern, das die kantonale Demenzstrategie auf kommunaler Ebene umsetzt.

Die Plakatausstellung «Demenz begegnen» kann vom 4. bis 18. Mai 2026 im Vögeligärtli frei besichtigt werden. Ebenso ist sie vom 18. bis 29. Mai 2026 auf dem Ruopigenplatz beim Ruopigen-Zentrum im Stadtteil Reussbühl zu besichtigen.

- Referate zum Thema im Rahmen der Plakatausstellung

Monika Fischer

Monika Fischer

Redaktorin