Regeln und Bussen sind gut, Anstand und Rücksicht besser
Wie kommen Velofahrende und Menschen zu Fuss besser nebeneinander zugange? Das Forum Luzern60plus bat zu diesem brennenden Thema Fachleute und einen Stadtrat aufs Podium. Rund 60 Interessierte kamen in den «Südpol».
Peter Meyer, Präsident des Forums Luzern60plus, betonte bei der Begrüssung am 27. April im «Südpol», dass es im Langsamverkehr um ein «friedliches Miteinander» gehen müsse, derweil Forumsmitglied Livio Arfini auf die heiklen Punkte wie Tempo und Rücksichtnahme zu sprechen kam und für mehr Gestaltungsmut und überparteiliche Zusammenarbeit plädierte. Dem hielt in der anschliessenden Talkrunde auf dem Podium niemand entgegen. Moderator Raphael Prinz, Zentralschweizer Korrespondent SRF, entlockte den Geladenen aber Details, die die Komplexität des Langsamverkehrs veranschaulichten.
«Wir sensibilisieren unsere Mitglieder intensiv», bekräftige Elena Wiss, Co-Präsidentin Pro Velo Luzern. Auf die Frage, ob man die nationale Fahrradroute statt vor der Jesuitenkirche nicht hintenrum führen könnte, gab sie zu verstehen, dass die sichere Fahrt auf die andere Stadtseite (über die Reussbrücke) so nicht mehr gewährleistet wäre. Zur Sprache kam weiter die schwierige Überquerung des Kasernenplatzes mit dem Zweirad und die Enge des Xylophon-Wegs. Um Konflikte zu minimieren, treffe man sich regelmässig mit Exponenten des Fussverkehrs, so Wiss.
«Verkehrsteilnehmende trennen»
Polizist René Jurt, Fachstellenleiter Seniorenschutz Luzerner Polizei, gab zu bedenken, dass man immer wieder Bussen ausspreche, aber nicht an jedem Fussgängerstreifen kontrollieren könne, ob vom Velo abgestiegen oder bei Rot über die Strasse spaziert werde. Und interessant: 80 Prozent der Unfälle passieren beim Abbiegen und nicht wegen Friktionen zwischen Fussgängern und Velofahrerinnen. Unfälle mit E-Bike und Trottinett hätten sich zudem gehäuft, da mehr davon Gebrauch gemacht würde.
«Wo es möglich ist, sollen Verkehrsteilnehmende getrennt werden», betonte Stadtrat Marco Baumann, Vorsteher der Umwelt- und Mobilitätsdirektion. «Leider geht das nicht überall.» Mit gestalterischen Mitteln lasse sich aber auch für den Mischverkehr einiges erreichen – Beispiel Bahnhofstrasse, wo optisch und mit unterschiedlichem Belag nebeneinander eine Fussgänger- und eine Fahrradzone geschaffen wird.
Ob bei der Umsetzung von Massnahmen nicht alles zu langsam gehe, hakte Moderator Raphael Prinz nach. «Das dachte ich auch, bevor ich Stadtrat wurde», lachte Baumann. «Aber zu sagen ist: Überall, wo es Handlungsspielraum gibt, sind wir gewillt, ihn zu nutzen.» Viele gefährliche Zonen würden jedoch auf den Kantonsachsen liegen. «Da sind der Stadt die Hände gebunden.»
Schuld sind die anderen. Oder doch nicht?
Vom Publikum kam teilweise harsche Kritik. Unmissverständlich wurde der Schwarze Peter hin- und hergeschoben: von den Fussgängerinnen zu den Bikern, von diesen zu den Autolenkerinnen und in einem besonderen Votum zurück. So hatte sich eine Autofahrerin überlegt, die Stadt einzuklagen, weil sie wegen zu schnellem Fahren gebüsst worden war, «derweil Velofahrer permanent unrechtmässig unterwegs sind».
«Es gibt noch viele Hausaufgaben zu machen», schloss Stadtrat Marco Baumann. «Nebst dem Verbessern der Infrastruktur gehörten Prävention und Kampagnen sowie vermehrte Kontrollen dazu. Auf das «gute Miteinander» komme es schliesslich an, nahm er den Faden von Peter Meyer nochmals auf.
Mein persönliches Fazit als passionierte E-Bikerin: Tempo noch mehr drosseln und auch mal freiwillig vom Sattel steigen und das Velo schieben.