Weniger Brustkrebs-Todesfälle dank Vorsorge

23.08.2026 | Ursula Vogt

Neu können auch Luzernerinnen von der systematischen Brustkrebs-Früherkennung profitieren. Frauen zwischen 50 und 74 Jahren sind eingeladen, eine Mammografie machen zu lassen. Je früher Brustkrebs erkannt wird, desto besser.

Lara Lüthi (r.), Leiterin des Brustkrebsvorsorgeprogramms, mit der ersten Patientin Sandra Grawehr im Screeningprogramm und der Ärztin Claudia Kurtz. Bild: Luzerner Kantonsspital
Lara Lüthi (r.), Leiterin des Brustkrebsvorsorgeprogramms, mit der ersten Patientin Sandra Grawehr im Screeningprogramm und der Ärztin Claudia Kurtz. Bild: Luzerner Kantonsspital

Schon seit 2018 laufen im Kanton Luzern die Diskussionen um eine systematische Früherfassung von Brustkrebs. Nach zeitraubenden politischen Kontroversen konnten die Programmverantwortlichen im zweiten Quartal 2025 die Vorbereitungen für ein niederschwelliges Angebot starten, das nun seit Juli 2026 umgesetzt wird. Luzern ist damit der erste Zentralschweizer Kanton, der ein solches Programm anbietet.

Die Leiterin des Brustkrebsvorsorgeprogramms, Lara Lüthi, vermutet, «dass es auch eine Rolle gespielt hat, dass eine Frau dem Gesundheits- und Sozialdepartement vorsteht» (Regierungsrätin Michaela Tschuor). Die Westschweizer Kantone hingegen waren klar Vorreiter: «Die Suisse Romande kennt das Vorsorgeprogramm schon seit rund 30 Jahren», so Lüthi.

Verhindert werden kann der Krebs nicht, aber …

Jedes Jahr erkranken in der Schweiz zirka 6500 Frauen neu an Brustkrebs. Im Vergleich: Die Neuerkrankungsrate pro 100'000 Personen betrug 112 in der ganzen Schweiz versus 110 in der Zentralschweiz (Beobachtungsperiode 2017 – 2021). Zwar gibt es eine statistische Häufigkeit ab 50 Jahren, dennoch kann die Diagnose auch jüngere Frauen treffen. Brustkrebs ist einer der häufigsten Gründe, warum Frauen an Krebs sterben.

Auch wenn das Abtasten der eigenen Brust nicht hinfällig wird, bietet das neue Vorsorgeprogramm klare Vorteile. Lara Lüthi: «Eine frühzeitig eingeleitete Behandlung ist meist weniger belastend und vergrössert die Heilungschancen.» Kurz zusammengefasst führt die Brustkrebsvorsorge zu weniger Todesfällen durch Brustkrebs, erlaubt eine schonendere Behandlung und unterstützt die Lebensqualität der Betroffenen.   

60'000 Frauen erhalten Einladung zur Mammografie

Das Vorsorgeprogramm steht allen Frauen zwischen 50 und 74 Jahren offen. Im Kanton Luzern sind dies rund 60'000 Personen, die im Verlauf des Programms, angeschrieben werden. Alle zwei Jahre erhalten sie die Einladung zur Durchführung einer Mammografie. Zur Auswahl stehen dabei fünf vom Kanton akkreditierte Zentren:

  • Hirslanden-Klinik St. Anna, Luzern
  • Luzerner Kantonsspital – Luzern, Sursee und Wolhusen
  • Medizinisches Radiologie-Zentrum MRZ, Luzern

Mit der Akkreditierung ist auch die Qualität sichergestellt, zum Beispiel in der Form von notwendigen Weiterbildungen. Der Prozess ist klar strukturiert: Die Durchführung der Mammografie als Röntgenuntersuchung dauert etwa eine halbe Stunde. Die erstellten Bilder werden danach von zwei Radiologinnen oder Radiologen unabhängig voneinander beurteilt und nach wenigen Tagen das Ergebnis der untersuchten Frau zugestellt. Ist der Befund unauffällig, folgt zwei Jahre später die nächste Einladung zur Mammografie. Liegt hingegen ein Resultat vor, welches einer weiteren Abklärung bedarf, wird dies der untersuchten Frau so kommuniziert und empfohlen.

«Mit diesem systematischen Vorgehen ermöglichen wir allen Frauen einen barrierefreien Zugang, also auch jenen, die weniger gut informiert sind oder nicht über eine Zusatzversicherung verfügen», erläutert Lüthi. Mit dem kantonalen Vorsorgeprogramm ab 50 Jahren ergebe sich die Franchisebefreiung der Mammografie und es werde nur der Selbstbehalt in der Höhe von zehn Prozent, was zirka 15 Franken entspricht, in Rechnung gestellt.

Das Programm kommt an

Anfang Juli wurden in einem ersten Schritt alle fünfzigjährigen Frauen und alle Frauen, die bereits 74 geworden sind, zur Röntgenuntersuchung eingeladen. «Die Reaktionen waren sehr positiv – von «Toll!» bis «Endlich!», sagt Lüthi. «Mit der praktischen Durchführung der Mammografie im August gab es bei der zweiten Untersuchung den ersten Tumorbefund; das hat mich berührt, aber auch darin bestärkt, dass das Vorsorgeprogramm klaren Nutzen bringt.»

Lüthi erwartet, dass innerhalb des Programms jährlich rund 16'000 Mammografien gemacht werden können. Pro Jahr koste das Programm den Kanton zwischen 300'000 bis 500'000 Franken, wobei hier auch die Lohnzahlungen an die Programmverantwortlichen eingerechnet seien. «Abgesehen vom Vorteil der vorzeitigen Diagnose und schonenderen Behandlung rechnet sich das Programm auch durch seine Kosteneffizienz und der tollen Zusammenarbeit mit den beteiligten Zentren.» In rund einem Jahr wird die erste Programmevaluation vertieft darüber Auskunft geben können.

Weitere Informationen: Brustkrebsvorsorge des Kantons Luzern

Ursula Vogt

Ursula Vogt

Redaktorin

Geboren 1962, aufgewachsen in Meggen, lebt in Luzern. Studium der Germanistik in Zürich. Anschliessend PR-Redaktorin bei der Suva, Generalsekretärin von «santésuisse», Kommunikationsleiterin bei der EGK-Gesundheitskasse sowie Projektleiterin «Nationales Impfprogramm» beim Bundesamt für Gesundheit (BAG). Ausgewiesene Kennerin des Schweizer Gesundheitswesens und begeisterte Wandererin.