Zehn Fragen an Alois Buholzer
21.10.2026
Alois Buholzer ist in Malters aufgewachsen, studierte Erziehungswissenschaften in Zürich und leitet aktuell das Institut für Diversität und inklusive Bildung an der PH Luzern. Er lebt in Luzern Reussbühl und ist häufig mit dem Velo unterwegs.
- Mit welchen drei Wörtern verbinden Sie Luzern?
Heimat, See und Kultur. - Rigi oder Pilatus? Und warum?
Ganz eindeutig die Rigi. Sie ist für mich die Königin der Berge. Ausserdem bietet sie zu jeder Jahreszeit vielfältige Möglichkeiten, die Natur zu geniessen – sei es bei einer Wanderung im Sommer oder bei einem Ausflug im Winter. - Wenn Sie könnten, was würden Sie in unserer Stadt verändern?
Als Velofahrer wünsche ich mir sicherere und durchgängigere Velowege. Insbesondere die Überquerung der Seebrücke und die Fahrt rund um den Kasernenplatz sind anspruchsvoll und teilweise auch gefährlich. Hier würde ich mir Lösungen wünschen, die das Velofahren sicherer und noch attraktiver machen. - Welches ist Ihr Lieblingsort in Luzern? Und warum?
Mein Lieblingsort ist bei der Kirche St. Philipp Neri in Reussbühl. Dort wohne ich, bin dort zuhause und von hier aus hat man einen aussergewöhnlich schönen Blick auf das lebendige und vielfältige Luzern. - Mit welchem Menschen in Luzern würden Sie gerne einen Tag unterwegs sein?
Ich würde gerne einmal einen Tag mit Carl Spitteler verbringen. Mich würde interessieren, wie er als Schriftsteller und kritischer Beobachter die heutige Welt beurteilen würde. Schliesslich war er als Hauslehrer unter anderem in Russland und Finnland tätig und hat dadurch unterschiedliche Perspektiven kennengelernt. Wenn ich eine lebende Person wählen dürfte, wäre es vielleicht jemand, der am Bahnhof die Gassenzeitung verkauft. Mich würde interessieren, welche Geschichten diese Person aus dem Alltag zu erzählen hat und wie sie unsere Stadt wahrnimmt. - Woran erinnern Sie sich, wenn Sie an Ihren ersten Schulschatz denken?
Ich erinnere mich an eine schöne Wanderung im Val Mustair, wo ich meine ersten Annäherungsversuche unternommen habe. Eine schöne Erinnerung, die mir bis heute geblieben ist. - Warum ist Ihnen eine bestimmte Lehrperson so lange in Erinnerung geblieben?
Diese Frage stelle ich auch meinen Studierenden in meinen Vorlesungen an der Pädagogischen Hochschule Luzern. Besonders in Erinnerung geblieben sind mir Lehrpersonen mit Ecken und Kanten, die ihre Meinung klar und deutlich vertreten haben – auch dann, wenn ich diese nicht immer geteilt habe. Ihre Authentizität, ihre Haltung und nicht zuletzt ihr Humor haben mich beeindruckt. - Warum reden alte Menschen so viel von früher?
Dazu möchte ich mit Søren Kierkegaard antworten: «Das Leben kann nur rückwärts verstanden werden, muss aber vorwärts gelebt werden.» Vielleicht erzählen ältere Menschen deshalb so gerne von früher, weil sie im Rückblick Zusammenhänge erkennen, die ihnen damals noch nicht bewusst waren. Und vielleicht möchten sie ihre Erfahrungen mit den jüngeren Generationen teilen – nicht als Belehrung, sondern als Einladung, daraus eigene Schlüsse zu ziehen. - Was überrascht Sie am meisten an Ihrem jetzigen Leben?
Mich überrascht und berührt, wie gross das Interesse vieler junger Menschen an den Erfahrungen und Erlebnissen älterer Menschen ist. Immer wieder beobachte ich im Bus, im Coop oder auf dem Mühlenplatz Begegnungen, bei denen junge und ältere Menschen, Einheimische und Zugezogene miteinander ins Gespräch kommen. Solche Momente zeigen mir, wie lebendig und vielfältig Luzern ist. - Welche Abzweigung in Ihrem Leben hat Sie am meisten beeinflusst?
Es gab in meinem Leben verschiedene bedeutende Abzweigungen, aber eine besonders wichtige war der Eintritt ins Lehrer*innenseminar Hitzkirch. Ich war stark durch das ländliche Umfeld geprägt, in dem ich aufgewachsen bin. Das Seminar eröffnete mir neue Welten: klassische Musik, Theater, neue gesellschaftliche Perspektiven und Begegnungen, die meinen Horizont erweitert haben. Rückblickend war dieser Schritt entscheidend – nicht nur für meine berufliche Laufbahn, sondern auch für meine persönliche Entwicklung. Und nicht zuletzt sind daraus Freundschaften entstanden, die bis zum heutigen Tag anhalten.