Rundgang zum Thema «Agglo»

Samstag, 24. Oktober, 12.15 Uhr | Museum im Bellpark, Luzernerstrasse 21, 6011 Kriens | Führung durch die Ausstellung «Orte ohne besondere Lagequalitäten — Versuch einer Neubewertung der ISOS-Ortsbildaufnahmen von 1981» (noch bis 8. November)

Hansruedi Hitz

Kulturtipp von Hansruedi Hitz

Geboren 1958, Stadtgeograf und Kulturflaneur. Als langjähriger Kulturveranstalter verfüge ich über einen grossen kulturellen Erfahrungsschatz, den ich gerne teile. Denn: Die Kultur ist das Salz des Lebens.

Das in den 1970er-Jahren angelegte Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS) entstand als Reaktion auf das rapide Städtewachstum der Nachkriegszeit. In Sorge um den Verlust historischer Siedlungsstrukturen beurteilte der Bund 6000 Ortsbilder und befand ca. 1200 von ihnen als «national bedeutsam». Das ISOS spiegelt den Schweizer Blick von damals aufs eigene Land — ein Idealbild der Schweiz mit mittelalterlichen Städten und landwirtschaftlich geprägten Dörfern.

Agglo-Gemeinden hatten in diesem Schweiz-Bild keinen Platz. Die Ölkrise, die Warnungen des Club of Rome und das Europäische Denkmalschutzjahr von 1975 stellten das ungebremste Wachstum in Frage und führten zu einer Entfremdung in Bezug auf die zeitgenössische Architektur, die die expandierenden Agglomerationsgemeinden stark prägte. Die Agglo galt als hässlich, unwirtlich und störend — ihre bauliche Entwicklung wurde der Raumplanung und nicht dem Denkmalschutz überlassen. Die Gemeinden, in denen die meisten Menschen lebten und die am stärksten wuchsen, wurden im Rahmen der Inventarisierung als «Orte ohne besondere Lagequalitäten» klassiert.

Die von Gerold Kunz und Manuel Medina González kuratierte Ausstellung unternimmt am Beispiel von Emmen, Emmenbrücke, Horw und Kriens eine Neusichtung des ISOS-Fotobestandes: Welche Kriterien galten damals? Welche Wirkung hatten diese Einstufungen auf die weitere Entwicklung der Orte? Auf das Selbstverständnis der Menschen, die dort leben? Ermöglicht ein Blick zurück in das fotografische Inventar etwa eine Neubewertung der Agglomeration?

Ergänzt wird diese Auseinandersetzung mit zeitgenössischen Architekturprojekten aus den Luzerner Gemeinden, die neue Tendenzen im Umgang mit der Agglomeration zeigen.

Rundgang mit den Kuratoren der Ausstellung sowie Lucia Gratz, Architektin und Redaktorin bei Werk, Bauen und Wohnen, Zürich, und Prof. Dr. Torsten Lange, Architekturhistoriker und Leiter Institut Architektur IAR an der HSLU T&A, Horw.

Website: Museum im Bellpark — Orte ohne besondere Lagequalitäten
Kosten: Fr. 12.- / 10.- (inkl. Ausstellungseintritt)