«Anders alt»: Zehn Lebensgeschichten

04.11.2026 | Hans Beat Achermann

Zehn Menschen zwischen 58 und 83 erzählen in einem neuen Buch aus ihrem Leben und wie sie das Älterwerden bewältigen. Eine davon ist die Luzerner Psychiaterin Vreni Häller.

Das aufgeschlagene Buch «Anders alt» mit dem Porträt der Luzerner Psychiaterin Vreni Häller. Bild: zvg
Das aufgeschlagene Buch «Anders alt» mit dem Porträt der Luzerner Psychiaterin Vreni Häller. Bild: zvg

Die Frage drängt sich gleich beim Buchtitel auf: Was macht den Unterschied zwischen alt und anders alt aus? Ist es die Abweichung vom Bild, das lange Zeit vom Altsein vorherrschte als eine Zeit der Fragilität, des Abbauens, des langsamen Unsichtbarwerdens? Dabei wissen wir aus der neueren Forschung, dass es die sogenannten Alten als homogene Gruppe so nicht gibt, ja, dass es in keiner Lebensphase mehr Verschiedenheit gibt als wie im Alter. Das Forum Luzern60plus hat dies letztes Jahr in seinem Buch «Im hohen Alter» mit 24 Porträts von Menschen über 80 sichtbar gemacht.

Nun ist im Christoph-Merian-Verlag ein Lebensgeschichtenband erschienen unter dem Titel «Anders alt». Darin erzählen in der Ich-Form sieben Frauen und drei Männer zwischen 58 und 83, also vorwiegend im «jungen Alter», aus ihrem Leben, dem gegenwärtigen und dem bereits gelebten. Sie berichten von alten Träumen und neuer Liebe, von verpassten Chancen und späten Umschulungen, von Schicksalsschlägen und Krankheiten. Also von allem, was das Leben so beinhalten kann. Es sind Porträts von Menschen, die viel erlebt haben und immer noch aktiv sind, die sich beruflich oder zivilgesellschaftlich engagieren, die Care-Arbeit leisten oder neue Freundschaften leben.

Und damit zeigt das Buch genau das, was die Forschung zeigt: Im Alter sind wir diverser als in der Jugend. Jeder und jede der Porträtierten ist anders alt geworden und die Unterschiede nehmen mit jedem Jahr noch zu. Die Biografien sind aber auch ein Mutmacher: Veränderung ist immer wieder möglich, Engagement und Aktivität tragen zur Langlebigkeit bei.

Eine der Porträtierten ist die 78-jährige Luzerner Psychiaterin Vreni Häller, die nach der Pensionierung in die Surselva gezogen ist. Zum Porträt (PDF).

Herausgegeben haben das Buch die beiden Journalistinnen Seraina Sattler und Anna Six. Sie haben die Geschichten aufgezeichnet, die Fotografin Gabi Vogt hat den Band bebildert. Ergänzt werden die Lebensgeschichten mit Texten und Interviews von Fachleuten, die verschiedene Aspekte der dritten und vierten Lebensphase wissenschaftlich einordnen.

  • Seraina Sattler, Anna Six: Anders alt. 10 Menschen erzählen. Christoph Merian Verlag Basel 2026, 160 Seiten. ISBN 978-3-03969-068-8
Hans Beat Achermann

Hans Beat Achermann

Redaktionsleiter

Geboren 1947. War Journalist bei verschiedenen Medien und nach einer Ausbildung zum Berufs- und Laufbahnberater beim BIZ Zug als Berufsinformator angestellt. Er ist seit 2012 Mitglied im Forum Luzern60plus und zurzeit Leiter der Redaktionsgruppe.