Alzheimervereinigung mit offensiver Information

Seit 20 Jahren gibt es die Alzheimervereinigung Luzern. Das Jubiläum benützt sie für gezielte Information. Geschäftsleiterin Sandra Baumeler gibt hier Auskunft.

Demenz und Alzheimer: Können sie in Kurzform erklären, worin sich die beiden Krankheitsbegriffe unterscheiden?
«Demenz» ist der Oberbegriff für verschiedene Krankheiten. Bei allen treten Verluste des Erinnerungsvermögens, zusammen mit anderen Funktionsstörungen des Gehirns auf. Am häufigsten entsteht eine Demenz durch die Alzheimerkrankheit.

Wohin wende ich mich, wenn ich im Bekannten- oder Freundeskreis festzustellen glaube, entsprechende Krankheitszeichen wahrzunehmen?
Am besten ist es, die Angehörigen darauf anzusprechen und sie zu fragen, ob sie ihre Beobachtungen teilen. Wenn ja, ist ein Termin beim Hausarzt oder bei der Hausärztin angezeigt. Eine Abklärung ist von Vorteil, denn eine frühe Diagnose hilft, die Krankheit zu verstehen, auf Veränderungen zu reagieren und entsprechende Behandlungen in die Wege zu leiten. Im Übrigen lässt sich die normale Altersvergesslichkeit klar von einer beginnenden Demenz abgrenzen.

Worin besteht der erste Schritt einer/eines Betroffenen?
Hat jemand den Verdacht, an einer Demenzform erkrankt zu sein, sollte er oder sie unbedingt den Arzt aufsuchen. Wie erwähnt, ist eine frühe Diagnose wichtig. Nicht alle möglicherweise erkrankten Menschen wollen allerdings zum Arzt. Sie haben unter anderem Angst und Schamgefühle, was verständlich ist. Auch die Krankheitseinsicht ist bei einer beginnenden Demenz oft nicht vorhanden. Da sind Geduld und Überzeugungskraft der Angehörigen gefragt.

Welches sind kompetente Anlaufstellen in der Stadt Luzern?
Die erste Anlaufstelle ist die Infostelle Demenz an der Taubenhausstrasse in Luzern, die für den ganzen Kanton zuständig ist. Die Mitarbeiterinnen der Infostelle Demenz beraten Betroffene, Angehörige und Fachpersonen. Getragen wird die Infostelle Demenz von der Schweizerischen Alzheimervereinigung Luzern und von Pro Senectute Kanton Luzern. Zu den Anlaufstellen kann auch die Tagesstätte „Der Rote Faden“ an der Bramberghöhe 4 gezählt werden.

Gibt es Lücken oder mangelnde Professionalität in der medizinischen Abklärung und Betreuung?
Leider ja. Das bestätigen auch Angehörige von Menschen mit Demenz, die sich an die Alzheimervereinigung Luzern und an die Infostelle Demenz wenden. «Demenz» ist zwar kein Tabuthema mehr, trotzdem fehlt es hie und da am notwendigen Wissen, an einer gewissen Sensibilität und an der Bereitschaft, sich mit dem komplexen Thema vertiefter auseinanderzusetzen.

Ist es schwierig, in Luzern Langzeitpflegeplätze für Demenzkranke zu finden?
Da gilt es zu unterscheiden zwischen «normalen» und demenzspezifischen Pflegeplätzen. Ausgehend von einer optimalen Betreuung und Pflege von Menschen mit Demenz gibt es einen Mangel. Der Bedarf an geschützten Demenzabteilungen und demenzgerechten Pflegeplätzen in Heimen wird in den nächsten Jahren angesichts der demografischen Entwicklung stetig steigen. Das ist eine grosse Herausforderung für die Gesellschaft. Dank oder wegen des medizinischen Fortschritts gibt es immer mehr betagte Menschen. Und das Alter bildet das grösste Demenzrisiko. Es braucht die politische Diskussion – besser gestern als heute –  um viele offene Fragen zu klären, nicht zuletzt diejenige, wie die optimale Betreuung und Pflege von Menschen mit Demenz finanziert werden kann.
René Regenass / 23. April 2012

Zur Person: Die Journalistin, Autorin und Kommunikationsfachfrau Sandra Baumeler (46) ist seit Januar 2011 im Mandat Geschäftsleiterin der Schweizerischen Alzheimervereinigung Luzern. Mit dem Thema «Demenz» beschäftigt sie sich seit Längerem. Ihre Mutter war von einer frontotemporalen Demenz betroffen und verstarb Ende 2008.

Das Buch zum Thema
Am 1. Juni 2012 veröffentlicht die Alzheimervereinigung ein Buch mit dem Titel «Diagnose Demenz – Ratgeber für Betroffene und Angehörige». Sandra Baumeler ist Autorin. In zehn Kapiteln werden nützliche Informationen zum Thema Demenz vermittelt.