Ist überrascht, wie spannend ihr Leben ist: Margrit Steinhauser. Bild: Joseph Schmidiger

Zehn Fragen an ...
Margrit Steinhauser

Aufgewachsen in Luzern, studierte sie nach der Matura Geschichte und Englisch an der Universität Zürich, wo sie promovierte, und danach an der Essex University in Colchester (GB). Während 18 Jahren arbeitete Margrit Steinhauser als Mittelschullehrerin. Für die SP war sie zunächst Grossbürgerrätin, dann während annährend zwölf Jahren Kantonsrätin. In der Folge wandte sie sich der historischen Forschung zu und publizierte in den Bereichen Parlament und Frauengeschichte. Ab 2011 führte sie ihr Büro für Politik, Text & Coaching. Als Pensionierte schreibt sie weiter, zuletzt die dokumentarische Erzählung «Unentwegt» über ein Familienereignis in der Surselva vor 100 Jahren.

  1. Mit welchen drei Wörtern verbinden Sie Luzern?
    Eine vielfach privilegierte Stadt in einer privilegierten Schweiz.
  2. Rigi oder Pilatus?
    Bürgenstock. Da führten uns öfters Sonntagsausflüge hin. Mein Onkel arbeitete am Hammetschwand-Lift und wir genossen die Schifffahrt und das Orangina im Restaurant.
  3. Wenn Sie könnten, was würden Sie in unserer Stadt verändern?
    Der Verkehr ist das grösste Problem. Auf längere Sicht schadet er Luzern auch als Touristenort. Ich wünsche mir mehr Rücksicht aller Verkehrsteilnehmenden. Als ältere Fussgängerin fühle ich mich leider oft auch durch schnelle, geräuschlose Velos und Trottis bedroht.
  4. Welches ist Ihr Lieblingsort in Luzern? Und warum?
    Am Reusswehr, dessen Bau ich als Kantonsrätin mitverantworten durfte. Der Blick vom Hörsaal der Universität an der Pfistergasse auf die Spreuerbrücke mit den Totentanzbildern und die schnell fliessende Reuss, für mich ein wahrhaft philosophischer Ort.
  5. Mit welchem Menschen in Luzern würden Sie gerne einen Tag unterwegs sein?
    Ich würde einen der guten Geister wählen, die jeden Tag dafür sorgen, dass unsere Strassen sauber, der Müll entsorgt und die Grünanlagen gepflegt sind.
  6. Woran erinnern Sie sich, wenn Sie an Ihren ersten Schulschatz denken?
    Ich erinnere mich an Wernerli, der mir gefiel, da er im Gegensatz zu mir so schöne «Löckli» hatte und der von mir einen kunstvollen Papierstern bekam.
  7. Warum ist Ihnen eine bestimmte Lehrperson so lange in Erinnerung geblieben?
    Meine selbstbewusste (kettenrauchende!) Chemielehrerin im Töchter-Gymi. Sie schaffte es, uns mit Begeisterung ihr Fach näher zu bringen. Durch ihr Beispiel vermittelte sie uns darüber hinaus, dass wir es als Frauen auch in jeder Männer dominierten Berufswelt schaffen könnten.
  8. Warum reden alte Menschen so viel von früher?
    Tun sie das so häufig? Ich jedenfalls habe da kein Problem. Als Historikerin lebe ich von all ihren Informationen, die viel authentischer sind als dubiose Internetquellen. Ich erachte es als meine Aufgabe, Zeugnisse zu sichern, einzuordnen, zu hinterfragen und Impulse – nicht zuletzt auch für mich – zu empfangen.
  9. Was überrascht Sie am meisten an Ihrem jetzigen Leben?
    Wie spannend es ist. Die jetzigen Zeiten hätte wohl kaum jemand aus unserer Generation als so schwierig erwartet. Dennoch haben wir noch viele Möglichkeiten, diese zu gestalten. Und immer noch gibt es viel Schönes!
  10. Welche Abzweigung in Ihrem Leben hat Sie am meisten beeinflusst?
    Es gab da einige. Erstaunt bin ich, dass ich trotz meiner vielen Reisen hier in der Stadt Luzern zufrieden «hängen geblieben» bin.

17. Januar 2026 – max.schmid@luzern60plus.ch