Medientipp
«90 Prozent sind ungeimpft»
Zwei bewegende Berichte im Tages-Anzeiger schaffen Nähe zur Situation auf der Intensivpflege in den Spitälern.
re. «Im Moment ist es nur noch ein Aushalten der Situation», sagt Sarah Ruff zu den aktuellen Arbeitsbedingungen am Universitätsspital Zürich. Die ausgebildete Pflegefachperson hat zusammen mit 50 anderen das Nachdiplomstudium für die Arbeit auf der Intensivstation begonnen. Sarah Ruff berichtet im «Tages-Anzeiger» von der Extrembelastung in der Covid-Krise. Susanne Schuhe, ehemalige Intensivpflegerin, seit 40 Jahren in der Branche, ist Schulleiterin. Für sie ist klar, dass sich etwas ändern muss: «Auf den Intensivstationen stehst du immer unter Strom. Immer. Hier hält es niemand im Vollzeitpensum bis zur Pensionierung aus.»
Auch andere Studierende reden, unter der Bedingung, dass keine Namen genannt werden. «Ich werde oft gefragt, ob es denn auf den Intensivstationen wirklich so schlimm sei. Ich kann es nicht mehr hören. Wir sehen tagtäglich, wie schlimm das Coronavirus ist, wie sehr die Patienten leiden. Gewisse Leute wollen einfach nicht daran glauben.» – «Die Pandemie, das Virus, es nervt nur noch. Und es nervt noch mehr, wenn ich von einem Covid-Patienten erfahre, dass er nicht geimpft ist.»
In einer weiteren Reportage erzählen zwei Frauen und zwei Männer aus den Leitungsteams von den Intensivstationen in St. Gallen und Thun. «Wir hatten in den letzten Wochen einen steilen Anstieg bei der Anzahl der Covid-Fälle auf unserer Intensivstation. Und 90 Prozent sind ungeimpft», sagt Miodrag Filipovic, ärztlicher Leiter der chirurgischen Intensivstation am Kantonsspital St. Gallen. Was der Beitrag offenbart: Ungeimpfte sind auf der Intensivstation oft sehr fordernd. Herbert Leuthold ist stellvertretender Leiter Pflege und sagt: «Viele Ungeimpfte dachten, ihnen passiere schon nichts. Dann liegen sie im Intensivbett, schauen mit grossen Augen und sagen: ‹Es geht gut, es geht gut.› Aber du weisst genau, es geht ihnen nicht gut. Die Hälfte müssen wir früher oder später intubieren. Bei manchen wartet der Tod.»
9. Dezember 2021 – rene.regenass@luzern60plus.ch
«Angehörige sagen mir: ‹Hätten wir gewusst, dass es so schlimm ist ...›»