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BildGeschichte 06/17 

Mit zwei Streckenwärtern durch den Gotthardtunnel

Von Beat Bühlmann (Text) und Robert Leu (Bild)

Der Tunnelmarsch mit den beiden Streckenwärtern hatte morgens um sechs Uhr in Airolo TI begonnen. Nach sieben Stunden und 23 Minuten hatten wir 22 200 Bahnschwellen überschritten und waren in Göschenen UR wieder ans Tageslicht gekommen. Immer wieder hatten wir anhalten und unsere Mützen festhalten müssen, weil ein Schnellzug mit 125 Stundenkilometern durch den Gotthardtunnel angebraust kam. Das Foto datiert vom Februar 1975. Für eine Reportage in den Luzerner Neusten Nachrichten (LNN) hatten wir die Streckenwärter Meinrad Gamma (44, rechts) und Josef Rothenbühler (24, Mitte) auf die 15,6 Kilometer lange Strecke begleitet. Knapp zwei Jahre zuvor, am 5. Mai 1973, waren beim Kilometer 1,2 zwei Streckenwärter von einem Schnellzug erfasst und getötet worden; ein mit Kreide in die Wand eingeritztes Kreuz samt Datum kennzeichnete die Unglücksstelle.

Damals war der Eisenbahntunnel die schnellste Verbindung in den Süden. Der Strassentunnel wurde erst fünf Jahre später, am 5. September 1980 eröffnet. Heute brausen die Züge mit 200 Stundenkilometern durch den 57 Kilometer langen Basistunnel - und die alte Gotthard-Bergstrecke ist über kurz oder lang gefährdet. Pro Tag sitzen im Durchschnitt nur noch 400 bis 500 Personen in diesen Zügen, und Göschenen hat wohl den ödesten Bahnhof auf dem SBB-Netz.

Beat Bühlmann, Jahrgang 1951, arbeitete bis 1980 auf der LNN-Redaktion. Er war Mitbegründer der Zentralschweizer Wochenzeitung "Die Region" und wechselte 1987 zum Zürcher "Tages-Anzeiger", wo er bis 2012 als Inlandredaktor tätig war. Von 2012 bis 2016 war er Projektleiter "Altern in Luzern".