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Aus Liebe und Leidenschaft

Von Erika Achermann

Sie nennen sich „Edizioni Periferia“ und sind doch mitten im Zentrum der Gegenwartskunst. In den Galerieräumen an der Unterlachenstrasse 12 hängen derzeit grossformatige Bilder des im luzernischen Wauwil geborenen Künstlers Franz Wanner. Fasziniert stehe ich davor, lasse mir von Gianni Paravicini erklären, wie es dazu gekommen ist, dass Periferia sowohl Innerschweizer als auch internationale Künstler in ihrem Programm hat. Bald steht ein kleines Tischchen im Raum, drei Gläser darauf, drei Stühle dazu, das Gespräch geht zu Dritt weiter.

Eigenständige Position im Kunstbetrieb
Flurina und Gianni Paravicini haben ihre Kunst-Aktionen im schönen Bündner Bergdorf Poschiavo begonnen und sind nach einigen Jahren aus der guten Bergluft nach Luzern gezogen. Den Namen haben sie beibehalten. Denn es ging ihnen um eine „eigenständige Position in der Gegenwartskunst“, die Galerie als Ort der Begegnung, also „immer um die Künstler, nie um den Kommerz“, Sie blieben auch in Luzern am Rand und sind doch seit 30 Jahren mitten drin in der internationalen Kunstszene.

Vor einem Jahr hatten sie das Bedürfnis, sich einen Überblick zu verschaffen mittels einer Auslegeordnung aus Objekten und Bildern aus ihrer Galerie- und Verlegertätigkeit. Zu sehen waren mehr als 200 Publikationen, Kunstbücher von exklusiver Qualität. Einige Titel sind international, andere in der Zentralschweiz verankert, Werke von Ernst Buchwalder bis Urs Lüthi, von Christoph Rütimann bis Roman Signer, Nils Nova bis Erwin Wurm. Lange stand ich damals, und zahlreiche weitere faszinierte Besucher, vor einem zauberhaften Mobile von Markus Raetz und den andern Werken. Allein 12 Bücher und Tonträger von Dieter Roth verlegten die Paravicinis. Sie haben in Wien dazu „Selten gehörte Gespräche“ über die ‚selten gehörte Musik’ von Dieter Roth mit den Wiener Aktionisten (Brus, Rainer, Rühm, Steiger, Attersee und Nitsch) geführt, um nur ein hervorragendes Beispiel unter vielen zu nennen.

Die Paravicinis arbeiten mit Museen und ausländischen Galerien zusammen, Anfragen gelangen an sie, die „wir nicht selber initiiert hätten“ oder sie machen selbst Vorschläge. Der soeben in Wien und Venedig für Furore sorgende Erwin Wurm wird nächstens im Kunstmuseum Luzern ausstellen sowie in der Albertina in Wien. Dieter Roth war im MAK in Wien, im mudac Lausanne, im Musée des Arts Décoratifs in Paris und im Hamburger Bahnhof Berlin zu sehen.

Anfangen ist einfach, aber durchhalten?
Anfangen ist einfach, denkt man, aber wie gelingt es, dreissig Jahre lang hochwertig zu arbeiten? Der sprühende Funke, das nicht Planbare im Leben, habe sie erfasst, meint Flurina Paravicini. Das konnte sich jedoch nur ergeben, weil sie kontinuierlich verlässliche Partner für die Künstler waren und sind. Sie denken nicht an Profit, führen keine kommerzielle Galerie. Haben aber den ‚Spürer’ für das Wichtige, Gute, Schöne.

Man darf sie bewundern, denn sie betreiben Galerie und Verlag „nur als Nebenjob“. Die Stunden allerdings, die sie an den Abenden und Wochenenden dafür verwenden, sind unzählbar. Denn Flurina Paravicini ist Lehrbeauftragte für Musik und Bewegung an der Hochschule für Musik in Luzern. Gianni Paravicini ist Forstingenieur. So kommen Natur und Kunst und Musik und Kunst zusammen. Alles fliesst, alles bleibt in Bewegung. Es ist nicht das Geld, das ihren Kunstmarkt bewegt, sondern Liebe und Leidenschaft. Das schätzen viele Künstler.

Immer gemeinsam
Wie wählt das Ehepaar die Projekte aus? Immer gemeinsam, „wir müssen beide ganz hinter einem Projekt stehen können“. Sie sind allein zu zweit zuständig, „wir müssen nie jemanden fragen, nur wir zwei müssen uns einig sein über die zu verwirklichenden Projekte.“ Und sie scheinen es oft zu sein! „Wir sind froh darüber, mit so vielen interessanten Menschen und Institutionen zusammenarbeiten dürfen, und glücklich, dass uns dabei die Kraft nie ausgegangen ist, an die Kunst zu glauben.“

Und wie geht’s weiter? Nach dem Slogan: „Periferia existe toujours!“

 

Die Ausstellung „Giornate“ von Franz Wanner bleibt bis im September 2017. Am 31. August findet um 18.30 Uhr ein Gespräch mit dem Zürcher Architekten Peter Märkli und dem Künstler Franz Wanner statt zum Thema „Vom Anteil der Kunst in Architektur und Malerei“. Informationen über Öffnungszeiten und Aktivitäten unter: www.periferia.ch