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Heinrich Bachmann: Vom Raumplaner zum Bildermacher

Von Hans Beat Achermann

Die gefragteste Wohnlage ist es nicht, wo Heiri Bachmanns Atelier liegt, wohl  aber eines der farbigsten und spannendsten Quartiere in Luzern, geprägt durch die Menschen aus verschiedensten Kulturen und die afrikanischen und orientalischen Läden. Farben prägen auch den ehemaligen Werkstatt-Raum an der vielbefahrenen Baselstrasse, den Heinrich Bachmann seit neun Jahren als Atelier gemietet hat: Acryl- und Ölfarben in Plastikflaschen und Tuben, quadratische Bilder an den Wänden, im Lager und auf den Staffeleien.

„Mein Wirken im  dritten Lebensabschnitt ist nur zu verstehen, wenn man den früheren Lebenslauf kennt ", beginnt Heinrich Bachmann, den alle Heiri nennen, die Erzählung seiner Lebensgeschichte. Der Anfang war für den 74-Jährigen nicht ganz einfach.  In der Schule musste er rasch erfahren, dass er nicht zu den Klassenbesten gehörte. Legasthenie wurde in den 50er Jahren weder erkannt  noch therapiert. Statt in die Sekundarschule kam Heiri in die Oberschule. Die Ausgangslage für seine berufliche Entwicklung schien damit sehr eingegrenzt. Der Zufall führte ihn in eine Lehre als Bauschlosser.

Erste Berührungen mit der Kunstwelt

Drei Jahre später machte Heiri Bachmann die beste Lehrabschlussprüfung seines Jahrgangs. An der damaligen Kunstgewerbeschule, wo er im Rahmen der Berufsschule Schmiedekunst erlernte,  bot sich auch die Möglichkeit, Zeichen-  und Malkurse zu belegen. Beim Künstler Max von Moos entdeckte er seine Fähigkeit, sich in Bildern  ausdrücken.  „Aus dieser Zeit beziehe ich heute noch Substanz", bilanziert Heiri Bachmann.  Der Schritt in die Kunst war aber damals noch zu gross, vorerst wollte er beruflich weiterkommen.  Nach einer Zusatzausbildung als Konstrukteur bemerkte er sein ausgeprägtes dreidimensionales Vorstellungsvermögen. Bei den Flugzeugwerken in Emmen wurde er angestellt, „um die Nase des Venom-Düsenjets für eine technische Modifikation neu zu zeichnen."  Das rein Technische befriedigte ihn aber bald nicht mehr:  Es zog ihn noch stärker ins Gestalterische..  Nach einem Praktikum in St-Imier und einer Anstellung als Bauzeichner in Altdorf bewarb sich Heiri Bachmann an der Hochschule für Gestaltung in Ulm. Das vierjährige Studium, mit einem Semester in den USA, schloss er mit dem Diplom als Architekt ab.

Pionier der Aargauer Raumplanung

Doch das war erst ein weiterer Anfang  des unermüdlichen Suchers nach komplexen und  kreativen Aufgaben: „Ich erkannte irgendwann, dass Bauten nicht isoliert betrachtet werden können, dass jedes Gebäude in einem Kontext zur Umwelt  steht und Natur, Landschaften, Verkehr und Siedlung gemeinsam geplant werden müssen", erzählt Heinrich Bachmann. Raumplaner war damals ein ganz neuer Beruf, eine weitgehend unbekannte Herausforderung. Nach einem zweijährigen Nachdiplomstudium in London in Planning and Urban Design führte ihn die berufliche Karriere bis zur Leitung der Raumplanung im Kanton Aargau. Seine  Aufgaben und die vielen Projekte,  die im Team mit unterschiedlichen Berufsleuten erarbeitet wurden, waren spannend, komplex, anspruchsvoll. Hier konnte er Pionierarbeit leisten, die  ganzheitliche Sicht einbringen und Einfluss auf die Raumentwicklung der Aargaus nehmen.

Machen statt träumen

Doch etwas fehlte: „Das Malen hat mich nie losgelassen", erzählt er.  Neben Beruf und Familie nahm er sich Zeit, um an Abenden und an Samstagen in Zürich Kurse an der Kunstgewerbeschule zu besuchen. Er wusste schon damals, dass er diese zurückgestellte Passion noch einmal ganz leben wollte. Gleich nach der Pensionierung ging er als Gast-Student für ein Semester an die Hochschule für Bildende Künste nach Dresden. Seither sind über 400 Bilder entstanden, Landschaften vor allem,  Häusergruppen und Dorfansichten, aber auch Abstraktes. Mit Stift und Pinsel, Staffelei, Leinwand und Farben hat er sich hunderte Male im Tessin, in der Toskana, in der Provence, aber auch in Luzern dort hingesetzt, wo er seine Bildideen fand, wo er das Geschaute in seine Bildsprache übersetzen konnte.

Der Vater einer Tochter und eines Sohnes und inzwischen Grossvater hat noch andere Talente: Im Atelier steht ein Schwyzerörgeli,  das er als Ergänzung zum Malen, spielt. Er engagiert sich mit seiner Frau in einem Projekt für Kinder, die Unterstützung brauchen. Im  Quartierverein betreut er als Vizepräsident vor allem die Quartierentwicklung und Projekte zum Thema „Altersgerechtes Quartier".

„Träume sind nicht meine Leidenschaft", erwidert Heiri Bachmann auf die Frage nach weiteren Plänen: „Ich bin ein Macher und vor allem an anspruchsvollen, komplexen Aufgaben interessiert."  Wie sein Berufsleben entwickelt er auch das Malen Schritt um Schritt, Strich um Strich weiter.  „Es ist faszinierend, immer wieder in Neues, Unbekanntes vorzustossen." - 17.8.2015

Das Porträt von Heinrich Bachmann stammt aus dem Buch „Chancen nach sechzig", das im Mai dieses Jahres erschienen ist Die 20 Porträtbilder im erwähnten Buch stammen alle vom verstorbenen Luzerner Fotografen Georg Anderhub..

www.chancen-nach-sechzig.ch