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Langzeitpflege neu konzipieren – ein Denkmodell

Die Kritik an der heutigen Langzeitpflege und -betreuung ist von verschiedenen Seiten unüberhörbar: Fachleute bemängeln etwa das zeitbasierte (und zeitintensive) Erfassungssystem von medizinisch-technischen Einzelleistungen oder die Tatsache, dass die Zeit für eine ganzheitliche Betreuung der alten Menschen fehlt. Die wenig sinnvolle Unterscheidung von Pflege und Betreuung geht an den Bedürfnissen der Pflegebedürftigen vorbei. Weitere Stichworte: Die von Kanton zu Kanton unterschiedliche Finanzierung der Leistungen; Angebotsstrukturen, die einem ganzheitlichen Verständnis des Pflegeprozesses nicht angemessen sind; Pflegende Angehörige, die das System hängen lässt und andere Mängel. Wenn wir von Verbesserungsvorschlägen hören, betreffen diese oft isolierte Kritikpunkte. So fordern verschiedene PolitikerInnen, die unterschiedliche Bewertung von Pflege und Betreuung sei aufzuheben, andere wollen einfach mehr Fachkräfte ausbilden.

Umfassende Sicht auf das Pflegesystem

Das Denknetz hat eine Fachgruppe gebildet, die sich intensiv mit dem komplexen Pflegesystem auseinandergesetzt hat. Aus diesem zweijährigen Diskussionsprozess resultiert ein Arbeitspapier mit dem Titel „Das Denknetz-Modell zur Langzeitpflege und -betreuung: Eine Skizze“. Es lohnt sich, diese umfassende Sicht auf das Thema öffentlich zu diskutieren, was auch das Ziel der Denknetz-Fachgruppe ist.

Im Papier wird zuerst die Ausgangslage mit kritischem Blick skizziert. Daraus leitet die Fachgruppe ihre Eckwerte zur Weiterentwicklung der Langzeitpflege- und Betreuung ab. So fordert sie einen nationalen gesetzlichen Auftrag, der für alle eine Versorgung mit „Diensten in Pflege, Betreuung, Gesundheitsvorsorge und Alltagsbewältigung verankert.“ Weiter seien die Angebote bedürfnisgerechter und ganzheitlich zu gestalten, z.B. durch „… wohnortnahe teilstationäre Tages- und Nachtstrukturen“, wobei auch spezialisierte Dienste wie Palliative Care sinnvoll zu integrieren seien. Die Gruppe schlägt eine Finanzierung aller von der Krankenversicherung nicht gedeckter Leistungen durch Steuermittel vor. Weitere Vorschläge befassen sich mit den Arbeitsbedingungen und mit der Aus- und Weiterbildung des Personals sowie mit der Unterstützung von betreuenden Angehörigen. (4.8.2015 / ms)

Das Arbeitspapier kann als PDF heruntergeladen werden:
Das Denknetzt-Modell zur Langzeitpflege und -betreuung: Eine Skizze