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Preisverleihung an Peter Schulz

Von Judith Stamm (Text) und Josef Ritler (Bild)

Lieber Peter Schulz

Liebe Gäste dieser Feierstunde

Ich fühle mich sehr geehrt, bei der Verleihung des Medienpreises der SRG Zentralschweiz an Peter Schulz sprechen zu dürfen. Wir beide gehören zur selben Generation, wir kennen uns schon lange. Im Raume Luzern kennen ja alle alle. Sofern sie nur ein wenig in der Öffentlichkeit tätig sind.

Peter Schulz ist Mediensachverständiger der obersten Ebene.

Ich bin emeritierte Politikerin.

Peter Schulz hat grossen Kultursachverstand, Theologie und Philosophie im Rücken.

Ich habe Jurisprudenz, Polizei und Politik im Rücken.

Uns trennen Welten, könnte man meinen.

Das ist aber nicht so. Das Thema „Medien“ verbindet uns.

Peter Schulz hat hier den souveränen Überblick.

Politikerinnen und Politiker hecheln den Medien hinterher.

Sagen böse Zungen!

Wir haben eine grosse Gemeinsamkeit. Wir zogen beide als junge Erwachsene von ausserhalb in die Region, der wir dann ein ganzes Leben lang treu geblieben sind. Peter Schulz kam von Basel, ich von Zürich. Und wir teilten die gleiche Beurteilung unseres neuen Wohn- und Lebensortes! Immer wieder sprach Peter Schulz davon, dass sich die Innerschweiz unter ihrem Wert verkaufe. Und er packte an, hob die Schätze, die verborgen waren, machte die Werte und Werke der Innerschweiz sichtbar, bestellte diesen Acker.

„Sein Samen fiel auf den guten Erdgrund und brachte Frucht, zum Teil hundertfach, zum Teil sechzigfach, zum Teil dreissigfach“ (Neues Testament, Matth. 13. Kapitel, Verse 8 und 9)

Meinerseits  sagte ich jeweils zu meinem Umfeld: die Zürcher könnten auch die Qualitäten verkaufen, die sie nicht haben. Die Luzerner könnten nicht einmal diejenigen verkaufen, die sie haben.

Damit meinte ich Toleranz und Offenheit, die ich schon damals, in den Sechzigerjahren, hierzulande aufspürte. Ich bin als Diasporakatholikin in Zürich aufgewachsen. Ich weiss, wovon ich spreche. Unterdessen ist Luzern dank cleverer Tourismusdirektoren und brennender Kapellbrücke in der ganzen Welt bekannt geworden.

Im Zeitalter des Internets wäre es ein Einfaches gewesen, aus den vielen Artikeln, Interviews, Berichten, die über Peter Schulz und seine weitgefächerten Interessen zu finden sind, mit Textbausteinen eine angemessene Laudatio, einen angemessenen Lobpreis, zusammen zu stellen.

Das machte ich natürlich nicht. Mein Ehrgeiz war sogar, heute Dinge über und zu Peter Schulz zu sagen, die während der vergangenen 90 Jahre noch niemand geäussert hatte. Aber dieses Ziel war unerreichbar!

Sein Lebensweg

Den Lebensweg des Preisträgers skizziere ich in ganz groben Zügen. Das muss einfach sein!

Geboren, aufgewachsen und dann  zum Theologen ausgebildet wurde Peter Schulz in Basel, verbrachte auch zwei Semester in Deutschland. Nach verschiedenen Vikariaten kam der Umzug in die Innerschweiz. Peter Schulz etablierte sich als Pfarrer für Meggen, Vitznau, Adligenswil, Udligenswil.

Sehr bald wurde er Mitarbeiter bei Radio und Fernsehen. Er entwickelte Ausbildungslehrgänge für das breite Spektrum von Anforderungen, die an Journalistinnen und Journalisten gestellt werden.

1984- 1996 führte er als Direktor das MAZ, das Medienausbildungszentrum in Kastanienbaum, heute in Luzern, das er mit aufgebaut hatte. Das MAZ war die erste unabhängige Journalistenschule in der Schweiz, getragen von der SRG, den Verlegern und den Journalistenverbänden.

Er suchte das Verbindende, nicht das Trennende

1991 – 2000 war er Gründer und Direktor der Stiftung Akademie 91. Diese organisierte Veranstaltungen mit Wissenschaftlern, die einem breiten Publikum zugänglich waren. Und sorgte so dafür, dass der Gedanke an eine Universität Luzern nicht unterging. 2005 gründete er den Verlag „Pro Libro“ für Literatur und Sachbücher aus der Zentralschweiz. 2012 gründete er die Literaturgesellschaft Luzern (LGL). Bis vor einem Jahr leitete er diese auch.

Daneben wurden von ihm noch unzählige Projekte, Unternehmungen, Initiativen im Bereich Kultur und Medien angestossen, gegründet, geleitet, sie sind nicht zu zählen: Filmkreis, Alpenforschung, Musikforschung mögen als Beispiele dienen. Und immer wieder fand er für seine Vorhaben Verbündete, arbeitete mit Gleichgesinnten zusammen, setzte sich, mit wenigen Ausnahmen, gegen Widerstände durch. Sein Motto war, immer das Verbindende und nicht das Trennende zu suchen und zu betonen.

Peter Schulz war auch, das soll nicht vergessen werden, von 1958 bis 1984 , also während  26 Jahren Feldpredigerhauptmann der Armee. Ich bringe das extra zur Sprache, weil sich für mich darin zwei Qualitäten des Preisträgers spiegeln: die Treue zum angestammten Beruf als Seelsorger und die Treue zur Heimat, zu ihrem Schutz durch die Armee.

Wenn wir das breite Tätigkeitsgebiet von Peter Schulz überblicken,können wir nur sagen:

dieser Mann hat die Talente, die ihm gegeben wurden, nicht vergraben, sondern hat mit ihnen gearbeitet und sie vermehrt. Und er wurde über vieles gesetzt. (Neues Testament, Matthäus, 25. Kapitel, Verse 14 bis 30).

Dafür ist auch die heutige Preisverleihung ein Zeugnis!

Den Menschen eine Sprache gegeben

Jetzt haben wir aber die Kernfrage noch nicht gestellt. Was war denn nun das Wesentliche an der Tätigkeit, am lebenslangen Engagement, am Bestreben von Peter Schulz? Er hat den Menschen eine Sprache gegeben.

Diese Antwort hat mich zuerst auch verwundert, als sie mir einfiel. Auf der praktischen Seite ist die Beweisführung einfach. Er hat sich zeit seines Lebens dafür stark gemacht, dass diejenigen, die im Radio, im Fernsehen, durch die Presse, zu uns sprechen, ihr Handwerk, -Themen aufzugreifen, -Gedanken zu formulieren, -diese verständlich zu übermitteln, auch beherrschen.

Am Anfang seiner Radiotätigkeit entdeckte er, dass in Sachen Ausbildung Einöde herrschte, nahm sich des Themas an, entwickelte in der Folge Lehrgänge, schrieb und  förderte entsprechende Bücher, veranstaltete Symposien. Die Förderung einer sachgerechten,  guten Ausbildung für Medienleute war von Anfang an und immer allgegenwärtig in seinem beruflichen Leben. Als Kristallisation dieser Bestrebungen können wir den Aufbau und die Leitung des MAZ betrachten. Dieses entfaltet seine Wirkung heute weit über die Region hinaus!

Aber damit hat er es nicht bewenden lassen. Er hat sich nicht nur dafür engagiert, Menschen sprachmächtig werden zu lassen. Er hat auch  Gefässe geschaffen, in denen sprachmächtige Menschen zu Worte kommen konnten. Damit meine ich die Buchreihen mit Innerschweizer Literatur. Damit  meine ich den Verlag „Pro Libro“ mit seinem sorgfältig ausgewählten Programm an Literatur und Sachbüchern. Damit meine ich aber auch die literarische Gesellschaft Luzern (LGL). Diese ist ein weiteres Gefäss, in dem immer wieder die verschiedensten Autorinnen und Autoren ihre Auftrittsmöglichkeiten und ihr Publikum finden.

„Luzern ist eine Stadt der Musik“ hat Peter Schulz einmal in einem persönlichen Gespräch gesagt. „Ich möchte, dass in Luzern auch das Wort, die Literatur, einen gebührenden Platz bekommen. Dieser Vision hat er nachgelebt. Er hat aber nicht nur Menschen im wahrsten Sinne des Wortes zur Sprache verholfen, er hat nicht nur Gefässe für die Sprache geschaffen.

Der Zentralschweiz eine Stimme gegeben

 

Nein, er hat auch der Region, der Zentralschweiz, eine Stimme gegeben. Als Beispiele nenne ich einige zufällig herausgegriffene Titel aus der Reihe: Kultur in der Zentralschweiz. Da findet sich von Alfons Müller-Marzohl das Werk: „Uri – kein Ghetto“, in welchem sich der Autor mit der Kultur- und Geistesgeschichte des Kantons Uri in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts befasst. Da findet sich der Band: „Kleine Leute und andere Erzählungen“, herausgegeben von Beat Mazenauer.

Die Schreibenden sind aber nicht kleine Leute. Von Meinrad Lienert über Otto Marchi bis zu Franziska Greising und Gisela Widmer sind es bekannte Schriftstellerinnen und Schriftsteller unserer Region, die über „kleine Leute“ berichten.

Und dann das Lieblingsbuch von Peter Schulz: „Am Anfang war das

„X-chen“ eine Hommage an die Bilder im Rosengart-Museum von Angela Rosengart und Martina Kral. Das Rosengart- Museum in Luzern, ein Juwel der Region, strahlt weit in die Welt hinaus.

Ein spezielles kleines Werk ist mir besonders ans Herz gewachsen. Es ist im Benteli-Verlag herausgekommen und heisst „Der See“. Hier sind die absolut faszinierenden Fotografien von Armin Grässl zu bestaunen, die er während Jahren vom Vierwaldstättersee gemacht hat. In allen Stimmungslagen, unter allen Lichtverhältnissen.

Peter Schulz war Geburtshelfer dieses schön aufgemachten Buches und hat mit Umsicht begleitende Texte ausgewählt und zusammengestellt.

Hier findet sich auch ein Vorwort des ehemaligen Luzerner Bundesrates Alphons Egli mit dem Titel „Mein See“. Ich könnte Ihnen aus diesem Text poetische oder dramatische Sätze zitieren. Ich wähle einen für Alphons Egli und seinen trockenen Humor typischen Satz:

„Der See weckt schliesslich Fernweh, nicht zur Karibik oder Südsee, sondern nur bis zum nächsten Ufer, wo die Anrainer viel weniger Steuern bezahlen.“

Und jetzt stellt sich für mich noch eine letzte Frage, die mich schon lange umtreibt. Hat der heutige Preisträger und Vielgepriesene während der Jahre seines Wirkens sein Licht auf den Scheffel oder unter den Scheffel gestellt? (Neues Testament, Matthäus 5. Kapitel, Verse 14 – 16)

Ich will auf einem Umweg auf diese Frage zugehen. Zunächst sei festgehalten: Peter Schulz kann auftreten, führen, sich durchsetzen. Aber, das ist meine Beobachtung, er setzte sich nie selbst in Szene. Ich war Politikerin, ich weiss, wovon ich spreche. Wo immer Peter Schulz auftrat, sich engagierte, etwas zum Laufen brachte, ging es ihm um die betreffende Sache oder um die Menschen, mit denen er zu tun hatte.

Die Kerze musste leuchten, der Kerzenständer war einfach da! Ist das  angeborene Bescheidenheit? Ein Bedürfnis, zu Diensten zu sein, sich zu engagieren, andere Menschen zu fördern? Ein kultureller Untergrundkämpfer wurde Peter Schulz einmal genannt. Ein Untergrundkämpfer, der überall seine Zellen setzt.

Oder resultiert diese Zurückhaltung, was die eigene Person betrifft, aus dem lebenslangen Eintauchen in Theologie und Philosophie, aus der Verbindung mit dem Transzendentalen, was eine besondere Haltung und Weltsicht mit sich bringt? Uns den Blick für die grossen Bezüge öffnet und uns die eigene Person, das eigene Wirken als verhältnismässig kleine „Grösse“ erscheinen lässt?

Ich denke, diese schwierigen Fragen lassen wir für heute im Raume stehen!

Wir freuen uns mit Dir, lieber Peter, dass Du in diesem Augenblick den Medienpreis der SRG Zentralschweiz für Dein eindrückliches, lebenslanges Wirken als rastloser Medienpionier entgegen nehmen darfst.

Unsere guten Wünsche, unsere guten Gedanken, begleiten Dich!

4. Mai 2019