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Susanne Imfeld

Susanne Imfeld.

„Palliativ-Care heisst Leben ohne Schmerzen mit guter Betreuung“

Vor zehn Jahren hat Susanne Imfeld die Palliativ-Abteilung im Eichhof aufgebaut. Im Interview sagt sie, es wäre hilfreich, wenn auch jüngere Menschen mehr von diesem Thema erfahren würden.

Von René Regenass (Text und Bild)

Viva Luzern veranstaltet einen Jubiläumsanlass „10 Jahre Palliativ-Care Eichhof“. Sie haben diese Abteilung vor zehn Jahren aufgebaut. Was geht Ihnen durch den Kopf?

Susanne Imfeld: Ich finde es sehr gut, dass man diese zehn Jahre zum Anlass eines Jubiläums nimmt und damit der Einrichtung die richtige Wertschätzung zukommen lässt. Ich hoffe, dass das Publikum damit erkennt, dass wir eine gute Arbeit geleistet und zufriedene Angehörige hinterlassen haben. Das ist zudem ein gutes Zeichen nach aussen, falls der Eichhof Konkurrenz erhält. Wir hatten eine gute Zusammenarbeit mit den Institutionen, welche uns Patienten zukommen liessen, Kantonsspital, die Hirslanden-Klinik und Hausärzte.

Was verstehen Sie unter Konkurrenz?
Ich denke an das Sterbehospiz, das bald einmal eröffnet werden wird. Da wird die gleiche Klientel angesprochen. Es wurde viel Werbung gemacht. Das Hospiz ist vermutlich besser bekannt, als die Palliativ-Abteilung im Eichhof.

Hier kann der Jubiläumsanlass von Ende September ja etwas Öffentlichkeit verschaffen?
Bestimmt. Diese Öffentlichkeitsarbeit kommt für den Eichhof genau richtig. Auch das Personal schätzt es, dass Viva mit dem Palliativthema an die Öffentlichkeit geht.

Sehen Sie noch andere positive Zeichen im Umfeld der Palliativ-Care-Einrichtungen?
Ich denke, dass Personen, die mit den Bereichen KESB und Vorsorgeauftrag konfrontiert werden, auch dem Begriff Palliative Care begegnen und wissen wollen, um was es da genau geht. Anderseits staune ich immer wieder, dass Menschen, die sich mit ihrer nahen oder auch weiteren Zukunft beschäftigen, keine Ahnung davon haben, was Palliativ Care meint.

Also braucht es gezielte Öffentlichkeitsarbeit?
Unbedingt.

Dem Tag mehr Leben geben
Wie erkläre ich den Begriff Palliativ Care in knappen Worten?
Palliative Care sollte bei einem schwer kranken Menschen möglichst früh in Betracht gezogen werden, auch wenn noch andere therapeutische Möglichkeiten vorhanden sind. Wenn Therapien nicht mehr wirklich helfen, oder wenn ich selbst müde bin, weitere Therapien zu ertragen, muss ich wissen, dass es noch eine nächste Stufe gibt, eben die Palliativ Care, die den Tag mit gezielter, guter Betreuung lebenswert macht, auch ohne neue Medikamente oder technische Hilfsmittel. Es heisst ja: dem Tag mehr Leben geben. Es ist sinnvoll, wenn jemand, der therapiemüde ist, sich gedanklich davon lösen und der Palliativ Care anvertrauen kann. Das heisst vor allem: leben ohne Schmerzen und gute Betreuung in den letzten Wochen oder Monaten des Daseins. Selbstverständlich  muss jemand bereit sein, sich dieser Betreuung anzuvertrauen.

Wissen die Pflegefachleute, um was es in der Palliativ Care geht?
Palliativ Care ist in der jeder Ausbildung ein Thema. Wie ausgeprägt die Wissensvermittlung, zum Beispiel bei der FAGE (Fachangestellte Gesundheit) ist, weiss ich nicht im Detail.

Im Pflegezentrum Eichhof, als sie die Abteilung noch geleitet haben, hatten sie keine Mühe, Fachpersonal zu finden?
Nein, die Nachfrage nach Arbeitsplätzen war grösser als der Bedarf. Wir hatten immer gut qualifizierte und fähige Leute.

Wie sieht der Stellenschlüssel heute auf der Palliativabteilung im Eichhof aus?
Der Stellenplan sieht aktuell 10,2 Hundertprozentstellen vor. Diese sind mit 12 Personen besetzt (ein Mann, elf Frauen). 40 Prozent davon sind Fachpersonen mit Höherer Fachschulausbildung, 15 Prozent sind Pflegefachpersonen Gesundheit und 45 Prozent Pflegemitarbeiterinnen. Diese Mitarbeiter haben alle den SRK-Kurs besucht. Ausserdem wirken auf der Palliativ-Abteilung im Eichhof auch drei Lernende und Studierende mit einem 250-Prozent-Pensum.

Wie steht es eigentlich um die ambulante Palliativ Care? Ist die Spitex in der Lage, diesen Dienst zu leisten?
In Stadt und Agglomeration funktioniert die ambulante Palliative Care sehr gut. Der Brückendienst macht hier professionelle Arbeit. Diese Leute sind von der Ausbildung her sehr gut für diese Aufgabe geeignet.

Krankenkassen müssten ihre Mittel anders einsetzen
Wird Palliativ Care von der Politik wahrgenommen? Ist die Finanzierung mit dem Mehraufwand gesichert?
Eigentlich sind sich alle einig, dass Palliativ Care eine wichtige Einrichtung ist und noch breiter angeboten werden muss. Bei der Finanzierung allerdings wird es schwierig. Die Abteilung im Eichhof war vor zwei Jahren noch nicht selbsttragend. Palliativ Care wird dort quer finanziert. Die Politik müsste dafür sorgen, dass die Krankenkassen ihre Mittel anders einsetzen. Zudem ist ja auch erwiesen, dass Palliativ Care letztlich günstiger kommt, als Chemotherapie und die hochtechnisierte Medizin. Die Chemotherapie kostete sehr viel. Aber sie wird einfach verordnet. Letztlich geht es um die Geldverteilung: Solange Medizin und Ärzte von teuren Behandlungen profitieren können, wird sich wenig ändern.

Geht es nicht auch um das Verhalten der Patienten und Patientinnen?
Sicher. Es gibt Menschen, die Mühe haben, eine verstärkte psychologische Betreuung in der Palliativ Care anzunehmen und lieber auf Medikamente und Therapien setzen, um ihr Sterben zu verzögern. Das muss jede und jeder für sich selbst entscheiden. Ich hoffe einfach, dass Betagte zunehmend einsehen, dass sie mit einem Therapieverzicht einfacher gehen können. Die Information hat hier noch Nachholbedarf. Und viele Leute, welche von diesem Entscheid noch nicht direkt betroffen sind, wollen gar nichts davon hören. Dabei ist Palliativ Care nicht nur auf die letzten Lebenswochen beschränkt. Sie kann über mehrere Monate, ja Jahre gehen. Es wäre hilfreich, wenn auch jüngere Menschen mehr von diesem Thema erfahren würden.
13. September 2019

 

Das Jubiläum - 10 Jahre Palliativ Care Eichhof

Das Programm am Freitag, 27. September 2019, Beginn 17.15 Uhr. 18.30 Uhr Apéro und Rundgang.

Die Abteilung im Eichhof – was leisten wir und was zeichnet uns aus (Petra Kägi, Teamleiterin, Monika Tröger, Leiterin ärztlicher Dienst.

Wie funktioniert Palliativ Care Eichhof im Zentralschweizer Gesundheitswesen? (Dr. Beat Müller, Leitender Arzt Palliativmedizin im Luzerner Kantonsspital)

Wie hat Palliativ Care Eichhof vor zehn Jahren angefangen? (Susanne Imfeld, Teamleiterin bei der Gründung)

Was ein Angehöriger erlebt hat? (Rolf Meyer, Angehöriger einer ehemaligen Patientin)

Palliativ Care – quo vadis? (Elsbeth Wandeler, Vizepräsidentin Verwaltungsrat Viva)

Der Anlass wird musikalische Umrahmt von Nadine Purtschert.