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Pietro Donzelli: Ernstfall Zügeln

Von Hanns Fuchs

Er ist der Mann, der die Heime zügelt. Das hört sich einfach an. Wenn man sich an eigene Umzüge erinnert, weiss man allerdings, dass es in der Praxis nicht ganz so einfach ist. Wenn es um ganze Heime, Betagtenzentren geht, wird die Züglete zur Generalstabsaufgabe. Und damit sind wir bei Pietro Donzelli, Jahrgang 1946.

Pietro Donzelli, aufgewachsen im Luzerner Hirschmattquartier, besuchte das Lehrerseminar. In Luzern unterrichtete er auf der 5./6. Primarschulstufe. Dann kehrte er der Schulstube den Rücken und ging «ins Feld». An der ETH absolvierte er die Ausbildung zum Berufsoffizier. Eine steile Karriere führte ihn in den Rang eines Obersten im Generalstab. Er führte als Kommandant das Luzerner Infanterie- und Territorialregiment 20. Nach Weiterbildungen an internationalen Schulen war er schliesslich als Kommandant Stellvertreter am Armeeausbildungszentrum Luzern AAL für die Aus- und Weiterbildung höherer militärischer Kader verantwortlich.

Mit 58 konnte er sich frühpensionieren lassen. Das war der Start in die Selbständigkeit. Heute führt er die «Donzelli Management Walking» in Luzern. Mit seiner Firma bietet er Dienstleistungen in Beratung, Coaching, Mediation, Schulung und Projektleitung auf Zeit an. Damit begann auch Donzellis Karriere als «Heimzügler». Der Einstieg war eher zufällig – der damalige Leiter des Betagtenzentrums Eichhof fragte ihn für das Umzugsprojekt an. Die ihm neue Aufgabe reizte ihn – «Und seither habe ich zehn Heime gezügelt“ sagt er. Neben den Heimen in Luzern sind es Institutionen in Zug, Küsnacht, Winterthur – und neulich in Meggen.

Generalstabsmässige Planung vor dem „Tag X“

Wenn Donzelli von diesem Job erzählt, dann merkt man: Da ist ein Generalstabsoffizier am Werk. Er überlässt nichts dem Zufall. Das geht von der minutiösen Bestandesaufnahme des Heim- und Privatinventars bis zur genauen Planung für den «Tag X». Besondere Sorgfalt erfordert nach seiner Erfahrung die Begleitung und Betreuung der Bewohnerinnen und Bewohner während des ganzen Zügelprozesses. Und ja, sagt Donzelli, bei der logistischen Bewältigung einer Heimzüglete komme ihm die Erfahrung als Generalstabsoffizier schon zugut. «Es geht darum, einen Auftrag mit den vorhandenen Mitteln in der festgesetzten Zeit zu erledigen», erklärt er. Einen wesentlichen Unterschied macht er aber aus – und nicht zuletzt das ist für ihn der Reiz bei den Heim- Umzugsprojekten: «Im Militär sind das immer Planspiele, Übungen im Sandkasten. Ein Heimumzug aber ist Zügeln als Ernstfall.»

Dem «Tag X» geht eine rund einjährige Planungsphase voraus. Jedes Detail muss bedacht werden, von der rechtzeitigen Einrichtung der Zimmer am neuen Ort bis zur Notfallorganisation. Und dann kann es dennoch zu einer veritablen Katastrophe kommen. In der heissen Zügelphase des Megger Sunneziel brach letztes Jahr der Norovirus aus. «Dann wird man als Projektleiter unvermittelt zum Krisenmanager», erinnert sich Pietro Donzelli an diesen Zügel-GAU.

1. Februar 2015