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Selbstbestimmtes Wohnen im Alter: Die Rolle der Stadt

Von Marietherese Schwegler

Am Donnerstag hat der Grosse Stadtrat den Bericht und Antrag (B+A) „Selbstbestimmtes Wohnen im Alter“ diskutiert und schliesslich mit einer Protokollbemerkung genehmigt.

Gebot der Stunde

„Die Förderung des selbstbestimmten Wohnens ist angesichts des demografischen Wandels ein Gebot der Stunde“, schreibt der Stadtrat in seinem B+A. Er nimmt damit ein deklariertes Anliegen der Babyboomer-Generation und mancher noch älterer Menschen auf, so lange wie möglich in einer herkömmlichen Wohnung leben zu können. Mit dem B+A hat er dem Parlament dazu einen thematisch breit gefächerten Grundlagenbericht mit Fakten, Analysen, demografischen Trends und Herausforderungen unterbreitet.

Insgesamt beschreibt er wichtige Voraussetzungen für ein selbstbestimmtes Wohnen bis ins höhere Alter – von Freiwilligenarbeit und Spitex über hindernisarme Wohnungen bis zu den Quartieren, die möglichst generationengerecht gestaltet sein sollen. Im Schlusskapitel wird der Entwicklungsbedarf ausgeführt. In Form von elf Schwerpunkten skizziert der Stadtrat, wo er seine künftigen Aufgaben und Rollen zum Thema sieht.

Positive Wertung und Vorbehalte

Der B+A wurde im Parlament mehrheitlich positiv bewertet, wie zuvor schon in der vorberatenden Sozialkommission. Als „Wermutstropfen“ bezeichnete Max Bühler (SP) die Tatsache, dass der Bericht keine konkreten Massnahmen vorschlägt. Mehrfach wurde die Idee einer „Unabhängigen Informations-, Beratungs- und Triagestelle im Alter“ unterstützt. Ebenso die weitere Förderung des Projekts Vicino Luzern oder eine Koordinationsrolle der Quartierarbeit, die auch für Ältere da sein soll.

Neben dezidierter Ablehnung durch die SVP gab es mehrheitlich Zustimmung zum Vorschlag, dass die Stadt privaten Investoren Empfehlungen und Standards im baulichen Bereich vermitteln und das Know-how in der Verwaltung entsprechend ausbauen soll. Dazu sagte Markus Mächler (CVP), Architekt und Mitinitiant einer Interpellation, die den B+A erst ausgelöst hatte: „Für Neubauten gibt es genügend bauliche Standards, nicht aber für Sanierungen von bestehenden Wohnliegenschaften. Die Stadt soll über Fachwissen verfügen, um Bauherren beraten können, wie ein Wohnhaus altersgerecht zu machen ist.“ Kritische Voten zu diesem Schwerpunkt, aber z.B. auch zur Förderung von Freiwilligenarbeit, gab es von Seiten der SVP, FDP und GLP, die einer aktiven Rolle der Stadt skeptisch begegneten.

Wo bleibt die Migrationsbevölkerung?

Einen Mangel des Berichts hat der Grüne Ali Celik erwähnt: „Ein vergessen gegangenes Thema ist die Migrationsbevölkerung 60plus“. Der Antrag, eine entsprechende Protokollbemerkung zu beschliessen, wurde aber abgelehnt.

Schliesslich hat das Parlament eine einzige Protokollbemerkung beschlossen; danach soll der Stadtrat prüfen, ob die „Unabhängige Informations-, Beratungs- und Triagestelle im Alter“ bei Vicino Luzern anzusiedeln sei. Damit wurde der B+A "Selbstbestimmtes Wohnen im Alter" beschlossen.
20. Mai 2016
Weiterer Artikel zum Thema:
"Alterspolitik: Was plant der Stadtrat?“ mit Stellungnahme des Forums Luzern 60plus