Zwischenhalt? Zwischenhalt!

Die Pandemie zwang die Stadt als Veranstalterin 2020 zu einem Zwischenhalt. So richtete sie diesen September zwei Feiern für Frischpensionierte aus. Doch warum der Anlass Zwischenhalt heisst, hat andere Gründe.

Von Barbara Stöckli (Text) und Joseph Schmidiger (Bild)

Willkommen im AHV-Alter mit 3-Gang Menu und dem Jodelchor Bärgbrünneli. So habe man die Rentnerinnen und Rentner der Stadt Luzern noch vor wenigen Jahren im neuen Lebensabschnitt begrüsst, erzählte Stadtrat Martin Merki in seiner Rede. Mit steigender Lebenserwartung, mit der aktiven älteren Generation habe sich eine Begriffsänderung aufgedrängt. Zwischenhalt heisst die Veranstaltung heute. Sie wird vom Forum Luzern60plus organisiert. Zwischenhalt, ein Begriff, der für den Übergang ins Rentenalter passender sei. Denn dieser Moment könne man mit einer Reise gleichsetzen. Aussteigen, sich austauschen, darüber nachdenken, wie man den letzten Lebensabschnitt gestalten soll.

Der Blick in die Zukunft

Einen kurzen Einblick in ihren persönlichen Zwischenhalt liessen zwei Luzerner und eine Luzernerin zu. Bei ihnen ging es ums Loslassen im Beruf und um Pläne für die Zukunft. Vom sich selbständig machen, im eigenen Büro runterfahren (auf ein 100 Prozent-Pensum) und von eigenen Projekten war bei den dreien die Rede.

Wie fern solche Pläne für viele Menschen im Rentenalter sind, zeigte das kurze Gespräch mit einer Spanierin im Publikum. Ihre Lebensrealität sei eine andere: Bleiben oder zurück nach Spanien gehen, das habe sie beschäftigt. So wie ihr gehe es vielen Menschen, die wie sie vor 50 Jahren in die Schweiz gekommen seien. Aus Spanien, Portugal, Italien. Sie habe sich Deutsch beigebracht, obwohl es damals hiess: „Schaffe muesch, nid Dütsch lerne.“ Das sei auch der Grund, warum viele dieser Menschen kaum Deutsch könnten und auch an dieser Feier nicht anwesend waren. Für sie alle ist der Übergang ins Rentenalter weniger ein Zwischenhalt, sondern allenfalls ein Wendepunkt.

Reden, tanzen, essen

Innehalten, nachdenken, zuhören, wie andere in den neuen Lebensabschnitt gleiten, war ein kurzer Moment. Der nächste Zwischenhalt fand in der Mensa der Kantonsschule Alpenquai statt. Statt dem 3-Gang Menu gab es Häppchen und statt dem Jodelchörli spielten Kirk’s Patrol auf.

27. September 2021  barbara.stoeckli@luzern60plus.ch

 

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