Meistens hetzen die Leute daran vorbei: chronometrisches Kunstwerk in der Bahnhofunterführung. Bild: Sandra Baumeler

Zehn WC-Rappen für die Kunst

Kunst, die verschwunden ist. Kunst, die wegzog. Kunst, die versteckt ist. Kunst, die teuer gerettet wurde und eine unsichere Zukunft hat. «Der Flaneur» ist am und im Bahnhof, zweiter Teil. (32. Ausgabe).Von Karl Bühlmann

Der 1971 abgebrannte Luzerner Bahnhof war eine Wundertüte mit Kunst an vielen Plätzen. Dafür ist im Neubau kein Platz mehr da, die Architektur ist Kunst geworden. Die Rendite fordert vermietbare Werbeflächen und Verkaufsgeschäfte mit verlängerten Öffnungszeiten werk- und sonntags.

Wer im Bahnhof ein dringendes Bedürfnis verspürt, benötigt zur (Er-)Lösung entweder eine Kredit- oder Debitkarte oder muss am nächstgelegenen Selecta-Automaten eine Zutrittskarte kaufen. Dafür erhält die zahlungswillige, mit der Digitalwelt vertraute Person nicht bloss den Zutritt in ein profanes WC. Nein, ein gestyltes «Hygienecenter mit Wickeltisch und Familien-WC» empfängt sie. Das einfachste Geschäft, im SBB-Speech «Nutzung der Kundentoilette», kostet einen Franken fünfzig. Wer analog wie in der Auto-Waschanlage eine Unterboden- beziehungsweise Körperwäsche wünscht, löst für zwölf Franken das ganze Programm inklusive Dusche.

Die SBB hatten monatelang und sinnigerweise ausgerechnet in der Hochsaison die alte WC-Anlage wegen des Umbaus geschlossen. Das Hygiene-Center soll jetzt Luzerns Reputation als internationale Tourismusdestination wieder ins Lot bringen. Für die Zeit des Upgrading  hatten die SBB als Ersatz ein Dutzend WC-Kabinen von der besseren Sorte «Toi Toi» im engen Durchgang zum KKL aufgestellt.

Verklemmung in der Leuchtenstadt
In Einerkolonne und mit Gepäck anstehen für Wasserlassen oder Stuhlgang in der «schönsten Stadt der Welt»? Viele Reisegäste werden ihre letztjährige Verklemmung in der Leuchtenstadt nicht so schnell vergessen. Dafür sorgen die nach Hause gebrachten Ferienfotos: In Rom war es immerhin die Coda vor Michelangelos «Jüngstem Gericht». In Paris die File d’attente vor der «Mona Lisa».

Von Luzern bleibt die Erinnerung an die Warteschlange vor dem WC-Provisorium im Bahnhof, Untergeschoss Ost, nahe beim Polizeiposten. Lassen wir es jetzt gut sein, merken wir uns einfach: Ohne Eintritt ins bargeldlose, digitale Zeitalter kann man nicht mehr kleine und grosse «Geschäfte» machen – ausser zuhause.

Wieder mal stehenbleiben
Der Flaneur ist beim Ausgang West angekommen, vor der Treppe zur Hauptpost. Er nimmt sich Zeit für die grosse Weltzeituhr im mehrteiligen farbigen Glasmosaikbild an der Wand. Eilige Einheimische, also fast alle, würdigen das Kunstwerk keines Blickes. Manchmal bleiben Touristen stehen und verfolgen die aufleuchtenden 60 Diodenlämpchen, welche die Sekunden anzeigen. Sie können auf dem Zifferblatt die aktuelle Tageszeit ihres Herkunftslandes ablesen.

Die Anlage ist ein Geschenk der Luzerner Firma Gübelin. Das chronometrische Kunstwerk wurde am 14. April 1960 der Stadt übergeben. Es überlebte den Bahnhofbrand und wurde 1989 nach der Eröffnung des neuen Bahnhofs auf den neusten Stand der Technik gebracht.

Viele Wandbilder verbrannten
In Schweizer Bahnhöfen, die vor hundert oder mehr Jahren gebaut wurden, gehörten grosse Wand- und Deckenbilder fest zum Inventar und dienten sowohl der optischen Unterhaltung wie auch der Schweiz-Werbung. In Luzern gingen beim Brand vor 55 Jahren zahlreiche Kunstwerke verloren.

Der Luzerner Künstler Ernst Hodel jun. (1881–1955) malte das Wandbild «Matterhorn» an der Westwand der Kuppel und das Sujet «Rheinfall» über dem Geldwechselschalter. Zehn Jahre zuvor hatte er das 15 Meter breite Wandbild «Vierwaldstättersee» in der Schalterhalle des Basler Bahnhofs ausgeführt, eines der grössten Wandgemälde hierzulande. Hodels Bilder in Luzern fielen 1971 dem Brand zum Opfer.

Den Brand überstanden, aber im Neubau keinen Platz mehr gefunden, hat Hans Beat Wielands Bild «Gotthardpasshöhe». Es befand sich im Auskunftsbüro. Der St. Galler Wieland, Jahrgang 1867, verheiratet mit der Künstlerin Elsa Henkell aus der Sektfabrikanten-Dynastie, war zu Lebzeiten eine nationale Grösse in der Kunst, aktiv auch als Plakat- und Briefmarkengestalter. Er führte grosse Fresken in den Bahnhöfen Bern, Basel, Genf und Luzern aus. Die letzten fünfzehn Jahre seines Lebens verbrachte Wieland in Kriens, wo er 1945 starb.

Die «Gotthardpasshöhe» wurde neun Jahre nach dem Brand abgelöst und mit finanzieller Unterstützung des Kantons Uri restauriert. Im Bahnhofbuffet Göschenen hat es einen neuen Standort gefunden, zusammen mit dem Wieland-Fresko «Wassen im Winter», das ursprünglich im Bahnhof Bern beheimatet war.

Aus dem Bahnhofbuffet gerettet: Hans Ernis Wandbild mit Trachtenmeitschi (Ausschnitt). Bild: Karl Bühlmann

Eine Züglete erlebten auch «Les trois Grâçes luçernoises» von Hans Erni (1909–2015). Das Fresko belebte früher die Wand hinter dem Ausschank im Bahnhofbuffet 2. Klasse. Das Bild mit der pittoresken Marktszene überstand den Brand, verschwand hinter einer Bretterwand und wurde knapp vor dem Abbruch der Ruine wieder entdeckt. Im Hans-Erni-Museum hat es dank privater Rettungsaktion seinen Alterssitz gefunden.

Hans Erni brauchte das Geld
Das Wandbild geht auf einen Wettbewerb der SBB zurück, der 1936 vom 25-jährigen Hans Erni gewonnen wurde. Das Fresko zeigt eine historisierende Sicht auf den Luzerner Kapellplatz. Darauf existieren noch die Stadtbefestigung und die hölzerne Hofbrücke, die mit dem Aufkommen des Tourismus zwischen 1835 bis 1852 abgerissen wurden. Der Künstler, der als Mitglied der Pariser Gruppierung «Abstraction-Création» damals in der ungegenständlichen Kunst zuhause war, liess sich von historischen Trachtendarstellungen und einer früheren Stadtansicht des Luzerner Genremalers und Lithographen Xaver Schwegler (1832–1902) inspirieren – und gewann gerade deshalb die Ausschreibung.

Weil er sich gemüssigt sah, gegenüber Modernisten und Künstlerkollegen seine plötzliche Kehrtwendung zur traditionalistischen Malweise zu begründen, malte er auf dem Bildrand ein Anschlagbrett. Darauf schrieb und entschuldigt er sich, dass er eigentlich ein fortschrittlicher, abstrakter Maler sei, aber aus ökonomischen Gründen halt derartige Aufträge ausführe.

Kunstwerk im Exil
In der Sammlung von «SBB Historic» gibt es weitere Gemälde aus dem alten Bahnhof, die rauchgeschwärzt lange in einem Lager versteckt waren, inzwischen restauriert werden konnten und auf eine Platzierung warten. Entflogen ist längst der Steinadler mit der Weltkugel auf dem Rücken. Er thronte einst auf dem alten Westportal des Bahnhofs an der Zentralstrasse. Nach dem Brand behändigte ein Bildhauer den Vogel aus dem Bauschutt und nahm ihn nach Rothenburg mit.

Dank der Vermittlung des Präsidenten der Luzerner Spielleute flog die Skulptur nach einiger Zeit im Exil nach Luzern zurück und fand einen Altersplatz hinter dem Pavillon der Spielleute. Dort ruht sich der Steinvogel bis heute auf einem hohem Betonpodest aus, passenderweise am Spelteriniweg – Eduard Spelterini (1852–1931) war der Schweizer Pionier der Ballonfliegerei und Luftfotografie.

Leider bewegt sich hier gar nichts: vergessene Eisenplastik von Bernhard Luginbühl auf Gleis 3. Bild: Sandra Baumeler

Zurück zum Tatort, in den Westtrakt des Bahnhofs. 346 Monate nach dem Bahnhofbrand von anno 1971, genauer am 11.12.1999 exakt um 11.12 Uhr, wurde auf Gleis 3 die Eisenplastik «LuzFigur» eingeweiht und in Betrieb gesetzt. Das Datum war bewusst gewählt: Mit Abschluss des Westtrakts war der Schlussstein für den Bahnhofneubau gesetzt.

Geheimnisvolle Installation 
Der Schweizer Eisenplastiker der Stunde, Bernhard Luginbühl (1929–2011) hatte mit den Söhnen Basil und Iwan aus ausrangierten, angerosteten Teilen aus Schienen- und Rollmaterial in der Höhe zwischen zwei architektonischen Strebebögen ein plastisches Bildwerk komponiert. Einen Monat vor der Enthüllung des Kunstwerks war in der «Luzerner Zeitung» über die 21 Meter lange Installation zu lesen: «Das Werk wird keine tote Hose sein. Die Räder werden rollen und rattern, sogar eine fahrende Modelleisenbahn soll integriert werden und die Anziehungskraft des beweglichen Schaustücks erhöhen».

Die rollenden Räder hat der Flaneur noch erlebt, eine Modelleisenbahn glaubt er nie gesehen zu haben. Auf Gleis verstummte die künstlerische Herrlichkeit bald, seither stehen die Räder still. Eingerostet?  Aus Lärmschutzgründen? Wegen des Stromverbrauchs? Aus Sicherheitsgründen? Um die Ansammlung von neugierigen Personen vor der Grossplastik zu vermeiden? Niemand scheint Näheres zu wissen, selbst die Suva als angebliche Eigentümerin des Werkes nicht.

«Luzern im Rückzug» – ja, könnte man meinen, wenn solche Kunstwerke samt einem Luginbühl ein Mauerblümchen-Dasein fristen. Bild: Karl Bühlmann

Selten halten Zugpassagiere auf Gleis 3 vor der «LuzFigur» inne. Das kleine Messingschild mit den Namen der Sponsoren an der Betonstütze bleibt unbeachtet. Der Name des seinerzeitigen Initiators Roland Straub, der das Fundraising unter den am Bahnhof-Neubau beteiligten Unternehmen besorgte, ist vergessen gegangen.

Es fehlt ebenfalls ein Hinweis, dass das blaue Eisenblechschild «lucerne en recul» ein Palindrom aus der Kunst- und Sprachwerkstatt des aus Luzern gebürtigen «a. t.» ist. Hinter dem Kürzel verbirgt sich André Thomkins (1930–1985). – Palindrome sind rückwärts lesbare Wörter wie «Anna» oder «Reliefpfeiler», aber auch oder Sätze, zum Beispiel «Trug Tim eine so helle Hose nie mit Gurt».

Ist das emaillierte Schild am Gleis 3 gut verschraubt? Vor zwei Jahren wurde ein Duplikat an einer Auktion in Bern für 3000 Franken verkauft. Das Thomkins-Zitat im Bahnhof ist wenig schmeichelhaft für des Künstlers Heimatstadt, die ihm zu Lebzeit wenig Ehre hatte zukommen lassen. Zum Glück ist es dem genialen Zeichner-Sprachartisten Thomkins nicht gelungen, aus «botter le cul» ein Palindrom zu machen, es wäre zu viel an Bosheit gewesen.

Dieses Werk von Josef Vetter – früher war es Fassadenschmuck – ist in einem Treppenhaus untergebracht. Bild: Karl Bühlmann

Gleich folgt der Eingang zur Zentralstrasse 5. Im Treppenhaus stösst der Flaneur auf drei Sandstein-Reliefs, unten links mit «J. Vetter» beschriftet. Auf jedem sind drei Figuren herausmodelliert: Einmal ein nachdenklicher Alter, der sich an den Bart greift, während sich zwei Kindchen am Ofen zu schaffen zu machen. Zweimal eine barbusige, schwebende Göttin mit Putten, die sich an das fliegende Leinentuch klammern (siehe Bild).

Die Allegorien gehörten einst zum Fassadenschmuck an der Ostseite. Jetzt haben die mehr als hundertjährigen Relikte aus der Uralt-Bahnhofzeit die Seiten gewechselt und verstecken sich, weil ein Lift vorhanden, im wenig frequentierten Treppenhaus.

Der Bildhauer Josef Vetter (1860–1936) war Lehrer an der hiesigen Kunstgewerbeschule gewesen. Seinen Figuren begegnet man auch in der Stadt: Beim Barfüsser-Brunnen, an der Paulus-Kirche, am Stadthaus, in der Krongasse. Auch die fünfeinhalb Meter hohe Christusstatue auf dem Felsvorsprung bei Meggenhorn stammt aus seiner Werkstatt.

Das Wandbild «Nord et Sud» war und ist teuer. Es passt weder thematisch zu Luzern noch zum Thema Mobilität. Bild: Sandra Baumeler

Für die letzte Station der Tour ist der Zebrastreifen auf der Zentralstrasse zu überqueren. Der Platz vor dem Hotel Monopol bietet den besten Blick auf das Wandbild «Nord et Sud», 12 mal 17 Meter gross, geschützt hinter Spezialglas, mit Klimaanlage und Sonnenstoren und künstlicher Beleuchtung im Bedarfsfall.

Das Fresko war 1929 als künstlerischer Schmuck in der früheren Bahnhofhalle geschaffen worden. Sein Schöpfer, der Genfer Maler Maurice Barraud (1896–1977), erhielt dafür 12'000 Franken. Er war Sieger im Wettbewerb geworden, den die Eidgenössische Kunstkommission ausgeschrieben hatte. Die Entwürfe von Hans Beat Wieland und des Urner Malers Heinrich Danioth waren drittklassiert worden, die Luzerner Ernst Hodel und Eduard Renggli gingen leer aus. Barraud hatte seinen Entwurf ursprünglich «La paix des monts» genannt. Nach dem Gewinn des Auftrags machte er kleine Anpassungen, stimmte Personen, Landschaft und Stimmung auf mehr südlich.

Für den «gebildeten Durchschnittseuropäer»
Das Wandbild überstand 1971 den Brand, wurde in 16 Teile ausgefräst, dann eingelagert, retuschiert, restauriert, und 24 Jahre später wieder zusammengesetzt. Und so  schauen wir heute an der Fassade des Westtrakts auf eine bukolische Szenerie, die nichts mit Luzern, wenig mit Nord, noch weniger mit Strassen und Schienenverkehr, Mobilität und Moderne zu tun hat. Was sehen wir? Siesta am Gestade, eine Tessinerin mit Korb auf dem Kopf blickt gedankenverloren in die Welt, das Trachtenmeitli mit drei Geisslein starrt auf den sonnenbadenden Ragazzo, der schläfrige Senn im Hirtenhemd träumt zum Himmel, ein Mädchen wagt sich ins Wasser zum vertäuten Segelboot. – Arkadia in Svizzera, heute noch.

Die Jury sagte vor hundert Jahren Ja zum Entwurf – «auch wenn das Resultat des Wettbewerbs den vielleicht zu hohen Erwartungen nicht in jeder Beziehung entsprach.». Die Stadt hatte bekommen, was sich deren Regierung gewünscht hatte. «Der Stadtrat gibt der Hoffnung und Erwartung Ausdruck», so heisst es im Stadtratsprotokoll vom 11. August 1927, «dass ein Kunstwerk geschaffen werde, das für den gebildeten Durchschnittseuropäer verständlich ist».

He, he, was sind «Durchschnittseuropäer»? Dürfte der Begriff heute, im Zeitalter des Reinheitsanspruchs und der Tabu-Wörter, in einem amtlichen Papier stehen? Was ist mit den Durchschnittsamerikanern, was mit dem Durchschnittsasiaten, die Luzerns Tourismus beleben? – Wie auch immer: Luzernerinnen und Luzernern gefällt das Bild im Durchschnitt. Oder wird das 175 Quadratmeter grosse Bild übersehen? Wer sich dort zu Fuss bewegt, hat sich schliesslich auf Verkehr, Ampeln und Rolltreppen zu konzentrieren.

Nach dem Brand hatten die SBB anfänglich anderes vor als eine Rettung und Neuinszenierung des Wandbildes. Die Verlegung in ein Kraftwerk im Gotthardgebiet oder die Platzierung am allfälligen Neubau des Kunst- und Kongresszentrums wurden vorgeschlagen. Auch der Verkauf für 150'000 Franken an einen Tessiner Industriellen zuhanden einer Schenkung an die Stadt Locarno war ein Thema.

Eine städtische Partei und die Kulturkommission fanden, das Werk passe nicht mehr in die Zeit und zur Architektur des neuen Bahnhofs. Weil das Bild unter Denkmalschutz stand, mussten die SBB das Werk erhalten und ihm einen neuen Platz auf dem Bahnhofareal zusichern. Andernfalls, so drohte der damalige Denkmalpfleger, würde die Baubewilligung für den neuen Bahnhof auf sich warten lassen. So etwas half! Der neue Bahnhof wurde gebaut, und das alte Wandbild brachte Farbe und Idylle an die Westfassade.

Über zwei Millionen Franken
Da die dreissigjährige Sperrfrist für Dokumente über die Wandbild-Abrechnung am 31. Dezember letzten Jahres endete, konnte der Flaneur endlich die gewünschten Dokumente einsehen. Die gesamten Rettungskosten (Projektierung, Untersuchung, Bildentfernung, Bildmontage, Heizung, Lüftung, Klima, Verglasung) kosteten die SBB exakt 2'225'881 Franken und 15 Rappen. Stadt und Kanton Luzern leisteten 242'326 Franken.

Die jährlich wiederkehrenden Betriebskosten für das Wandbild hatten die SBB vor dreissig Jahren mit jährlich 70'000 Franken berechnet und für 40 Jahre budgetiert. Mit der Teuerung dürften die Unterhaltkosten inzwischen wohl bei sechsstelligen Zahlen angekommen sein. «Nord et Sud» ist also eine kostspielige Sache. Wer übernimmt die Kosten nach Ablauf der 40 Jahre?

Geld stinkt nicht
Die Stadt Rom verlangt seit diesem Jahr zwei Euro Eintritt für die Touristen, die zum Innenbereich beim Trevi-Brunnen wollen. Der Februar hat über 400'000 Euro eingebracht. Für Luzern ist das keine Lösung, da das Bild an einer Aussenwand prangt.

Der römische Kaiser Vespasian erhob im ersten Jahrhundert nach Christus eine Latrinensteuer. Warum nicht auch für die Benutzung des Hygienecenters am Bahnhof einen zusätzlichen Obolus von zehn Rappen einführen? Einzig für das Konto «Kunst am Bahnhof». Ganz im Sinne von Vespasians angeblichem Ausspruch «Pecunia non olet». Oder übersetzt für den Durchschnittseuropäer (und für Donald Trump): Geld stinkt nicht. Erst recht nicht in einem Hygienecenter.

Erster Teil «Herrenloses Kunstgut auf Abruf»

21. März 2026 – karl.buehlmann@luzern60plus.ch


Kari_Test.jpg

Karl Bühlmann (1948) ist «Der Flaneur». Aufgewachsen in Emmen. Historiker und Publizist, tätig in der Kultur und Kunstvermittlung und engagiert bei Kulturstiftungen. Buchautor und Redaktor der «Luzerner Neuesten Nachrichten» (LNN), von 1989 bis 1995 deren Chefredaktor. Wohnhaft in Luzern und Maggia/TI. (Bild: Joseph Schmidger)