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Miese Tricks

Von Rudolf Wyss

Ich kaufe einen Hund. Denn ich komme jetzt in ein Alter, wo ich zur Risikogruppe für Betrügereien gelte. Zum Beispiel für den Enkeltrick. Betroffen davon war auch die 64jährige Elisabeth aus Solothurn. Dass sie  nicht um 60‘000 Franken erleichtert worden ist, hat sie einem Hund zu verdanken. Die Trickbetrügerin, welche sich als ihre Nichte ausgab, wusste den Namen des Vierbeiners nicht.

Noch habe ich etwas Zweifel, ob mein neuer treuer Begleiter gegen alle Tricks genügend Schutz bietet. Oft sind Betrüger, welche an der Tür klingeln, stilecht verkleidet als Polizisten, Geistliche oder Krankenschwester. Also alles gute Menschen, denen man vertrauen kann. Im Gegensatz zu Versicherungsvertretern und Politikern, welche im Ranking der vertrauenswürdigen Berufsgruppen stets die letzten Plätze belegen. Da würde wohl selbst mein Hund knurren.

Ziel der vermeintlichen Gutmenschen ist es, in die Wohnung oder das Haus zu kommen. Sei es mit dem Zettel-, Wasserglas-, Teppich-  oder Handwerkertrick. Sind die Betrüger erst einmal im Haus, ist’s um den Hausrat geschehen. Wahrscheinlich klauen sie auch noch den Hund.

Da lobe ich mir doch die netten Menschen, welche mich nicht hereinlegen, sondern mir Geld schenken wollen. Ja wirklich. So wurde ich ausgewählt, „950‘000 Euro als Almosen zu empfangen“. Warum das für Saad Al Muhannadi, Ingenieur und Präsident der Qatar Foundation, nur eine milde Gabe ist, bleibt noch etwas rätselhaft. Vielleicht ist das in seinem Emirat so.

Nebst Saad Al Muhannadi wollen mich auch Martin Owolaye, Georges Jones, Mariam Bakayoko, Samuel Jiriegogoziem, Alberto Daniele und Olga Lopez beschenken. Auffallend ist, dass der Wortlaut aller Inhalte stets etwas holprig klingt. „Wir freuen uns, dass Ihre Facebbook-Account haben nach dem Zufallsprinzip als Begünstigter gewählt.“ Oder: „Gestatten Sie mir informieren Sie meiner Begierde gehen in Geschäftsbeziehung mit Ihnen.“  Auch etwas irritierend ist auch dieser Satz: „Bitte, wenn an Angebot interessiert, empfehlen wir Ihnen, zu füllen.“ Oder diese Formulierung: „Das Geld ist momentan in der Sicherheitsfirma für sicheres Behalten.“

Nun, dann sollen sie es behalten. Wobei ich das Geld natürlich schon gebrauchen könnte. Denn die Anschaffung eines Hundes ist recht kostspielig. Dazu gehören die Aufwendungen für den Mikrochip, welcher seit einigen Jahren jeder Hund tragen muss, die Haftpflichtversicherung mit einer Deckungssumme von mindestens einer Millionen Franken sowie meine Ausbildung als Hundehalter in Theorie (Kenntnisse über Rechtsgrundlagen und Sozialverhalten eines Hundes) und Praxis (Umgang in Alltagssituationen).

Herausfordernd ist auch die Wahl des richtigen Hundenamens. Luna, Kira, Gina sowie Rocky, Lucky und Nero sind die beliebtesten Namen und dürften auch den Trickbetrügern bekannt sein. Deshalb allenfalls Nello. Denn so hiess der Hund, welcher die 64jährige Elisabeth vor dem Enkeltrick bewahrte.

Vielleicht kaufe ich aber auch eine Videoüberwachung mit vier Infrarot-In- und Outdoor-Kameras und drei Aufnahme-Modi  inkl. Monitor. Zurzeit gibt’s ein Sonderangebot  für 449 statt 550 Franken. Da ist selbst ein süsser, kleiner und regelmässig entwurmter Zwergpinscher noch teurer.

20. September 2015

Zur Person
Rudolf Wyss, geboren 1955 in Sarnen, ist Journalist und PR-Berater. Er arbeitete als Medienschaffender unter anderem bei Radio Pilatus als Newschef, bei den LNN als Ressortleiter und war bei TeleTell Realisator und Moderator des Reporttalks „Regiotalk“ sowie Chefredaktor. 2000 gründete er eine eigene Agentur, welche Firmen und Behörden in den Bereichen Medien, Marketing und Kommunikation berät und entsprechende Kampagnen konzipiert und realisiert. Rudolf Wyss lebt mit seiner Lebenspartnerin in Meggen.