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Andrea Wanner ist neue Geschäftsführerin von Viva Luzern

„Die Bewohner und Bewohnerinnen sind zentral für unser Wirken“

Andrea Wanner, die neue Geschäftsführerin von Viva Luzern, beantwortet Fragen zu ihrer Motivation.

Von René Regenass

Vier Jahre wirkte Andrea Wanner (47) als Regionalleiterin Ost für die Senevita AG, einer schweizweit verankerten Pflegeheimgruppe. Jetzt hat sie auf den 1. Mai als Nachfolgerin von Beat Demarmels die Geschäftsführung der Viva Luzern AG übernommen. Damit wechselt Andrea Wanner von einem Privatbetrieb zu einer Gemeinnützigen AG, die sich in Luzern gegenüber der Politik verantworten muss. Wo lag die Herausforderung?

Andrea Wanner: Im Vordergrund stand die Chance, in einem noch jungen Unternehmen bei der strategischen und operativen Weiterentwicklung mitwirken zu können. Angesprochen hat mich zudem, dass Viva Luzern im Schweizerischen Gesundheitssystem als grosser Pflegebetrieb gut verankert ist. Zur Verantwortung gegenüber der Politik: Die Herausforderungen in unserem Gesundheitssystem können nur gemeinsam gemeistert werden.

Was motiviert Sie für die Arbeit im Bereich der Langzeitpflege?
Der erste Schritt führte mich ins Oberaargauische Pflegeheim in Wiedlisbach, damals ein 280-Betten Haus mit Zentrumscharakter. Die tägliche Herausforderung im Spannungsfeld zwischen den verschiedenen Anspruchsgruppen faszinierte und prägte mich. Angehörige wollten eingebunden werden. Zahlende Instanzen verlangten Rechenschaft. Mitarbeitende suchten attraktive Arbeitsfelder. Im Zentrum des Wirkens standen jedoch klar die Bewohnenden. Und klar: Bei allem Engagement musste der Aufwand bezahlbar bleiben.

Es gibt in der Langzeitpflege zu wenig ausgebildete Fachkräfte. Das merkt auch Viva Luzern bei der Ausschreibung von Stellen für Führungskräfte, Teamleitungen zum Beispiel. Was müssen wir ändern?
Das hat verschiedene Gründe. Für junge Leute ist ein grosser Teil des heutigen Berufsbildes schlicht zu wenig attraktiv. Nicht umsonst spricht man vom Arbeitsmarkt. Die Berufe müssen sich an der Nachfrage orientieren. Beispielsweise sollen flexible Arbeitszeitmodelle, Verantwortung und Kompetenzen, Gestaltungsmöglichkeiten gemeinsam diskutiert werden. Da hat Viva Luzern ein grosses Potenzial. Auf einer anderen Ebene gilt es, die Berufslehren weiterzuentwickeln. Heute setzen viele Eltern alles daran, dass Tochter oder Sohn den gymnasialen Weg wählen und dann studieren. So verlieren wir viele fähige Leute. Zudem: Es ist an der Zeit, bei der Entlöhnung genauer hinzusehen. Nur mit dem Applaus auf den Balkonen ist es nicht getan, auch wenn es ein schönes Zeichen ist. Es ist die Politik, die hier handeln muss und entsprechende finanzielle Mittel zur Verbesserung der Löhne zur Verfügung stellen sollte.

Stichwort Corona: Wie leben Sie damit?
Meine Einführungszeit seit dem 20. März bei Viva Luzern ist geprägt von Corona. Ich durfte feststellen, dass Vieles gut aufgegleist ist. Einsatzwille und Leistungsbereitschaft sind vorbildlich. Persönlich lebe ich vorsichtig. Und kann nicht verhindern, dass ich mich schon bei wenig Halsweh frage, was das wohl sein könnte. Wir werden uns wohl noch lange mit Covid-19 und seinen Auswirkungen arrangieren müssen. Das macht mir schon Sorgen. Und wenn ich an all die Menschen denke, deren Arbeitsplatz durch dieses Virus gefährdet ist oder die ihn schon verloren haben, stimmt mich das traurig. - 29.April 2020

Zur Person
Andrea Wanner ist auf dem elterlichen Bauernhof in Recherswil im Kanton Solothurn aufgewachsen. „Man hört es, das kann man nicht verstecken“, sagt sie zur Herkunft. Nach der Schule und dem Welschlandaufenthalt schloss Andrea Wanner nach vier Jahren erfolgreich die Grundausbildung zur Hauswirtschaftlichen Betriebsleiterin an der Höheren Fachschule in Bern ab. Es folgte berufsbegleitend die Weiterbildung zur Betriebsökonomin und danach ein Nachdiplomstudium an der Fachhochschule in Aarau in Betriebswirtschaft, (Führung und Leadership im Management). Als Praktikern weist Andrea Wanner 24 Jahre Erfahrung im Langzeitbereich in verschiedenen Führungsfunktionen aus, davon drei Jahre im Bereich der stationären Psychiatrie. Als Ausgleich zum herausforderungsreichen Berufsalltag geht sie auf Ausritte mit ihrer Trakehnerstute.