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Mario Stübi,Kolumnist

Diese vier Gründe machen das Luzerner Veloverleihsystem zum besten der Schweiz

 Von Mario Stübi

Während in anderen Schweizer Städten mit viel Pomp das x-te Veloverleihsystem eingeführt wird, existiert in der Stadt Luzern seit acht unaufgeregten Jahren Nextbike. Frei von Lokalpatriotismus kann es aus folgenden Gründen als das bis dato beste System der Schweiz bezeichnet werden.

 1. Es funktioniert einwandfrei

Das System Nextbike aus Deutschland ist seit Jahren erprobt und die Nutzung via App funktionier tadellos. Deshalb ist es in den Medien kaum präsent – im Gegensatz zu den «Free floating»-Debakeln in Zürich oder jüngst die fehlerhaften Schlösser der Berner Publibikes.

Bonuspunkt: Nextbike ist ein weltweit verbreitetes Verleihsystem und kann in Hunderten anderen Städten ebenfalls genutzt werden. So konnte ich letzten Sommer in Zagreb gleich losfahren, ohne vorher eine andere, örtliche App runterzuladen.

 2Es wird gewartet

Die Velos von Nextbike sind an klug ausgewählten, immer zahlreicher werdenden Stationen platziert. Dabei schaut die Betreiberin Caritas täglich, dass an allen Standorten genügend Fahrzeuge zur Verfügung stehen. Es sind solide Modelle ohne Störungsanfälligkeit, werden sie doch regelmässig in der Werkstatt gewartet. Die lausigen Eingänger von O-Bike sind ein Witz dagegen und leider bereits reif für den Schrottplatz.

Bonuspunkt: Diese Wartung durch die Caritas ist gleichzeitig ein Arbeitsintegrationsprojekt.

 3. Es ist gratis  

Moment, man muss doch die Kreditkarte in der App hinterlegen? Richtig, aber Luzernerinnen und Luzerner fahren anschliessend kostenlos, wenn die Fahrt unter vier Stunden bleibt. Das ist Veloförderung, die diesen Namen verdient – und erst noch die Nutzungszahlen durch die Decke gehen lässt (bis August sind heuer bereits mehr Fahrten gezählt worden als im ganzen 2017).

Bonuspunkt in spe: Diese Gratisaktion ist befristet, Ende Jahr läuft sie aus. Wenn die Stadtregierung aber einen geschickten Schachzug in der Verkehrspolitik tätigen will, macht sie aus Take a Bike ein Dauerangebot. Es kostet die öffentliche Hand weniger als 100‘000 Franken pro Jahr.

 4. Service public statt private Gewinne

Mehrere Anbieter für die gleiche Dienstleitung: In Sachen Veloverleih sind Schweizer Städte wohl zu klein dafür. Um einen funktionierenden und breit akzeptierten Service für Leihvelos zu betreiben, braucht es in erstes Linie einen behördlichen Ansatz, keinen Markt mit gewinnorientierten Privaten. Wo Letzteres nämlich hinführt, können wir aktuell in China mitverfolgen

Mario Stübi (34) hat Kulturwissenschaften an der Universität Luzern studiert. Er ist freischaffender Redaktor und DJ und für die SP Grosser Stadtrat von Luzern. Er engagiert sich kulturell in diversen Vereinen und Gremien, aktuell für die SRG und die IG Kultur.